Finale am Donnerstag GNTM 2014: Warum die Show ein Teufelskreis ist

Träumen von der Modelkarriere: Die Schülerinnen Ivana aus Bad Homburg, Jolina aus Hamburg und Stefanie aus Kaiserslautern (von links) stehen am Donnerstag im Finale von „Germany’s Next Topmodel“. Foto: Pro SiebenTräumen von der Modelkarriere: Die Schülerinnen Ivana aus Bad Homburg, Jolina aus Hamburg und Stefanie aus Kaiserslautern (von links) stehen am Donnerstag im Finale von „Germany’s Next Topmodel“. Foto: Pro Sieben

Osnabrück. Zum neunten Mal hat sich Heidi Klum auf die Suche nach „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) begeben. An diesem Donnerstag kämpfen die drei Finalistinnen in der Kölner Lanxess-Arena um den Titel. Doch warum setzen sich jedes Jahr etliche junge Mädchen freiwillig dem kritischen Blick der Jury aus? Und warum sehen gerade Kinder und Jugendliche den Protagonistinnen so gerne dabei zu, wie sie von Heidi Klum und Co. gedrillt werden? Ein Erklärungsversuch.

Jolina, Ivana und Stefanie heißen die drei Schülerinnen, die sich in den vergangenen 14 Wochen durch das Klum’sche Selektionsverfahren gekämpft haben und nun im Finale unter anderem vom Titel und einem Modelvertrag bei der Agentur ONEeins Management träumen, deren Geschäftsführer Heidi Klums Vater Günther ist.

14 Wochen lang sahen die GNTM-Fans jeden Donnerstagabend zu, wie die Kandidatinnen in Foto-Shootings, Castings und dem Zickenkrieg in der Modelvilla agierten. Was die Spannung von Sendungen wie GNTM ausmacht, hat die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (lfm) in der Studie „Sprungbrett oder Krise – Das Erlebnis Castingshow-Teilnahme“ untersucht. GNTM zählt demnach aus medienwissenschaftlicher Sicht zum „performativen Realitätsfernsehen“. Unter diesem Begriff versteht man Unterhaltungssendungen, in denen nicht prominente Menschen inszeniert werden. Für den Zuschauer wirkt es so, als agierten bei GNTM ganz „normale“ Mädchen in für sie gänzlich ungewohnten Situationen.

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Die Geschichten, die in der Sendung erzählt werden, setzen gezielt darauf, den Zuschauer dauerhaft zu binden. Den jungen Mädchen vor dem Fernseher werden Anknüpfungspunkte zum Wiederfinden in der eigenen Erfahrungswelt geliefert.

Laut lfm entstehen auf diese Weise „parasoziale Beziehungen“ zu den Protagonisten der Show. GNTM ist wie fast jede auch in drei Phasen gegliedert. In der ersten Phase geht es um die Auswahl der Kandidatinnen, es folgt die Trainingsphase, in der die Mädchen dabei beobachtet werden, wie sie sich an den professionellen Modelbetrieb anpassen. Ihre Performance wird geschult, ihr Äußeres gestylt – so steht bei GNTM in jeder Staffel der obligatorische und meist tränenreiche Besuch beim Friseur an.

Die letzte Phase der Show fällt bei GNTM mit dem Finale zusammen. In einer aufwendig gestalteten Show steht die Inszenierung der verbliebenen Kandidatinnen im Mittelpunkt, deren Performance durch die Jury-Mitglieder Heidi Klum, Thomas Hayo und Wolfgang Joop beurteilt wird.

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Die lfm kommt in ihrer Studie zu dem Schluss, dass Kinder und Jugendliche davon ausgehen, bei den gezeigten Szenen der Sendung handele es sich um die Realität. Dies wiederum erhöhe die emotionale Nähe zur Sendung und den Kandidaten, gerade weil der junge Zuschauer davon ausgehe, dass alles echt sei. Ein Teufelskreis.

Die Kandidatinnen, die als Hoffnungsträger aufgebaut werden, übernehmen laut lfm für den Zuschauer oft auch die Funktion eines stellvertretenden Repräsentanten für tiefe Sehnsüchte, wie das Anerkannt-Sein oder die Fantasie, auch als junger Mensch große Aufgaben bewältigen zu können. Damit verbunden sei letztendlich auch die Hoffnung, sich den Stolz von Eltern, Verwandten und Freunden zu verdienen.

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Vielleicht sollten Eltern junger GNTM-Fans ihre Kinder am Donnerstagabend einfach mal fest in den Arm nehmen – und ihnen klarmachen, dass man sich die Anerkennung von Familie und Freunden nicht durch die erniedrigende Teilnahme an einer Castingshow verdienen muss.

Germany’s Next Topmodel, Pro Sieben, 20.15 Uhr

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