Mo., 15.3., ZDF, 20.15 Uhr Die wahre Geschichte hinter dem Film „Jeder Tag zählt“

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Osnabrück. Diagnose: Leukämie. Wie verkraftet ein pubertierendes Mädchen solch eine Krankheit? Und wie geht die Familie damit um? Die Mutter schrieb ein Buch. Die Tante das Drehbuch zu „Jeder Tag zählt“. Im Gespräch verrät die Drehbuchautorin die wahre Geschichte. Und dass es ihrer realen Nichte zum Glück wieder gut geht.

Irgendetwas stimmt nicht mit der 14-jährigen Lilli (Lilian Prent). Sie wird immer dünner und schwächer – was liegt da näher als der Verdacht auf eine Essstörung? Lilli bestreitet diese Vermutung vehement und geht mit Mutter Emma (Katharina Böhm) zur Untersuchung. Der Befund zieht allen den Boden unter den Füßen weg. Akute myeloische Leukämie. Die Heilungschancen sehen nicht allzu optimistisch aus. „40 Prozent“, weiß der kleine Ali, der schon länger an Leukämie leidet.

„Jeder Tag zählt“ schildert in aller Konsequenz die zahlreichen Wechselbäder der Gefühle aus Hoffen und Bangen. Nicht nur für die junge Patientin, die tapfer alle Behandlungen über sich ergehen lässt. Auch für die getrennt lebenden Eltern, die sich nun zwangsläufig als eine Art Patchwork-Familie mit der neuen Freundin von Lillis Vater als Schicksalsgemeinschaft zusammenraufen. Spannungen sind da natürlich programmiert.

Der Film lebt von einem hohen Maß an spürbarer Authentizität. Was kein Zufall ist. Die Romanvorlage „Am seidenen Faden“ zu diesem Film stammt von Jutta Mehler, die in ihrem Buch die Erlebnisse mit ihrer einst an Leukämie erkrankten Tochter verarbeitet hat.

Das Drehbuch kommt wiederum von Jutta Mehlers Schwester Ruth Toma („3069 Tage“), die im Gespräch mit unserer Zeitung gleich zu Beginn versichert, dass es der realen „Lilli“, die freilich ganz anders heißt, wieder gut geht. „Die Erkrankung liegt mittlerweile beinahe 15 Jahre zurück. Seitdem ist nichts mehr passiert. Jetzt gilt sie als geheilt. Sie hat tatsächlich Medizin studiert nach dieser Erfahrung und macht gerade ihre Assistenzarztzeit.“

Aber wie kommt man eigentlich dazu, ein eigenes, dazu noch so intimes Familienschicksal als Buch und Film öffentlich zu machen – wenn auch in verfremdeter Form? „Als meine Nichte wieder gesund war, habe ich meine Schwester Jutta Mehler gefragt, ob sie diese Geschichte nicht auch
einmal aufschreiben möchte.

Ihre Antwort lautete zunächst: ‚Du spinnst ja wohl‘“, erinnert sich Toma. „Danach sind noch einige Jahre vergangen, bis sie sich tatsächlich ernsthaft mit diesem Gedanken befassen konnte.“ Das fertige Manuskript habe Drehbuchautorin Toma dann auf den Gedanken gebracht, die Familiengeschichte auch zu verfilmen. Insbesondere, weil sie „mit einer gewissen Lakonie und Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit erzählt wurde und gar nicht so tragisch daherkam“, so Toma. Im Entstehungsprozess konnten die beiden Schwestern sogar noch aufeinander eingehen. „Noch bevor das Buch in Druck ging, habe ich meiner Schwester das Drehbuch gegeben. Sie hat sich davon inspirieren lassen, einige Punkte im Roman noch mal zu überarbeiten – und in eine andere Richtung zu treiben als im Drehbuch. Eine Wechselwirkung von Drehbuch und Roman, die nicht gerade häufig vorkommt.“

Und die reale „Lilli“, Tomas Nichte? Reagiert man nach so einem drastischen Lebenseinschnitt nicht zwangsläufig ablehnend, wenn Mutter und Tante einen Roman und einen Film über den dünnen Faden planen, an dem das eigene Leben hing? „Nein“, versichert Toma. Ihre Nichte habe eher mit einer Mischung aus „Unsicherheit und Neugierde nach dem Motto ‚Was kommt denn dabei jetzt raus?‘“ reagiert.

Das Ergebnis ist über alle Maßen sehenswert. Obwohl der Film nicht alles erzählt. „Wenn so eine Erkrankung vorbei ist, ist es ja nicht vorbei“, sagt Toma. „Man fiebert dann dem nächsten Befund entgegen, und noch fünf Jahre später kann es einen Rückfall geben. Diese Krisen nehmen im wirklichen Leben viel länger kein Ende, als wir das im Film dargestellt haben“.

Jeder Tag zählt. ZDF, Montag, 17. März, 20.15 Uhr.


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