Das bleierne Schweigen „Endstation Prag“ mit Mads Mikkelsen jetzt auf DVD

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Haben keine Worte mehr füreinander: Christoffer (Mads Mikkelsen) und seine Frau Maja (Stine Stengade). Foto: Film ConfectHaben keine Worte mehr füreinander: Christoffer (Mads Mikkelsen) und seine Frau Maja (Stine Stengade). Foto: Film Confect

Osnabrück. Ingmar Bergman und Franz Kafka mussten bei der Kritik als Vergleiche herhalten, um Ole Christian Madsens Beziehungsdrama „Endstation Prag“ zu beschreiben. Doch dem Dänen gelingt eine ganz eigene Mischung aus Tragik, Humor und Schweigen.

Die meisten Kinogänger kennen Mads Mikkelsen als Bond-Bösewicht Le Chiffre aus „Casino Royal“ von 2006 . Im selben Jahr erschien „Endstation Prag“ , der eine ganz andere, aber nicht weniger spannende Facette von Mikkelsens Können zeigt.

Christoffer (Mads Mikkelsen) reist mit seiner Frau Maja (Stine Stengade) nach Prag, um den Leichnam seines Vaters zu überführen. Seit dem 15. Geburtstag hatte Christoffer keinen Kontakt mehr zu seinem alten Herren und ist dementsprechend schlecht auf ihn zu sprechen. Überhaupt liegt ein bleiernes Schweigen auf der Figur des Christoffer, dabei wird der Zuschauer das Gefühl nicht los, er wolle jeden Augenblick etwas Wichtiges sagen. Doch da kommt nichts. Wie Mads Mikkelsen dieser seelischen Verkrampfung Ausdruck verleiht, ist eine wahre Augenweide.

Gleichzeitig werden so Majas Motive begreiflich, ihn zu verlassen. Streit, Türenknallen, Tränen – so sehen zerbrechende Ehen zumeist vor der Kamera aus. Hier jedoch wird gekämpft, von beiden, um gemeinsame Erinnerungen, verpasste Chancen, nicht ausgesprochene Worte. Der einzige Mensch, dem Christoffer sich schließlich öffnen kann, ist die Haushälterin seines verstorbenen Vaters – sie versteht weder Dänisch noch Englisch.

Als Christoffer und Maja endlich Worte finden für das, was ihnen entglitten ist, gibt es doch tatsächlich sogar etwas zu lachen. Auch Christoffers Besuch im Prager Leichenschauhaus wirkt – hier ist der Vergleich durchaus angebracht – auf kafkaeske Weise komisch. Zumeist jedoch lastet ein schwerer Streicherteppich auf den trist-schönen Bildern von Kameramann Jørgen Johansson, die zunächst eine Orientierungsleistung des Betrachters erfordern.

Es ist formal wie inhaltlich kein Wohlfühlfilm, den Ole Christian Madsen da gemacht hat. Doch eben darum schafft er es, die Schwere einer Trennung nach vielen Ehejahren selbst für abgehärtete Fans von Schmachtfetzen spürbar zu machen.

Leider stellt sich dieser Effekt in der deutschen Synchronfassung nur bedingt ein. Hier geht auf stimmlicher Ebene auch das letzte Bisschen Wärme verloren, dass den coolen Bildern Leben einhaucht. Zum Glück bietet die DVD, die nun bei Film Confect erschienen ist, die Option, den Film im Originalton mit deutschen Untertiteln anzusehen.

Extras gibt es auf der Edition von Nordic Watching leider überhaupt nicht, ein zweiter Minuspunkt bei einem ansonsten absolut empfehlenswerten Kandidaten für das Arthouse-Heimkino.

Endstation Prag, DK 2006, R: Ole Christian Madsen, 92 Min., FSK 12, Film Confect


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