Seit 15 Jahren am Mikrofon Mit Hits und Witz: „Morgenmän Franky“ bei radio ffn

Von David Sarkar

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3 Uhr aufstehen ist kein Problem: Frank Schambor alias „Morgenmän Franky“. Foto: Radio ffn3 Uhr aufstehen ist kein Problem: Frank Schambor alias „Morgenmän Franky“. Foto: Radio ffn

Hannover. Wenn bei Frank Schambor alias „Morgenmän Franky“ morgens um 3 Uhr in Hannover-List der Wecker klingelt, schläft der Großteil der Niedersachsen noch. Der 42-Jährige darf nicht weiterschlafen.

Zwei Stunden hat er ab dem ersten Weckerklingeln Zeit, bis beim privaten Hörfunksender ffn in Hannover „Niedersachsens beste Morningshow“ beginnt. Dann steht der „Morgenmän“ mit seinen Kollegen Timm „Doppel-M“ Busche und Lena Baack vor dem Mikro und begleitet die Bewohner des flächenmäßig größten Bundeslandes mit Hits und Witz durch den Morgen.

Sichtbarer Erfolg

Seit 15 Jahren ist der gebürtige Wuppertaler das Aushängeschild des Senders, der vor 25 Jahren in einer Villa in Isernhagen den Sendebetrieb startete. 1997 zog ffn in das ehemalige Herrenschwimmbad des Goseriedebads im Herzen von Hannover. Wo früher das Schwimmbecken war, liegt jetzt ein blauer Teppich, eine Wendeltreppe führt auf die Studioebene. Alle Büros sind offen und hell gestaltet, am Ende des Atriums schindet eine riesige efeubewachsene Wand Eindruck. Mit rund 498000 Hörern pro Durchschnittsstunde ist der Sender hinter NDR 1 Niedersachsen und NDR 2 der dritterfolgreichste Sender in Niedersachsen. Dem Firmensitz ist der Erfolg anzusehen.

Zum Interviewtermin um 11 Uhr erscheint „Franky“ gut gelaunt. Seit acht Stunden ist er auf den Beinen. Seine Stimme ist laut, sonorig und einprägsam. „Franky“ tritt selbstbewusst auf, wie ein Mann, der seinen Marktwert kennt. „Ich war schon immer eine Rampensau“, sagt er und lacht unter seiner ffn-Cap hervor. Dazu trägt er ein ffn-T-Shirt im XXL-Format. Sein Markenzeichen. Neben der „Rampensau“ zu bestehen, gelang nicht allen Moderationskolleginnen. Innerhalb von zwei Jahren begrüßte er fünf neue Kolleginnen an seiner Seite. Am längsten war Susan Hamann dabei. Von 2003 bis 2009 moderierte sie neben „Franky“.

Dass er mal „was mit Medien machen würde“, das sei immer klar gewesen. „Ich war in der Schule Klassensprecher, Schulsprecher und Pausenclown“, sagt der Wahl-Niedersachse. Am Anfang wollte er zum Fernsehen oder zum Film, doch: „Da brauchst du ein dickes Fell, da ist täglich ,Hire and Fire‘ angesagt. Das wollte ich mir nicht antun“, erzählt er. Große Teile seiner Jugend verbrachte der Radio-Hüne in Berlin. Dort stieß er nach dem Abitur auf die Anzeige eines Radiosenders. „Wir suchen Moderatoren, haben aber kein Geld“, stand dort geschrieben. „Franky“ fand das sympathisch, bewarb sich, wurde genommen und sammelte erste Erfahrungen im Radiogeschäft. Der Beginn einer Leidenschaft, die bis heute angehalten hat.

Für diese Leidenschaft nimmt „Franky“ seit 15 Jahren einen Rhythmus in Kauf, an den sich kein Mensch wirklich gewöhnen kann. „Wenn du um 5 Uhr aufstehst, ist es früh am Morgen. Im Sommer ist es da auch schon hell. Um 3 Uhr aber ist es immer dunkel. Auch im Hochsommer“, sagt er. Wenn seine Freunde im Sommer im Biergarten sitzen, geht der „Morgenmän“ ins Bett. Jeden Abend gegen 20.30 Uhr. „Für solche Dinge bleibt nur das Wochenende“, sagt er.

Seit eineinhalb Jahren jedoch bringt dieser ungewöhnliche Rhythmus auch einen großen Vorteil mit sich. „Franky“ kann viel Zeit mit seinem Sohn Gustav verbringen. Mittags holt er ihn aus dem Kindergarten und ist dann nur noch Vater. Erzählt er von seinem Sohn, leuchten seine Augen. „Ich habe jetzt eine Verantwortung für die Zukunft, für ein anderes Leben. Das hat alles verändert. Ich bin auch weniger auf der Piste und mehr zu Hause“, sagt er. Hört der Sohn den Vater im Radio, wird er fröhlich und lacht.

Bei Hunderttausenden ffn-Hörern genießt „Franky“ Kultstatus. In 15 Jahren moderierte er über 900 ffn-Partys, heizte als DJ Festzeltbesuchern ein oder drehte mit Kindern am Glücksrad. Im Dienst sei er eigentlich immer. „Ich gehe über die Straße, und die Leute rufen ‚Hey Morgenmän, alles klar bei dir?‘. Ich kenne die Leute nicht, aber sie kennen mich. Wirklich privat bin ich nie unterwegs, aber das ist okay. Das ist Dienst am Kunden“, sagt er.

Die Auftritte auf der Bühne, die brauche er wie die Luft zum Atmen. „Im Radio sitzt du hinter der Glasscheibe. Du weißt, dir hören gerade 250000 Leute zu, aber das ist dir nicht bewusst. Auf Veranstaltungen bekommst du die unmittelbare Reaktion. Und die Leute bekommen ein Gesicht zu deiner Stimme“, so „Franky“.

Hörernähe, das sei das zentrale Element einer Morningshow. „Wir müssen die Themen behandeln, über die am Frühstückstisch gesprochen wird. Wir wollen unterhalten, aber auch informieren“, sagt „Franky“. „Infotainment“ lautet die Zauberformel. Doch zu sehr in die Tiefe zu gehen, das kommt nicht gut. „Natürlich musst du erwähnen, wenn in Belgrad wieder ein Massengrab gefunden wurde, aber du brauchst noch nicht den Reporter, der alles genau beschreibt“, sagt er. Im Mittelpunkt soll die gute Laune stehen, zu viele negative Informationen könnten den Hörern den Tag versauen.

Humor geht vor

Eine Ausnahme waren die Terroranschläge vom 11. September 2001, der Amoklauf von Erfurt (2002) und der Tsunami in Fukushima (2011). In solchen Momenten weicht die Komik der Ernsthaftigkeit. „Als die Wellen auf die Küste Fukushimas trafen, habe ich mit Tränen in den Augen am Mikro geschildert, was ich sehe“, erinnert sich „Franky“.

In solchen Momenten offenbart sich dann auch die Stärke des Mediums Radio. „Wir können die Leute erreichen, noch bevor sie die Fernsehbilder sehen oder am Computer sitzen“, sagt er. Und so wird er auch am Montag wieder im Studio sitzen und gute Laune verbreiten. Sofern es die Nachrichtenlage zulässt.


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