Selbst wenn Katja die Rose holt Bachelor-Finale 2014: Wieso Angelina auch ohne Rose siegt

Von Daniel Benedict

Tritt konservativ auf, macht aber gern beim Bikini-Shooting mit: „Bachelor“-Kandidatin Angelina Heger ist die Königin der Widersprüche. Foto: RTL / KassTritt konservativ auf, macht aber gern beim Bikini-Shooting mit: „Bachelor“-Kandidatin Angelina Heger ist die Königin der Widersprüche. Foto: RTL / Kass

Berlin. Bachelor-Kandidatin Angelina Heger hat die RTL-Kuppelshow gewonnen. Selbst wenn Christian Tews im Finale die letzte Rose Katja Kühne überreicht. Warum ist sie trotzdem die unangenehmste Braut im Harem?

Ungleichzeitigkeit der Gefühle! Bei RTL muss sich Bachelor Christian Tews im (aufgezeichneten) Finale erst noch zwischen Katja Kühne und Angelina Heger entscheiden. Die „Bild“ dagegen hat längst Angelinas Niederlage verkündet. Die knallharten Rechercheure sind sogar noch einen Schritt weiter und vermelden schon das Beziehungs-Aus von Katja und Christian, die sich doch heute erst kriegen sollen. Die Texte stecken dann zwar voller Fragezeichen – und doch passen sie gut zum „Bachelor“, dem Format des dreisten Selbstwiderspruchs, bei dem Angelina auch ohne Rose die Siegerin wäre.

Willkommen im Schlaraffenland der Vielweiberei

Das Gute am „Bachelor“ ist ja gerade: Hier fühlt man sich so angenehm beschwindelt, als lauschte man den Verführungsformeln eines Staubsauger-Vertreters. Wo sonst in der westlichen Welt wird ein südafrikanischer Harem noch als romantisch verkauft? Wem außer der RTL-Redaktion gilt offen ausgelebte Vielweiberei als Kennzeichen des wahren Mr. Right? Wie kann man die sexualdarwinistische Liebesselektion als „Nacht der Rosen“ verbrämen? Es bleibt eine Meisterleistung der Fernsehunterhaltung, ein Best-of der Machismo-Eitelkeit als gefühlsechtes Frauenformat zu präsentieren.

Christian Tews‘ ergreifender Liebesschwur

Glaubt irgendeiner dem schönen Christian? Bis zum Osnabrücker Disco-Auftritt bleibt der kahle Junggeselle dabei, dass er nach der Frau fürs Leben sucht. Ehrlich? Denkt er tatsächlich, man gründet eine Ehe, indem man mit 22 geföhnten Dschungelcamp-Anwärterinnen gleichzeitig rummacht? Weiß er wirklich nicht, dass es bislang noch keinem Bachelor geglückt ist? Nicht mal dem laschen Jan Kralitschka, für den Christian laut bunte.de im letzten Jahr schon der Ersatzmann war. Ist Christian Tews also wirklich so naiv? So dumm sieht er dann doch nicht aus. Eher gerade schlau genug, um das vom Afro-Schnaps Amarula gesponserte Trash-Format als Plattform für seinen eigenen Anti-Stress-Drink „Tyme Out“ zu erkennen.

Zaubertrank gegen den Bachelor-Stress

Seinem bislang völlig unbekannten Getränk kann der Bachelor jetzt jedenfalls jede Menge Dreamdates mit durstigem Publikum vermitteln. Zur Autogrammstunde hat Christian Tews den Zaubertrank selbstverständlich dabei. Und nach den wilden Nächten mit den 22 Bachelor-Bräuten, hat er sich sogar selbst mit seinem Entspannungströpfchen wieder zum Menschen gemacht. „Ich war sehr dankbar, dass Tyme Out vor dem Bachelor schon marktreif war“ , sagt Christian Tews gegenüber der Fachpresse . „Für mich war Tyme Out an einigen Abenden genau das Richtige, um nach einem aufregenden Tag ein bisschen zu entschleunigen.“ (Das Interview ist lustig, weil Christian so ängstlich darauf achtet, nie eine medizinische Wirkung seiner magischen Ingredienzien zu behaupten.)

Traummann? Fünf Gründe gegen Christian Tews

Angelina Heger – die Königin des Widerspruchs

Nur eine verkörpert die Falschheit des RTL-Formats besser als Christian Tews – Angelina Heger. Deshalb hat sie auch gute 300.000 Facebook-Fans, über 100.000 mehr als der Bachelor selbst. Damit ist sie schon jetzt die Siegerin der Show – auch wenn Christian ihr am Ende tatsächlich eine Wurst statt einer Rose überreicht, wie sie witzelt. Angelina zieht das romantische Theater mit einer Kaltschnäuzigkeit durch, die selbst im Trash-TV selten ist – egal, wie widersinnig sie sich dafür benehmen muss. Ihrem zukünftigen Partner verbietet die beim Dreh 21-Jährige schon vorab alle weiblichen Freundschaften – und legt sich ihren Treue-Absolutismus als menschliche Reife aus. Dass sie den Mann, der nur sie liebt, im hochpromiskuitiven Abschlepper-Format sucht, ficht Angelina Heger nicht an. Und dass RTL ein Bikini-Shooting zur Teilnahmebedingung machte, irritiert ihre strengen Werte nicht.

Falsches Verhalten oder falsche Brüste?

Eine Frau, die alle eigenen Widersprüche so selbstbewusst weglächelt wie Angelina, tritt auch dann noch wie eine zweite Sylvie van der Vaart auf, wenn sie beim Homedate die Abgründe der eigenen Gewöhnlichkeit präsentiert. Warum ist dieses falsche Verhalten noch um so viel unsympathischer als die falschen Brüste von Melanie Müller, der „Bachelor“-Verliererin und Dschungelcamp-Siegerin? Weil Angelina Heger offenbar gar nicht ins Dschungelcamp will. Melanie Müller,Georgina Fleur,Natalia Osada – sie alle haben das Trash-TV genutzt, um noch mehr Trash-Aufträge zu ergattern. Angelina verhält sich so aufdringlich konservativ, als würde sie nach dem „Bachelor“ eine echte TV-Karriere im Sinn haben. Hoffentlich reichen die 300.000 Facebook-Fans dafür nicht aus.

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