Gelungenes Porträt vor Geschichtskulisse Film „Westen“ frei nach Julia Franck

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Osnabrück. Der Film „Westen“ überzeugt als ausdrucksstarkes Frauenporträt vor der historischen Kulisse eines West-Berliner Notaufnahmelager zur Zeit des Kalten Krieges.

Osnabrück. Im Jahre 1978 darf Nelly Senff ( Jördis Triebel ) endlich raus aus der DDR. Weniger aus politischen Gründen als vielmehr, um ihr altes Leben hinter sich zu lassen und einen Neuanfang zu wagen. Ihr sowjetischer Freund Wassilij, der der Vater ihres Kindes Alexej (Tristan Göbel) ist, ist tot.

Als sie nach schikanösem Grenzübertritt im Notaufnahmelager ankommt, weicht anfängliche Freude bald einem desillusionierenden Alltag. Behördliche Schikanen und ein Spießrutenlauf für ein paar Stempel nehmen ihren Lauf. Dann ist da noch der US-Geheimdienstagent John Bird (Jacky Ido), der andeutet, dass Wassilij für die Stasi gearbeitet haben und noch leben könnte.

Aus dem unsichtbaren Handlungsstrang um Wassilij hätte ein typischer Thriller werden können. Regisseur Christian Schwochow hat sich aber gemeinsam mit seiner Drehbuchautorin und Mutter Heide Schwochow für ein Frauenporträt vor deutsch-deutscher Kulisse entschieden. Das ist, frei nach der Romanvorlage „Lagerfeuer“ aus der Feder von Julia Franck , sehr gelungen. Triebel, die für ihre eindrucksvolle Interpretation ihrer zerrissen wirkenden Figur Nelly bereits als beste Schauspielerin beim Montreal World Film Festival 2013 ausgezeichnet wurde, empfiehlt sich mit ihrer Darstellung für weitere Rollen im Charakterfach. In der Kategorie „Beste darstellerische Leistung – weibliche Hauptrolle“ ist Triebel zudem für den Deutschen Filmpreis nominiert.

Schwochow gelingen ausdrucksstarke Nahaufnahmen, die die Gefühlslage seiner Protagonistin auch ohne Worte nuanciert wiedergeben. Das Misstrauen, das zunächst in ihr gesät wird und das sie dann weitergibt, führt zu hässlichen Konsequenzen.

Aber es geht Schwochow auch um den Lageralltag. Ein Stück westdeutscher Geschichte, das mindestens so grau erscheint wie das Leben in der DDR. „Westen“ ist ein gelungener Film über eine deutsch-deutsche Vergangenheit, dessen abruptes Ende allerdings Ratlosigkeit auslöst.

„Westen“. D 2014. R: Christian Schwochow. D: Jördis Triebel, Tristan Göbel, Alexander Scheer, Anja Antonowicz. Laufzeit: 102 Minuten. FSK: ab 12.


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