Von Feminismus bis Windelcontent Die lesenswertesten Mama-Bloggs zum Muttertag


Osnabrück. In unzähligen Blogs berichten Mütter über ihr Leben mit Kind und Kindern. Zum Muttertag 2014 stellen wir Ihnen fünf der lesenswertesten Mama-Blogs vor.

Ob der Alltag als Familie, als Alleinerziehende, als Feministin und Mutter oder das Leben als Neu-Mama unter Glucken-Müttern: Blogs von Mamas bieten in all diese Spektren des Mutterdaseins einen Einblick. Hier eine Auswahl von fünf der lesenswertesten:

„Frau … äh … Mutti“

„Lieber bloggen als die Kinder schlagen“, sagt Pia Reichert und lacht. Als „Frau … äh … Mutti“ – schreibt die dreifache Mutter seit 2005 über ihre Kinder, von denen das erste 1995 geboren wurde. Dieser Geburt verdankt der Blog auch seinen Namen, erzählt die 43-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung: „Die Hebamme hatte meinen Namen vergessen und sagte im Kreißsaal in der Hektik des Momentes ,Jetzt pressen, Frau…äh… Mutti!‘.“

Reichert’s Blog gehört zu den ersten Mama-Blogs hierzulande. „Ich suchte damals ein Ventil, für all die Gedanken und Gefühle. Und auch nach einem Ausweg aus der Isolation, die man als Mutter erlebt“, erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Auf www.frau-mutti.de schreibt sie einerseits Alltägliches über ihr Familienleben, die Renovierung des Hauses oder das Nähen von Kleidern. Doch auch Grundsätzliches wie die Frage, was Eltern ihren Kinder zutrauen sollten, ist Thema ihrer Einträge. Genauer gesagt: Welche Art von Messer zum Schnitzen eignet sich fürs Kind. „Dieser Eintrag über ,Trauen und Zutrauen‘ wurde auf Twitter und Facebook ziemlich kontrovers diskutier“, berichtet sie. Lesenswert auch ihr Text über die Verwirrungen, die werdende Mütter dank unzähliger Ratschläge durchleben – oder das Rätsel, warum sich trotz ständigem Putzen immer Zahnpastaflecken auf dem Spiegel befinden.

Die Themen des Blogs haben sich im Laufe der Jahre natürlich gewandelt: „Windelcontent findet sich nicht mehr, dafür schreibe ich jetzt über Erlebnisse mit pubertierenden Kindern.“ Die sind heute 18, 16 und 15 Jahre alt – und immer noch unversehrt.

Mutterseelenalleinerziehend

Thilo Sarrazin ist schuld, dass Maike von Wegen mit ihrem Blog www.mutterseelenalleinerziehend.de gestartet ist. Und das kam so: In einem Interview im Lettre international sprach er abfällig über die vielen „Kinder von Alleinerziehenden“, die Schulen und Klassen füllten – und keiner regte sich über seine Wortwahl auf. „Überall gab es gegen seine Thesen Proteste, aber gegen die Stigmatisierung der Alleinerziehenden gab es keine Reaktionen. Deshalb habe ich angefangen, mir alles von der Seele zu schreiben.“

Rund 1,7 Millionen Alleinerziehende leben heute in Deutschland – und fast immer sind es die Mütter, die sich hauptsächlich um ihre Kinder kümmern. So wie Maike von Wegen: Fünfeinhalb Jahre war die Autorin und Musikerin die alleinerziehende Mutter einer Tochter, immer wieder auf Hartz 4 angewiesen – und kennt alle Vorurteile: „Im Grunde gibt es immer nur dieses eine Bild, nämlich das der bildungsfernen, prekär beschäftigten, armen Menschen.“

Gegen dieses Bild schreibt sie an, stellt alleinerziehende Künstler vor und berichtet von in die Irre treibenden Behördengängen. Daneben schreibt sie berührend über die Ängste ihrer Tochter und ihren eigenen, nie wirklich versiegenden Schuldgefühlen. Von Wegens Kunst dabei ist, trotz der Schwere des Themas noch locker und witzig über all diese oftmals bedrückenden Dinge zu bloggen.

Mittlerweile zahlt sich ihr Einsatz aus: Monatlich hat ihr für den Deutschen Engagementpreis 2014 nominierter Blog rund 20000 Views, und aus diversen Einträgen hat sie ein Buch zusammengestellt.

Wissenschaft mit Dr. Mutti

Dr. Mutti trägt ihren Titel zu Recht, hat Autorin Juliana Goschler tatsächlich einen Doktor. Auf drmutti.wordpress.com bloggt die 36-jährige Wissenschaftlerin, die an der Universität Oldenburg lehrt, über Mutter- und Elternschaft. „Nach der Geburt meiner letzten Tochter vor zwei Jahren habe ich in der Elternzeit etwas gesucht, das mich intellektuell herausfordert“, erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Goschler lebt in einer Patchworkfamilie mit vier Kindern im Alter von 2, 9, 12 und 14 Jahren.

Doch Texte über zahnende Kinder sucht man bei ihr vergebens: „Hätte ich über rein persönliche Erlebnisse geschrieben, wäre der Blog wohl mit dem Ende meiner Elternzeit geendet. Doch mich interessiert nach wie vor die politische Seite des Elternseins“, sagt sie. Das bedeutet, dass ihre Erfahrungen als Mutter sie zwar zu Artikeln inspirieren, sie aber kaum über wirklich persönliche Dinge oder die Erlebnisse mit ihren Kindern schreibt.

Das merkt man ihren Einträgen an: Sie drehen sich um Familie und Politik, über Geschlechterrollen und Stereotype in Kinderbüchern. Oftmals nimmt sie sich auch Artikel anderer Zeitungen vor und führt sie klug ad absurdum. Oder kommentiert aktuelle Medientrends wie den Hashtag #alsichschwangerwar.

Damit sticht sie oftmals in ein Wespennest, und das merkt Goschler dann an den bösartigen Kommentaren. „Anfangs habe ich eine sehr liberale Kommentarpolitik gepflegt: Sprich: Viele Kommentare von pöbelnden Herren habe ich stehen gelassen. Das mache ich jetzt nicht mehr. Wer beleidigt, wird nicht freigeschaltet.“

Feminismus auf „Fuckermothers“

Nix da Kinder, Küche, Krabbelgruppe: Wer sich kritisch mit dem Rollenbild der Mutterschaft auseinandersetzen will, ist bei Lisa Malichs Blog fuckermothers.wordpress.com genau richtig. Er „hat das Ziel, feministische Perspektiven auf Mutterschaft zu werfen, insbesondere auf das momentan in euroamerikanischen Gesellschaften herrschende Mutterschaftsideal“ heißt es auf ihm.

Seit zwei Jahren ist Malich Mutter, seit drei Jahren bloggt sie: „Das war meine eigene Vorbereitung auf die Schwangerschaft. Damals habe ich in einen Bedarf hineingeschrieben“, vermutet sie. In der Tat ist ihr Blog der erste, der hierzulande Feminismus und Mutterschaft in einen Kontext gebracht hat. Damit sorgte er schnell für Furore – und das nicht nur wegen des eher derben Namens: „Ich wollte schon mit der Namenswahl mit der Niedlichkeit und dem Pastell anderer Mama-Blogs brechen“, erklärt die 34-Jährige. Selbst die Optik erinnert eher an die Gestaltung eines Underground-Fanzines als an einen Kinderladen. Wer hier also einen anderen Inhalt erwartet als in vielen anderen Mamablogs, behält recht: Das Thema Mutterschaft ist die einzige Schnittstelle.

Stattdessen geht es auf „Fuckermothers“ in der Theorie hoch her: Die „Mutterschaftsideologie“ wird ebenso hinterleuchtet wie die Zusammenhänge von Macht und Geld. Persönliche Anekdoten über Malichs Kind finden sich jedoch an keiner Stelle. „Ich bin eher schüchtern und schreibe nicht gerne über mich“, sagt sie. Daher wundere sie sich manchmal, dass ihr Blog so gern gelesen wird. „Schließlich schreibe ich eher trockene, langweilige Texte“, sagt Malich und lacht.

Erste Erfahrungen von „Mutter Rabe“

Ganz neu in der Blogosphäre ist die erst im Dezember Mutter einer Tochter gewordene „Mutter Rabe“. Seit Ende März 2014 berichtet sie über ihre Erlebnisse mit ihrem anfangs nur schreienden Baby auf unddannkamsie.blogspot .de. „Ich hatte einen schweren Start mit dem Kind, da sind mir bei den unzähligen Ausfahrten mit dem Kinderwagen die Ideen für Texte nur so zugeflogen“, erzählt sie. Eine Freundin überzeugte sie, mit einem Blog zu beginnen. „Anfangs wollte ich das gar nicht, schließlich gibt es doch schon unzählige Blogs zu dem Thema. Ich habe trotzdem angefangen, um meinen Kopf von dem Kinderkram zu befreien.“

Gut so, denn in den sehr persönlichen Texten finden sich auf lustige Weise all die kleinen und große Erlebnisse, die junge Mütter und Eltern erleben und meist zu schnell wieder vergessen: Vom Besuch einer Krabbelgruppe über die Auswahl der Erstausstattung bis hin zur generellen Frage, inwieweit der neue Status als kleine Familie eine Frau zur Spießerin mutieren lässt – oder auch nicht. Dabei finden sich so wundervolle fatalistische Sätze wie „Wo bitte steht der nächste weiß gestrichene Gartenzaun, an dem ich mich erhängen kann?“.

Trotz aller Intimität: „Mutter Rabe“ – im anderen Leben Journalistin in Elternzeit – schreibt unter Pseudonym, und auch Töchterchen „Piepsies“ echter Name wird nie auf der Seite verraten werden, sagt sie: „Ich ziehe in meinem Blog nicht völlig blank, die Privatsphäre meiner kleinen Familie ist mir wichtig.“ So wichtig, dass sie noch nicht weiß, ob sie ihren Blog auch nach der Elternzeit fortsetzt: „Mein Baby kommt vor dem Blog.“


Tipps für Blogger-Mamas

Wer nun Lust hat, über seinen Alltag mit kleinen und großen Kindern zu bloggen, sollte folgende Tipps beachten:

Vorsicht bei Klarnamen.

- Für die Kinder immer einen Spitznamen erfinden.

- Nicht zu viele intime Einblicke in den Familienalltag geben und besonders bei der Auswahl von Fotos aufpassen.

- Die Kinder niemals bloßstellen, denn wer weiß, wer sich alles den Blog durchliest. Zudem vergisst das Internet nie: Das süße Kleinkind, das nicht trocken werden will, könnte dank der von Mama im Internet geteilten Erfahrungen irgendwann zum Mobbingopfer werden.

- Mit anderen bloggenden Müttern vernetzen und in Kontakt bleiben.

- Freundliche Einträge freundlich kommentieren.

- Bei Verstößen gegen die Netiquette eine rigide Kommentarpolitik verfolgen.

- Penibel auf Rechtschreibung und Grammatik achten, bevor der Text veröffentlicht wird.

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