Mit 16 Sendungen Themenwoche auf 3sat zum „Mythos Intelligenz“

Von Marie-Luise Braun

Die Gehirnströme werden bei diesem Jungen in der rumänischen Hauptstadt Bukarest gemessen. ZDF/Sven Kiesche/Kantara Films & DocumentariesDie Gehirnströme werden bei diesem Jungen in der rumänischen Hauptstadt Bukarest gemessen. ZDF/Sven Kiesche/Kantara Films & Documentaries

Osnabrück. Dem „Mythos Intelligenz“ widmet 3sat eine Themenwoche vom 7. bis 11. April mit Spielfilmen sowie Beiträgen von Gert Scobel, John Kantara und Ingolf Baur.

Klug, schlau, voller Wissen: Wohl jeder meint zu wissen, was Intelligenz ist. In einer Themenwoche nimmt 3sat jetzt den „Mythos Intelligenz“ unter die Lupe. In den 16 zum größten Teil neuen Sendungen zeigt sich: Mit der Intelligenz ist es gar nicht so einfach.John Kantara flucht leise. „Ich krieg das nicht hin. Ist ja ein Ding“, staunt der Filmemacher, während er einen Intelligenztest absolviert. Dabei hat er eigentlich alle Voraussetzungen, die ihm ein gutes Ergebnis garantieren. Er hat ein Studium abgeschlossen und mit Medienbeiträgen Preise gewonnen. Gekrönt wird sein Lebenslauf seit 2011 mit einer Professur für Journalistik an der Dekra-Hochschule Berlin. Aber diese eine Übung, die kann er nicht knacken.

Die Erbanlagen

„Dumm geboren und nichts dazu gelernt?“ heißt Kantaras Film (10. April, 20.15 Uhr), in dem er sich der Frage nähert, wie Intelligenz zustande kommt. Warum gibt es Unterschiede in den geistigen Leistungen von Menschen? Geben allein die Erbanlagen vor, was wir mit unseren Gehirnen zu leisten vermögen? Wie kann Intelligenz eigentlich gemessen werden?

Kantara hat einen ganz persönlichen Antrieb, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen: seine dunkle Haut. Farbige Menschen galten bei manchen Weißen lange Zeit per se als unklug. Doch John Kantara formuliert keine Anklage daraus, er geht vielmehr auch der Frage nach, was Vorurteile anrichten können. Durch Gespräche mit Psychologen, Sozial-Wissenschaftlern und Neurologen bezieht er mehr Faktoren in seine Antworten ein als umfangreiches Wissen, zum Beispiel das soziale Umfeld.

Kantara geht feinfühlig vor und zumeist auf interessante Weise. Doch sein Film beinhaltet einen Wermutstropfen. Ausgerechnet an den Thesen Thilo Sarrazins zur Intelligenz arbeitet sich der Autor ab. Es ist fraglich, warum er ausgerechnet dessen dürftigen Überlegungen eine neue Plattform schenkt. Zumal die Diskussion um Sarrazins Buch doch weitgehend abgeklungen ist.

Wie bei Kantara, so schwingt auch in weiteren Beiträgen stets eine Frage mit: Was ist Intelligenz eigentlich? Wissen intelligente Menschen besonders viel? Oder geht es darum, Anforderungen im persönlichen Umfeld so lösen zu können, dass ein gutes Leben möglich ist? Sind intelligente Menschen erfolgreicher als andere?

So stellt Ingolf Baur in seiner Reportage „Pimp my brain. Das optimierte Gehirn“ (8. April, 18.30 Uhr) fest, dass in jedem Jahrhundert, in jeder Gesellschaft etwas anderes als intelligent galt und gilt. Deshalb sollte jede Gesellschaft ihren eigenen Intelligenztest haben. Aber werden in solchen Tests alle Faktoren berücksichtigt? Oder hat die Wissenschaft nur ein ziemlich beschränktes Verständnis von Intelligenz? Was ist mit Kreativität? Sollte sie nicht auch in diese Messungen einfließen?

Klar wird: Das eine ist das Gehirn, das unsere Gene uns gegeben haben. Das andere ist das, was wir daraus machen. Das wiederum hängt nicht nur von unserer Umgebung ab, sondern auch von unserem Willen, unserer Ernährung und Manipulationsmöglichkeiten, mit denen wir unser Gehirn „pimpen“, also fitter machen können. Dazu zählen Pillen oder Strom, den wir durch unser Gehirn schicken können. Letzteres probiert Ingolf Baur aus.

Nicht jede Sendung bringt wirklich anderes zutage. So widmet sich Dirk Steffens in seiner Wissensshow „Der Intelligenzcheck. Die 10 wichtigsten Fakten“ (7. April, 20.15 Uhr) ähnlichen Fragen wie Kantara und Baur – allerdings mit prominenter Unterstützung wie von der Kabarettistin Karolin Kebekus und dem Moderator Max Moor.

Zufriedenheit

Anders hingegen geht wieder einmal der Moderator Gert Scobel vor. In „scobel – Charakter statt Intelligenz“ (10. April, 21 Uhr) spricht er mit Gästen wie der Intelligenzforscherin Elsbeth Stern über die Bedeutung des Charakters und der Charakterbildung als Gegenentwurf zur Intelligenz.

Und John Kantaras Intelligenztest? Nachdem er das Ergebnis erhalten hat, macht der Filmemacher deutlich, dass er mit dem zufrieden sein kann, was er aus sich herausgeholt hat. Für dieses Gefühl allerdings braucht nicht jeder einen solchen Test.

Themenwoche „Mythos Intelligenz“, ab 7. April, 20.15 Uhr, bis 11. April.


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