Am Samstagabend im Fernsehen Boombranche Kreuzfahrt: Dokumentation auf Vox

Auch das ist Kreuzfahrt: Doro Pesch und 19 weitere Bands lockten und rockten zur „Full Metal Cruise“. Beim einwöchigen Heavy-Metal-Turn auf der Nordsee schluckten die 2000 Rocker dann 32000 Liter Bier innerhalb einer Woche. Foto: ImagoAuch das ist Kreuzfahrt: Doro Pesch und 19 weitere Bands lockten und rockten zur „Full Metal Cruise“. Beim einwöchigen Heavy-Metal-Turn auf der Nordsee schluckten die 2000 Rocker dann 32000 Liter Bier innerhalb einer Woche. Foto: Imago

Osnabrück. Langer Abend für Kreuzfahrt-Fans: Die Spiegel TV- Doku „Boombranche Kreuzfahrt“ geht am Samstagabend auf Vox der Faszination solcher Seereisen nach.

Odysseus , der erste Kreuzfahrer in der Antike, musste sich noch am Mast festbinden lassen, um den Verlockungen der Sirenen an Land zu widerstehen. Moderne Kreuzfahrtschiffe brauchen solche Zwangsmittel nicht mehr: Sie bieten ihren Passagieren Hochseilgärten und Aquaparcs oder einen Golfplatz auf Deck 14, vielleicht auch eine „original bayrische“ Hausbrauerei und Restaurants, die 24 Stunden geöffnet haben.

20 Jungfernfahrten

Der Markt für Schiffsreisen wächst seit Jahren ungebrochen, auch einem solch spektakulären Ereignis wie der Kollision der MS Costa Concordia mit der Insel Giglio zum Trotz. Mehr als eineinhalb Millionen Deutsche gingen im vergangenen Jahr an Bord ihres Traumschiffs und bescherten damit der Kreuzfahrtbranche ein Umsatzplus von vier Prozent auf insgesamt 2,6 Milliarden Euro. Und der Trend hält weiter an. Allein in diesem Jahr gehen mehr als 20 Kreuzfahrtschiffe auf Jungfernfahrt.

Ein Leuchtturm der Branche ist die Meyer Werft in Papenburg, wo seit Jahren solch dicke Pötte zusammengeschweißt werden. Die Überführung der „Norwegian Breakaway“ auf der Ems und die dann folgende Jungfernfahrt in die Nordsee mit lauter Reisekaufleuten an Bord, die das Schiff schließlich einmal überzeugt (und überzeugend) verkaufen sollen, ist einer der Schauplätze dieses langen Themenabends bei Vox. Die „Norwegian Breakaway“ ist eines der bisher größten in Deutschland gebauten Kreuzfahrtschiffe. 324 Meter lang und 40 Meter breit, 18 Decks, Platz für 4000 Passagiere und 1700 Mann Besatzung.

Doch bevor die ersten Gäste an Bord gehen können, gibt es für Hoteldirektor Klaus Lugmaier und seine Besatzung viel zu tun, denn überall wird noch geputzt und gehämmert. Der Österreicher hat schon ein Dutzend Neubauten in Dienst gestellt, er kennt den Wettlauf gegen die Zeit: Aktuell sucht er im Chaos an Bord zwei Sofas für die „Heaven“-Premium-Lounge.

Und der Zuschauer erfährt bei dieser Gelegenheit , dass selbst Luxus-Schiffe noch den feinen Unterschied einer ausdifferenzierten Drei-Klassen-Gesellschaft kennen: Es gibt Luxus-Suiten mit Butler-Service und intime Restaurants, die ein normaler Passagier niemals betritt. Wer das nötige Kleingeld hat, nimmt die Balkonkabine und speist gegen Aufpreis im Feinschmecker-Restaurant. Die große Masse der Kreuzfahrer dagegen reist mit fensterloser Innenkabine und „all inclusive“ für einen knallhart kalkulierten Schnäppchen-Tagespreis, der nur wenig mehr als 100 Euro betragen kann.

Im Wettbewerb um die Passagiere überbieten sich die Reedereien mit immer neuen Attraktionen und spektakulären Unterhaltungsangeboten. Urlaub nach Maß lautet die Devise, jeder soll an Bord sein Glück finden. Besonders beliebt sind Themenkreuzfahrten. Eine einwöchige Heavy-Metal-Reise auf der Nordsee etwa feierte vergangenes Jahr Europa-Premiere. Mit an Bord: 20 Bands, eine 170000 Watt starke Musikanlage, 2000 Passagiere und reichlich Bier.

Nach einer Woche werden die 2000 Rocker zur See 32000 Liter Bier geschluckt haben, pro Mann stolze 16 Liter in einer Woche.

Das Programm von Nicole und Rico Schlobeit auf der Mittelmeerreise der „Europa 2“ sieht da etwas gediegener aus. Hier sind gerade mal 500 Passagiere unter sich. Das Ehepaar hat sich auf dem neuen Luxusschiff eine 42 Quadratmeter große Suite gegönnt. Und während Nicole sich kosmetisch verwöhnen lässt, will Rico sein Handicap beim Golf verbessern.

Damit auf See keine Langeweile aufkommt, hat das Ehepaar noch einen Kochkurs belegt und bereitet nun unter den Augen des Souschefs Gänseleber zu. Eine echte Herausforderung, denn gerade Gänseleber sei „nicht so ihr Ding“, gesteht Nicole. Und genießt dafür lieber andere Highlights aus der Küche des Fünf-Sterne-Schiffes.

Den Gästen an Bord der „MSC Divina“ dagegen geht es vor allem um ein stimmungsvolles Unterhaltungsprogramm. Die Schlagerkreuzfahrt im östlichen Mittelmeer wartet mit zahlreichen Entertainern auf. Neben Comedian Ingo Appelt und Ballermann-Star Tim Toupet (bekannt für Titel wie „Du hast die Haare schön“) ist auch Schlagersänger Norman Langen mit von der Partie. Der 28-jährige Jungstar ist zum ersten Mal an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. 4000 Passagiere verteilen sich hier auf 14 Decks.

Kritische Größe

Dass die Schiffe und damit die ganze Kreuzfahrt-Branche mittlerweile eine kritische Größe erreicht haben könnten, kommt bei dieser Dokumentation nur am Rande zur Sprache. Dabei wehren sich mittlerweile selbst in den vom Tourismus lebenden Gemeinden die Menschen gegen die Invasion der Kreuzfahrer: Fünf Dickschiffe am Tag seien für Häfen wie Venedig oder die norwegischen Fjorde einfach zu viel. Dort ist man froh über jeden modernen Odysseus, der die Versuchungen an Land ignoriert und an Bord bleibt.

Boombranche Kreuzfahrt – Zwischen Masse und Klasse, Vox, Samstag, 1. März, 20.15 Uhr.


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