„Sexy“? – Finde ich super Carolina Vera zwischen „Tatort“ und Rosamunde Pilcher

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Foto: Vernon VillanuevaFoto: Vernon Villanueva

Berlin. Carolina Vera kennen Krimifans aus dem Stuttgarter „Tatort“ – am Oster-Montag zeigt das ZDF sie in „Mein unbekanntes Herz“, dem internationalen Rosamunde-Pilcher-Zweiteiler.

Sie war Dustin Hoffmans Traumfrau in „Das Parfüm“, ist die Staatsanwältin im Stuttgarter „Tatort“ und am Oster-Montag als tragende Figur in der dreistündigen, international besetzten Pilcher-Verfilmung „Mein unbekanntes Herz“ zu sehen: Carolina Vera hat aber noch viel mehr zu erzählen. In einem Berliner Café unterhalten wir uns über ihr bewegtes Leben in Valparaíso, Berlin und Barcelona:

Frau Vera, in Ihrem Wikipedia-Eintrag heißt es lapidar, Sie seien im Alter von zehn Jahren mit Ihrer Mutter von Chile nach Deutschland ausgewandert. Das macht man doch nicht so einfach, oder?

Es war eine Art freiwilliges Exil meiner Mutter. Wir kamen aus einer Diktatur, in der an jeder Straßenecke Militär stand, man nach einer bestimmten Uhrzeit das Haus nicht mehr verlassen durfte und an manchen Abenden alle Fernsehkanäle gleichgeschaltet wurden und dann Pinochet stundenlang redete – an die Schimpfwörter, die er beim Reden benutzte, kann ich mich heute noch gut erinnern. Und dann kamen wir in eine Stadt, die durch eine Mauer geteilt war. Es war also sowohl politisch wie auch gesellschaftlich eine geladene Situation, sowohl in Chile als auch in Deutschland.

War Ihnen Deutschland fremd?

Komplett, ich konnte nicht mal Deutsch und kannte die Kultur nicht, als wir hier ankamen. Aber in dem Alter habe ich alles leicht und schnell gelernt.

Sie konnten sich ja nicht mal mit anderen Kindern unterhalten.

Nein, das konnte ich nicht, gar nicht. Meine Mutter hat dann etwas Intelligentes getan: Sie hat mich das erste Halbjahr der fünften Klasse nicht in die Schule gesteckt, sondern ist jeden Tag mit mir raus auf die Straße, in die Stadt, in die Cafés und hat den Kontakt gesucht. Sie hat mich ganz normale Sachen machen lassen wie Zeitungen kaufen oder Kaffee bestellen. Ich habe die Sprache also nicht in der Schule gelernt, sondern im Leben. Das war sehr gut: Ich konnte mich zwar noch nicht ausbreiten in der Sprache, aber ich habe mich schon in ihr bewegt.

Und dann sind Sie noch vor dem Abitur wieder nach Chile zurückgegangen. Warum?

Ich hatte Heimweh nach meinem Vater und wollte als Jugendliche noch einmal mit ihm zusammenleben. Ich habe in Chile die Schule besucht und beendet und bin dann wieder zurück nach Berlin.

Erzählen Sie doch mal von Ihrer Heimatstadt Valparaíso – dem Namen nach muss es dort ja paradiesisch sein.

Ist es auch. Übersetzt heißt es entweder „Das Tal zum Paradies“ oder „Der Weg zum Paradies“. Es ist die verruchte, künstlerische, ein wenig heruntergekommene Hafenstadt Chiles und mittlerweile auch Weltkulturerbe. Valparaíso liegt direkt am Meer und ist auf fünf Hügeln gebaut. Die Straßen sind so unglaublich steil und schräg – in dieser Stadt fahren wirklich nur diejenigen Leute Auto, die es auch können. Ich mache keine Werbung, aber jeder, der einmal dort war, hat mir mit leuchtenden Augen von Valparaíso erzählt.

Zurück nach Berlin – Sie haben hier Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert. Mit welchem Berufsziel?

Ich wollte Journalistin werden.

Und dann begannen Sie, als Schauspielerin zu arbeiten?

Ja, ich habe studiert und nebenbei gespielt, später bin ich dann nach Barcelona gezogen, habe dort weiterstudiert und zusätzlich auch weiter in Deutschland gedreht. Das war ein bisschen viel und dadurch anstrengend (lacht).

Sie scheinen nicht der Typ zu sein, der immer den leichtesten Weg nimmt.

Ich gehe auf jeden Fall meinen eigenen Weg. Ich verfolge Absichten, da ist etwas in meinem Kopf, das ich mir wünsche. Und dann bleibe ich auch dabei, da kann passieren was will. Ich beiße mich fest und lasse erst wieder los, wenn ich es habe, es geschafft habe, erschaffen habe oder davon ablassen will.

Sie hatten sich ja ursprünglich in den Kopf gesetzt, Journalistin zu werden. Warum haben Sie davon denn abgelassen?

Weil ich mich so richtig verliebt habe – in das Spielen. Bis ich damit anfing, hatte ich keinen blassen Schimmer, was das überhaupt ist, ich hatte mich ja nicht damit beschäftigt. Aber dann habe ich eine große Anziehung und Kraft gespürt und festgestellt, dass mein Herz dafür brennt. Dieser Passion bin ich gefolgt, die hatte ich nicht für den Journalismus. Und wenn mich etwas packt, dann entscheide ich mich auch dafür. Heute weiß ich: Es war die richtige Entscheidung, diese Kraft hält mich immer noch.

Dabei sind Sie gar nicht gezielt zum Film gegangen.

Stimmt. Begonnen hat alles auf der Geburtstagsparty meines Basketballtrainers. Da habe ich mich die halbe Nacht mit einer Frau unterhalten, die älter war als ich, habe mit ihr eine ganze Pulle Schampus getrunken, und am Ende hat sie mir den Schwur abgenommen, sie am Montag um zehn Uhr in ihrem Büro zu besuchen.

Sie kam aus der Filmbranche?

Genau, sie war Casterin. Wir fanden uns sympathisch, hatten uns lange unterhalten, und ich dachte deshalb, ich könne sie jetzt nicht hängen lassen. Bei ihr im Büro stand ich dann vor einer Kamera und dachte danach: Was war das? Als sie mich Tage später anrief, sagte sie: Du kannst kommen, Du spielst die Rolle.

Welcher Film war es?

„Little white Lies“. Es war eine absolute Minirolle. Ich bin einmal zum Ku’damm, habe ein bisschen gespielt und bin wieder weg. Danach kam dann hier ein Angebot und dort noch eins, wobei ich bis 2000 nicht mal eine Agentur hatte, sondern mit den Leuten immer selbst verhandelt habe. Dabei habe ich wahrscheinlich viel Scheiße gebaut, weil ich völlig naiv war.

Das hat offenbar nicht geschadet.

Offenbar, hoffen, wir. Ich denke, dass es so kommen sollte und es ist, so wie es ist, genau richtig. Ich hatte damals die Absicht, Journalistin zu werden, und das Schauspielen kam mir dazwischen. So ist das Leben.

2006 waren Sie dann schon in „Das Parfüm“ die Traumfrau von Dustin Hoffman. Mussten Sie sich da nicht ab und zu mal kneifen, um das zu realisieren, oder hatten Sie den Erfolg erwartet?

Ich weiß, dass meine Rollen da draußen für mich reserviert sind. Aber da ich sie nicht kenne, ist es immer wieder eine Überraschung. In diesem Fall hat sich das durch zwei Menschen ergeben, die ich vorher schon kannte: Zum einen Oliver Berben, und durch Rita Serra-Roll, die damals Casterin war und jetzt bei der Ziegler-Film München ist. Über diese beiden hat sich Produzent Bernd Eichinger wohl erkundigt. Dass das geklappt hat, ist total schön.

Wie haben Sie Dustin Hoffman als Filmpartner erlebt?

Er hat das ganze Team unterhalten und zum Lachen gebracht. Zauberhaft. Und vor allen Dingen fand ich ihn nahbar. Von diesen ganzen Allüren, die man Hollywoodstars nachsagt, war nichts zu spüren. Diese Erfahrung habe ich aber eigentlich mit allen großen Kollegen gemacht, mit denen ich schon zusammenarbeiten durfte. Die sind alle völlig normal.

Dustin Hoffman hätte Ihnen doch in Hollywood ein paar Türen öffnen können.

Ja, eigentlich ist er mein Traummann – schade, dass er schon vergeben ist (lacht).

Stattdessen wurden Sie Staatsanwältin im Stuttgarter „Tatort“ und werden in dieser Rolle von vielen Kritikern als „sexy“ beschrieben. Stört Sie das eigentlich??

Überhaupt nicht, das finde ich super. Ich bin eine Frau, und ich stehe total zu meiner Weiblichkeit.

Viele „Tatort“-Fans würden sich ja im Leben keinen Pilcher-Film ansehen.

Wir reden aber auch nicht vom traditionellen Pilcher-Film, sondern vom international besetzten Pilcher, der ein Zweiteiler ist und ganz anders produziert wird als die deutschen. Es wurde international besetzt, wir haben auf Englisch gedreht, und das Ganze ist viel feinstofflicher angesiedelt. Dass es dennoch ein Melodram ist, will ja auch keiner abstreiten.

Sie hatten keine Berührungsängste, Pilcher zu spielen?

Ich spiele nicht Pilcher, ich habe „Mein unbekanntes Herz“ gespielt. Ich spiele doch nicht die Marke, sondern einen Film. Warum sollte ich da Berührungsängste haben? Diese Figur hat mich neugierig gemacht und mir sehr imponiert – diese emotionale Amazone fand ich ganz toll.

Sie spielen in „Mein unbekanntes Herz“ eine Frau, die nur dank einer Herztransplantation überlebt.

Ja, ich habe jetzt ein viel schärfer gezeichnetes Bild von Herztransplantationen und von einem solchen Schicksalsschlag an sich. Die Welt ist danach nicht mehr das, was sie vorher war. Möglicherweise werden sogar sämtliche Verbindungen, die man vorher hatte, infrage gestellt. Über diese Phänomene haben mir auch zwei Herzchirurgen berichtet, das hat mich sehr beschäftigt.

Haben Sie gleich nach den Dreharbeiten einen Organspenderausweis ausgefüllt, den Sie jetzt immer bei sich tragen?

Nein, ich habe keinen. Es fällt mir schwer, mich persönlich so deutlich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Allein die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, liegt mir fern, auch wenn ich weiß, dass er jederzeit kommen kann. Im Zweifel würde ich aber auf jeden Fall „Ja“ zum Organspenderausweis sagen, denn was sollen mir die Organe bringen, wenn ich nicht mehr da bin? Aber es fällt mir sehr schwer zu denken „Es könnte ja sein, dass…“. Das wäre vermutlich anders, wenn es einen betroffenen Menschen in meinem Umfeld gegeben hätte. Die Rolle war eine tiefe, schöne, intensive Arbeit, aber dadurch ist keine persönliche Betroffenheit bei mir entstanden.

Zwei Teile, drei Stunden – und Sie sind in nahezu jedem Bild. Wie anstrengend ist es, so etwas zu drehen?

Diese Frage habe ich mir vorher auch gestellt bei annähernd 40 Drehtagen an einem Stück. Morgens um fünf raus, abends erst wieder um 21 Uhr zurück, und das jeden Tag. Aber es ist vollbracht.

Was haben Sie denn überhaupt von der tollen Landschaft und den Schlössern so mitgekriegt, die man als Zuschauer ständig sieht?

Die sehe ich aus dem Auto im Vorbeifahren und denke mir: „Ach, wie schön“ – und weiter geht’s. Ich bin allerdings nach den Dreharbeiten noch zwei Tage geblieben, da ist mir die Schönheit der Gegend erst richtig aufgegangen. Eigentlich absurd, schließlich war ich ja schon fast zwei Monate da.

Drei Stunden vor dem Fernseher können ganz schön lang werden – welche Passagen des Films empfehlen Sie dem Pilcher-Publikum für die Pinkelpause?

(überlegt) Immer dann, wenn die anderen kommen. Drei Stunden hält ja keiner aus (lacht).

Carolina Vera

wird als Carolina Vera Squella am 4. Januar 1973 als Tochter eines Agraringenieurs und einer Lehrerin im chilenischen Valparaíso geboren. Als Zehnjährige verlässt sie mit ihrer Mutter das von der Militärdiktatur Augusto Pinochets geprägte Land und siedelt nach Berlin über. Das letzte Jahr vor dem Abitur verbringt sie dann wieder bei ihrem Vater in Chile, um schließlich in Berlin ein Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation aufzunehmen. Im Dezember 1996 verlegt sie ihren Wohn- und Studiensitz für vier Jahre nach Barcelona.

Während des Studiums übernimmt Carolina Vera ihre ersten Filmrollen im deutschen Fernsehen, so für die RTL-Serie „OP ruft Dr. Bruckner“ (1996–1998), „Wolffs Revier“ (1998) und „Klinik unter Palmen“ (1999 und 2000). Im Sommer 1999 studiert sie drei Monate lang an der Central School of Speech and Drama in London.

In zwei Kinofilmen synchronisiert Vera die spanische Schauspielerin Penelope Cruz, 2006 spielt sie in Tom Tykwer Süskind-Verfilmung „Das Parfüm“ die neapolitanische Traumfrau von Dustin Hoffman. Zwei Jahre später steigt sie beim Stuttgarter „Tatort“ mit Richy Müller und Felix Klare ein und ist seitdem die attraktive Staatsanwältin Emilia Álvarez. Am Ostermontag hat sie im ZDF in der dreistündigen internationalen Rosamunde-Pilcher-Verfilmung „Mein unbekanntes Herz“ die Hauptrolle der herztransplantierten Unternehmerin Elizabeth Lancaster (Bild). Carolina Vera lebt in Berlin und möchte sich in der Öffentlichkeit nicht über ihr Privatleben äußern.


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