Moderator auf Erfolgswelle Neue NDR-Show für Kai Pflaume: „Kaum zu glauben“

Von Stefanie Backs

Mit 18 habe er eine blonde Dauerwelle getragen, verrät Kai Pflaume im Gespräch mit unserer Zeitung. Das allerdings hätte kaum gereicht, um in seine neue Show zu kommen. Foto: dpaMit 18 habe er eine blonde Dauerwelle getragen, verrät Kai Pflaume im Gespräch mit unserer Zeitung. Das allerdings hätte kaum gereicht, um in seine neue Show zu kommen. Foto: dpa

Hamburg. Unglaubliche Geschichten, Erlebnisse oder Talente – darum dreht sich die neue Rate-Show „Kaum zu glauben“ im NDR. Moderiert von Kai Pflaume, versucht ein Promi-Quartett, die Skurrilitäten der Gäste zu erraten.

Eine schwarz-rot-goldene Girlande ums rechte Handgelenk geschlungen, saloppes Jeanshemd und strahlend blaue Augen. TV-Moderator Kai Pflaume hat richtig gute Laune beim Interview in Hamburg – und das nicht nur, weil die Deutschen am Abend zuvor ins Finale der Fußball-Weltmeisterschaft eingezogen sind. Der 47-Jährige hat schon wieder eine neue Show im NDR. „Kaum zu glauben“ heißt das Ratespiel, bei dem Pflaume fünf nicht prominente Gäste mit skurrilen, außergewöhnlichen Geschichten begrüßt. Welche besonderen Begabungen oder Erlebnisse das sind, soll in acht Folgen ein prominentes Rate-Team herausbekommen. Das sind Quizmaster Jörg Pilawa, Schauspielerin Stephanie Stumph, „NDR Talk Show“-Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt und Ratefuchs Bernhard Hoëcker („Genial daneben“). Gelingt es ihnen in der vorgegebenen Zeit nicht, die Geschichte zu knacken, gewinnen die Kandidaten bis zu 1000 Euro. Die dürfen auf Fragen nur mit „Ja“ oder „Nein“ antworten.

Da kommen Erinnerungen an den Ratespiel-Klassiker „Was bin ich?“ mit Robert Lembke hoch. „Das Spielprinzip erinnert vielleicht daran – mehr aber auch nicht“, betont Kai Pflaume. „Das ist keine Retro-Show und auch keine Neuauflage von ,Was bin ich?‘.“ Die Mischung sei neu und anders. „Wir erzählen die Geschichte und lösen das Rätsel am Ende durch kleine Filme. Da wird viel Spaß mit dabei sein“, verspricht der Moderator. „Heutzutage glaubt man ja, man hat schon alles gesehen, gehört oder gelesen. Aber das Skurrilitäten-Kabinett ist doch unendlich.“

Ob auch er mit unglaublichen Geschichten aufwarten kann? „Nach 21 Jahren Fernsehen gibt es jede Menge skurrile Erlebnisse, aber nichts, was mich als Gast in die Sendung gebracht hätte“, sagt er. „Ich kann nur sagen: Kaum zu glauben, dass ich mit 18 Jahren mal eine blonde Dauerwelle hatte, oder kaum zu glauben, dass ich mal Müllmann werden wollte“, zählt Pflaume schmunzelnd auf. Letzteres übrigens, weil er als kleiner Junge von der Technik der Autos so begeistert war – „und weil ich es sehr lässig fand, dass die Müllmänner immer auf diesem Trittbrett stehen und mitfahren konnten“. Das sei aber bei Weitem nicht unglaublich genug, um in die Show zu kommen.

Für den sympathischen Wahlmünchner läuft es gerade richtig rund. Seit 2011 moderiert er die Samstagsabendshow „Klein gegen Groß“ für die ARD, und auch die „Dalli Dalli“-Wiederauflage „Das ist Spitze!“ hat es vom Dritten ins Hauptprogramm geschafft. „Ich bin sehr zufrieden, weil ich rundherum das Fernsehen machen kann, was ich immer machen wollte“, betont Pflaume, „und weil es schönes Fernsehen ist“. Gerade der Wechsel zur ARD vor vier Jahren habe ihm Möglichkeiten eröffnet, sich teilweise auch einmal neu auszuprobieren. Wie bei der Moderationsvertretung im vergangenen Jahr für die damals schwangere Barbara Schöneberger bei der „NDR Talk Show“. Das liege vor allem an dem Zusammenspiel zwischen der großen Show im Ersten und den dritten Programmen. „Das ist ein großes Geschenk“, sagt Pflaume. Da könne man auch mal Dinge testen, die wie „Das ist Spitze!“ irgendwann auch ihren Weg ins Erste finden. Ende des Jahres wird es hier neue Folgen geben.

Den Schritt weg von den privaten Sendern habe er nie bereut. „Ich war 15 Jahre lang bei Sat.1, und das war eine tolle Zeit“, sagt Pflaume. Aber man müsse auch sehen, dass sich das Umfeld dort in den letzten Jahren gewandelt habe. „Das Fernsehen an sich spielt oft nicht mehr die Hauptrolle“, sagt Pflaume. Jetzt gehe es dort in erster Linie um Rendite. „Das ist für jemanden wie mich, der sich als klassischer Fernsehmann sieht, manchmal schwierig. Ich bin in einer Zeit beim Fernsehen groß geworden, wo es hieß: Zu allererst zählt die gute Idee. Da hat man den Gedanken freien Lauf gelassen und dann hat man erst geguckt, wie und ob man daraus etwas machen kann.“ Heute würde es im privaten Fernsehen oftmals von den Verantwortlichen heißen: Wir brauchen für den einen Sendeplatz, die eine Idee und haben dafür dieses Budget zur Verfügung. Da bleibe die Kreativität häufig auf der Strecke. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gebe es dagegen noch ein stärkeres Bewusstsein dafür was Qualität und Anspruch anbelangt, auch wenn dort ebenfalls Sparen angesagt sei, stellt Pflaume fest.

Die Grundidee entscheide über Sieg oder Niederlage. „Eine schlechte Idee wird auch dann keinen Erfolg haben, wenn wir sie in das größte, bunteste, tollste Studio packen“, meint Pflaume. „Auch ich kann keiner schlechten Idee Erfolg einhauchen.“ Natürlich gebe es eine gewisse Erwartungshaltung und Neugierde, wenn da etwas Neues mit Kai Pflaume laufe. „Aber die wenigsten schauen eine Sendung nur wegen mir“, sagt er und grinst.

Der Moderator, der als Liebesbote in „Nur die Liebe zählt“ rund 18 Jahre lang die Herzen der Zuschauer im Sturm eroberte, hat sein Image weg. So ein Netter ist er, der Kai Pflaume, ein Typ „Traumschwiegersohn“, ein Charmeur und echter Gentleman. Ob ihn diese Attribute nicht langsam wahnsinnig nerven? „Überhaupt nicht“, sagt Pflaume erstaunlich ernst. „Nüchtern betrachtet, sind das doch alles sehr positive Eigenschaften, und es zeigt vor allem, dass ich offensichtlich ein sehr genaues Profil habe. Und ich gebe es auch gerne zu: Ich freue mich, wenn die Leute mich nett finden.“

Kaum zu glauben, ab 14. Juli, montags, 22 Uhr, NDR