Alle gegen SPD-Mann Stegner Günther Jauch: Blüm variiert den Renten-Spruch

Ralf Stegner hält Kurs bei Günther Jauch: Der stellvertretende SPD-Vorsitzende lässt sich von Schimären und Phantomdebatten nicht beirren. Foto: imagoRalf Stegner hält Kurs bei Günther Jauch: Der stellvertretende SPD-Vorsitzende lässt sich von Schimären und Phantomdebatten nicht beirren. Foto: imago

Berlin. Günther Jauch diskutiert die Rente. Ralf Stegner, stellvertretender SPD-Vorsitzender, lobt das Paket der Koalition, alle übrigen Gäste widersprechen, und Norbert Blüm variiert seinen Satz von der sicheren Rente.

Günther Jauch diskutiert den Renteneintritt: Ist eine Altersgrenze nach Lebens- oder Erwerbsjahren gerecht? Sind starre Grenzen überhaupt sinnvoll? Mit Ralf Stegner sitzt ein stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender bei Jauch im Studio; er arbeitet unbeirrbar daran, das koalitionäre Rentenpaket als SPD-Erfolg für abgearbeitete Steinsetzer und Altenpflegerinnen darzustellen. Als einziger aktiver Politiker der Runde bekommt er Gegenwind - beispielsweise von der 27-jährigen Journalistin Jasmin Buck. Sie möchte später auch noch von ihrer Rente leben können und nicht auf den 160 Milliarden Euro sitzen bleiben, die das Projekt bis ins Jahr 2030 kosten soll.

Wen nutzt es? Nur Männern?

Stegner hat noch eine zweite Journalistin gegen sich: Margaret Heckel moniert, dass eine abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren im Beruf nur Männern nutzt. Auch Herbert Walter, Ex-Vorstandschef der Dresdner Bank, ist gegen Stegner. Er glaubt, dass das Rentenpaket im Zeitalter des Fachkräftemangels ein falsches Signal setzt – und dass die 160 Milliarden nicht mal reichen.

Selbstverständlich sitzt auch Norbert Blüm auf dem Podium, denn der hat 1986 mit dem Slogan geworben: „Eins ist sicher: die Rente.“ Heute sagt er immerhin noch: „Es gibt nichts Sichereres als unser Rentensystem.“ Der Eintritt in die Verrentung ist ihm allerdings nicht flexibel genug und das Rentenniveau zu niedrig: „Die Rente ist in die Nähe der Sozialhilfe gekommen und hat damit ein Stück weit ihre Rechtfertigung verloren.“

Blüms Wahrheiten von gestern als Einspieler

Jauch ist nicht parteiisch und wirft jedem seiner Gäste einen Stock zwischen die Beine. Der für Blüm ist gleich ein ganzer Einspieler mit Archivbildern von Blüm, der als Arbeitsminister die Frühverrentung propagiert, die dann später von Arbeitgebern missbraucht wird und die Sozialkassen erheblich belastet. Blüm ficht der Widerspruch zwischen seinen vergangenen Amtshandlungen und seinen gegenwärtigen Tipps aus dem Off nicht an. Ihn irritiert es schließlich noch nicht einmal, dass er einen echten Rentner im Studio mit einer Loriot-Figur verwechselt, die Jauch zur Eröffnung herbeizitiert hatte.

Jauchs Störfeuer verraucht

Auch die übrigen Gäste stecken Jauchs Störfeuer locker weg. Herbert Walter wird damit konfrontiert, dass auch die Dresdner Bank die Frühverrentung reichlich ausgenutzt hat. Ein Widerspruch zu seinen heutigen Thesen? Nein, denn: „Aus damaliger Sicht war es richtig.“ Die 27-jährige Journalistin wird von Jauch gefragt, ob sie sich wirklich Vorgesetzte wünscht, die erst mit 70 in Rente gehen. Jasmin Buck antwortet mit freundlichen Worten über ältere Kollegen und dem Hinweis, dass Jahrzehnte in prekären Vertragsverhältnissen auch nicht reizvoller sind.

Und Ralf Stegner? Jauch weist ihn darauf hin, dass die Maurer und Steinsetzer, für die er so wortreich eintritt, sowieso nur im seltensten Fall 45 Jahre arbeiten. Heckel wirft ihm Politik als Wahlgeschenk vor, Walter den verpassten Demografie-Wandel. Stegner sieht in allen Gegenargumenten dasselbe: Schimären und Phantomdebatten. So endet auch diese Folge von „Günther Jauch“ mit dem guten Gefühl: Alle Diskutanten halten Kurs.


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