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Günther Jauch investigativ: Margot Käßmann attackiert Hillary Clinton bei Jauch


Berlin. Günther Jauch befragt Hillary Clinton zu Putin, Snowden und der Präsidentschaftskandidatur. Ursula von der Leyen ist als Statistin geladen, genau wie Margot Käßmann, die die Gelegenheit zu einer Attacke auf Clinton nutzt.

„Frauen an die Macht“ ist Günther Jauchs Talk mit Hillary Clinton überschrieben. Damit sie nicht allein auf dem Podium sitzt, sind auch Ursula von der Leyen und Margot Käßmann eingeladen. Und tatsächlich wird zuerst pro forma ein bisschen über das Thema geredet: über die gläserne Decke zum Beispiel oder über die Debatten um Politikerinnen-Frisuren. Hillary Clintons neues, furchteinflößend dickes Buch sollte nämlich erst nicht „Entscheidungen“ heißen – sondern: „Die Haargummi-Chronik – 112 Länder, aber überall geht es nur um die Frisur“. Margot Käßmann hat auch etwas dazu zu sagen und verblüfft mit der Erfahrung, dass selbst Bibelsprüche sich zur Diskriminierung von Frauen eignen. Wer hätte das gedacht!

Eigentlich interessieren Gleichstellungsfragen aber nicht so, wenn man womöglich gerade mit der ersten US-Präsidentin talkt. Dann geht es um die Weltpolitik. Und sei es auch, dass Clinton dazu nichts als eingeübte Statements im Kopf hat. Der Abhörskandal? Ein Fehler! Clinton wusste von nichts; die deutsch-amerikanische Freundschaft ist trotzdem wichtiger. Snowden? Soll sich vor einem US-Gericht verantworten, statt in so dubiose Länder wie China und Russland zu reisen . Die Präsidentschaftskandidatur? Entscheidet sich Ende des Jahres; Clinton wird jetzt erstmal Oma, und das ist auch ein wichtiges Amt. Fragen nach Putin beantwortet Clinton mit wörtlichen Zitaten aus ihrem Buch. Sie hat es also wirklich gelesen!

Einige von Jauchs Fragen sind so gewagt, dass er über Bande spielt. Bevor er Clinton etwa nach Merkels abgehörtem Handy fragt, lässt er Ursula von der Leyen irgendwas über Vertrauen in der Politik erzählen. Egal was, er braucht nur die Überleitung. Von der Leyen rächt sich mit langen Bekenntnissen zum Partner USA und mit dem Wort vom Neid der Nationen auf unsere Kanzlerin. Bei Margot Käßmann klappt Jauchs Trick dann sowieso nicht mehr. Als er auch sie zur Stichwortgeberin der nächsten Clinton-Frage macht, arbeitet sie einfach schnell ihre eigene Liste ab und stellt die Ex-Außenministerin wegen der gezielten Tötung von Osama bin Laden und überhaupt wegen der Todesstrafe zur Rede.

Beim lustigsten Schlagabtausch des Abends ist Clinton stille Profiteurin: Nachdem Günther Jauch sie noch einmal mit dem Uralt-Aufreger Monica Lewinsky ärgern will, machen Käßmann und von der Leyen ihn zur Schnecke. Jauch hatte seine kleine Provokation in eine knifflige Frage zu Angriffspunkten im US-Wahlkampf camoufliert, ist aber aufgeflogen. Egal. Jauch ist Profi, und am Ende erliegen sowieso allem seinen Kavaliersroutinen. Zum Schlussapplaus drückt er Käßmann, der Verteidigungsministerin und der womöglich bald mächtigsten Frau der Welt opulente Blumensträuße in den Arm. Es sind halt doch Frauen.

Am Ende haben 3,65 Millionen Zuschauer zugesehen, wie Hillary Clinton nicht nur ihr Buch, sondern auch sich selbst mit vorformulierten Antworten professionell verkauft. Immerhin: Das sind mehr als die rund 1000 Besucher, denen Clinton auf ihrer Lesereise zuvor schon im Berliner Schiller Theater nichts über ihre Präsidentschaftsambitionen verraten hatte. Und das offenbar nicht nur mit denselben Antworten wie bei Jauch, sondern sogar auf dieselben Fragen. Wer Clinton einmal in einer Filmbiografie verkörpern soll, ist dort nämlich auch schon diskutiert worden. Meryl Streep natürlich.


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