Anwendung sorgt für Kritik Mit der App „Wegeheld“ Falschparker melden

Von Manuela Kanies

Falschparker aufgepasst: Mit der App „Wegeheld“ kann der Nutzer Autofahrer und ihr Fehlverhalten beim Parken melden. Screenshot: NOZ/Wegeheld.orgFalschparker aufgepasst: Mit der App „Wegeheld“ kann der Nutzer Autofahrer und ihr Fehlverhalten beim Parken melden. Screenshot: NOZ/Wegeheld.org

Osnabrück. Falschparker aufgepasst: Mit der App „Wegeheld“ kann der Nutzer Autofahrer und ihr Fehlverhalten beim Parken melden.

In der kostenlosen Anwendung, die es bislang nur für Android gibt, kann man aus verschiedenen Vorfällen auswählen: Fahrzeug auf Gehweg, Fahrzeug in zweiter Reihe, Fahrzeug auf Fahrradweg und so weiter. Dazu bestimmt die App den aktuellen Standort, man kann aber auch die Straße, in der sich der Falschparker befindet, eintippen. Anschließend wird der Fahrzeugtyp ausgewählt, dann das Ereignis auf der interaktiven Karte auf www.wegeheld.org hochgeladen. Als weitere Aktion kann auch ein Foto des entsprechenden Fahrzeugs gemacht werden, allerdings wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Nummernschild geschwärzt werden muss. Das ist mit einem Fingerwischen schnell gemacht. Außerdem kann ein vorgefertigter Spruch gepostet werden, Anmerkungen zu dem Vorfall und schließlich die gesammelten Daten an das entsprechende Ordnungsamt übermittelt werden.

Der Kampf zwischen Rad- und Autofahrer tobt also längst im Internet weiter. Die Idee hinter „Wegeheld“ erklärt Geschäftsführer der Agentur für clevere Städte und Entwickler der App, Heinrich Strößenreuther, im Gespräch mit unserer Zeitung: Sie soll die Städte sicherer machen und zu mehr Rücksicht für Radfahrer und Fußgänger führen. Die Menschen sollten nicht länger zuschauen, sondern aktiv etwas gegen diese Verstöße unternehmen, bei denen die Polizei immer öfter ein Auge zudrücke. „Dieses Problem wurde viel zu lange totgeschwiegen“, sagt der 46-Jährige. Warum es so viele Falschparker gibt? Das sei vor allem Gedankenlosigkeit, vermutet Strößenreuther, ehemaliger Manager bei der Deutschen Bahn und ehemaliger Greenpeace-Aktivist. Jahrelang seien Autofahrer dazu erzogen worden, dass ihnen die Städte gehören, dass der Platz für sie grenzenlos sei. Durch die Klimaschutzziele legen die Städte nun aber mehr Wert auf Grünflächen und Platz für Fahrradwege. Dadurch schrumpft natürlich der Platz für Parkplätze. Daher soll die App für ein Umdenken stehen, um das Miteinander zu verbessern. Die Meldung beim Ordnungsamt sei dann nur die letzte Konsequenz, um hartnäckige und uneinsichtige Falschparker zu ermitteln. Vorher, so Strößenreuther, sollten Autofahrer direkt mit einem freundlichen Gespräch auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht werden. Wenn das nicht hilft, kommen die App und der sogenannte Wegealarm zum Einsatz. Da die Meldung des Falschparkers aber online passiert, helfe eine Visitenkarte dabei, den Autofahrer darauf aufmerksam zu machen, dass sein Vergehen dokumentiert wurde. Vorlage der Visitenkarte von Wegeheld ausdrucken, unter die Windschutzscheibe stecken, fertig.

Im Prinzip möchte Strößenreuther einfach nur den Dialog zwischen Autofahrern und Radfahrern fördern, für sichere Wege und weniger Staus sorgen und eine öffentliche Diskussion über das Falschparken anstoßen. Kritik hagelt es natürlich trotzdem: Das sei eine App zum „Verpetzen“, damit werden Menschen denunziert – solche Äußerungen hört und liest der 46-Jährige in Online-Foren zuhauf. Aber Kritik und Zustimmung würden sich die Waage halten. So seien die bisherigen Downloadzahlen der App ein voller Erfolg, seit Start am 28. März 2014 wurde „Wegeheld“ 16.000 Mal heruntergeladen.

Datenschutzrechtliche Bedenken hat der Wirtschaftsinformatiker nicht. In der App und auf der Homepage wird umfangreich erklärt, dass die Anzeigen der Wahrheit entsprechen müssen, die eingegebenen Daten werden nur auf dem eigenen Handy gespeichert, die Fotos müssen geschwärzt werden. Heinrich Strößenreuther und sein Team sehen sich die gemeldeten Vorfälle an, Beschimpfungen oder nicht-geschwärzte Fotos werden nicht freigegeben. Damit ist Strößenreuther auf die Kritik an der App eingegangen, die es beim Start des Projektes unter dem Namen „Straßensheriff“ gab. Im vergangenen Jahr sollte „Straßensheriff“ mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne über Startnext finanziert werden. Das Projekt scheiterte, „Wegeheld“ ist nun die neue Version. Heinrich Strößenreuther wirbt mit seiner App um mehr Respekt im Verkehrsalltag, ihm geht es um einen Lern-Effekt bei den Autofahrern.

Doch so manch einer dürfte sich an Horst-Werner Nilges, besser bekannt als „Knöllchen Horst“, erinnert fühlen. Der Frührentner zeigte über 30.000 Falschparker im Landkreis Osterode an und musste sich selbst wegen mehrerer Falschanzeigen vor Gericht verantworten. Auch die Seite www.fahrerbewertung.de verfolgt ein ähnliches Prinzip wie „Wegeheld“, für Osnabrück gibt es sogar einen eigenen Tumblr-Blog, „Osnabrücker Radwege“, wo Falschparker gezeigt werden.


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