Seit 25 Jahren auf Sendung Der Bingobär: Michael Thürnau - NDR-Moderator ist Kult

Von David Sarkar

Seit 17 Jahren moderiert Michael Thürnau die NDR-Umweltlotterie „Bingo!“. Foto: NDRSeit 17 Jahren moderiert Michael Thürnau die NDR-Umweltlotterie „Bingo!“. Foto: NDR

Hannover. Michael Thürnau ist seit 25 Jahren die Stimme von NDR 1 Niedersachsen und seit 17 Jahren das Gesicht der NDR-Umweltlotterie „Bingo!“. Ein Moderations-Schwergewicht mit Kultstatus.

Er ist ein Mensch, den wohl jeder gerne zum Nachbarn hätte. Man würde ihn auf die Terrasse einladen, Kirschkuchen mit ihm essen und danach den Grill anschmeißen. Ende der 80er-Jahre als Moderator beim Hörfunksender NDR 1 Niedersachsen angefangen, hat sich Michael Thürnau schnell in die Herzen der Zuschauer moderiert und ist heute einer der beliebtesten Moderatoren des Senders. Thürnaus Popularität stieg noch, als er vor 17 Jahren mit der NDR-Umweltlotterie „Bingo!“ auf Sendung ging.

Zum Interviewtermin im NDR-Funkhaus am Maschsee in Hannover erscheint der 50-Jährige in einem knallroten Hemd, bemustert mit schwarzen Palmen im Sonnenuntergang. Nicht jeder kann dieses Hemd tragen, doch an Thürnau wirkt das auffällige Kleidungsstück erstaunlich unauffällig. Seine Leidenschaft für das Radio entdeckte er früh – im Kinderzimmer seines Elternhauses in Langenhagen bei Hannover „Mit 10 Jahren baute ich mir eine Höhle und habe mit Tonbandgerät und Mikrofon Musikstücke anmoderiert“, erzählt Thürnau. Heute erreicht er über NDR 1 Niedersachsen durchschnittlich 2,7 Millionen Menschen am Tag.

Aufgewachsen mit der „Deutschen Schlagerparade“ mit Ilse Rehbein auf NDR 2 und dem Deutschlandfunk auf Mittelwelle, schallte „eine wüste Mischung von Heino bis Phil Collins“ durch die Thürnausche Kinderstube. Doch der Niedersachse liebte nicht nur das Moderieren, sondern auch das Schreiben. Er kaufte sich als Teenager die „Einführung in den praktischen Journalismus“, begann für eine Lokalzeitung zu schreiben und stand wenig später auch vor dem Mikrofon. „Die richtige Mischung war für mich immer wichtig. Ich könnte mich nicht nur auf ein Medium beschränken“; sagt er.

Die frühe Arbeit beim Radio brachte ihn schnell mit den Stars der Schlagerbranche zusammen. „Ich dachte, ich fände Heino furchtbar, bis ich ihn persönlich kennenlernen durfte. Heino ist ein herzlicher Mensch und überhaupt nicht rechtsradikal“, erzählt der Moderator. Ebenso überrascht war Thürnau von Roy Black, dem „Feindbild“ seiner Generation. Dieser sei einfach ein feiner Kerl gewesen. Die Welt des Schlagers wurde für Thürnau zur Quelle der Rebellion: „Ich wurde zum Außenseiter, weil ich beruflich mit Leuten zu tun hatte, die alle zum Kotzen fanden. Aber das war mir egal“, sagt der 50-Jährige.

Das offene Wort scheut der Moderator bis heute nicht. Auf seinen zwei Facebook-Profilen , mit denen er insgesamt knapp 6000 Menschen erreicht, postet er nicht nur Bilder aus dem Studio, leckeren Abendessen oder Urlauben auf Mallorca, sondern eröffnet auch Diskussionen – zum Beispiel über den Umgang mit Homosexualität. „Ich habe mich dazu bekannt, dass ich die Vielfalt des Lebens schätze und die Gesetzgebung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zum Kotzen finde. Das hat bei vielen einen Aufschrei der Empörung ausgelöst, aber ich habe mich der Diskussion gerne gestellt“, sagt er.

Über das Internet können Thürnaus Fans direkt mit ihm in Kontakt treten. Der Moderator schätzt den Austausch, auch wenn er manchmal mit dem Beantworten der Nachrichten kaum hinterherkommt: „Manchmal schaffe ich es bei der Masse an Nachrichten erst eine Woche später zurückzuschreiben. Da werden die Leute auch schon mal ungeduldig und motzen, aber es geht nicht anders“, sagt der „Bingobär“. Den Spitznamen bekam er vor vielen Jahren vom Pro-Sieben-Entertainer Stefan Raab verpasst, nachdem eine „Bingo“-Gewinnerin beim Gewinn von 50000 Mark vor laufender Kamera in Ohnmacht fiel.

Thürnau störte sich nicht an dem Raab-Scherz, sondern machte ihn sogleich zu seinem Markennamen. „Ich bin ein sehr selbstironischer Mensch. Ich springe auch vom Zehn-Meter-Brett oder trete im Dirndl auf“, so der Moderator, der im Laufe von 17 „Bingo!“-Jahren mit weit über 10000 Anrufern gesprochen hat. 52 Wochen im Jahr, jeden Sonntag um 17 Uhr, steht er vor der Kamera, um Menschen mit Urlaubsreisen, Autos oder Küchengeräten glücklich zu machen. „Ich habe noch nie gefehlt, und das wird auch nicht passieren“, verspricht Thürnau.

6000 Umweltprojekte

Im Mittelpunkt von „Bingo!“ steht der Umweltgedanke. Durch den Verkauf der Lose wurden bis jetzt über 140 Millionen Euro eingenommen, mit denen über 6000 Umweltprojekte unterstützt wurden – beispielsweise die Renaturierung der Elbtalaue oder Umwelt-Workshops in Kindergärten. „Darauf können wir stolz sein, und es gibt uns immer wieder neue Motivation für diese Show“, sagt das Moderations-Schwergewicht mit dem grünen Daumen. Und so wird er auch am kommenden Sonntag wieder die Bingokugeln kreisen lassen.


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