Erste Rolle in Deutschland Teuflisch gut: Dar Salim im Bremer Tatort „Brüder“

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Osnabrück. „Brüder“ ist wohl der beste „Tatort“, den wir bislang aus Bremen gesehen haben. Herausragend: Dar Salim in der Rolle des diabolischen Clan-Gangsters Hassan Nidal. Ein Gesicht, das man sich merken sollte, auch wenn es im deutschen Fernsehen bislang so gut wie nicht zu sehen war.

Dar Salim muss lachen bei der Vorstellung, Zuschauer des Bremer „Tatorts“ könnten am Montagmorgen die Straßenseite wechseln, wenn sie ihm begegnen. „Ja, Hassan Nidal ist wirklich der übelste Typ, den ich jemals gespielt habe. Und wenn jemand tatsächlich die Straßenseite wechselt, dann hoffentlich, weil ich es überzeugend gespielt habe“, sagt der in Bagdad geborene Däne im Gespräch mit unserer Zeitung. Und betont schnell: „Aber es ist nur eine Rolle, eigentlich bin ich ganz nett, und am liebsten spiele ich mit meinem dreijährigen Sohn.“

Erster deutscher Film

Zusammen mit seinen Brüdern und anderen Verwandten prügelt Hassan Nidal als führendes Mitglied eines türkisch-libanesischen Clans eine junge Polizistin zu Tode, terrorisiert ein ganzes Stadtviertel, setzt Richter unter Druck und scheffelt ein Vermögen mit Drogen- und anderen illegalen Geschäften. Dar Salim verkörpert diesen Gangster so teuflisch gut, dass es dem Zuschauer im Fernsehsessel angst und bange werden kann.

Dabei hätte der 36-Jährige die Rolle um ein Haar gar nicht angenommen: „Anfangs fand ich sie gar nicht so interessant, weil Hassan zu viele Klischees hatte und gar kein richtiger Mensch war. Zusammen mit Florian Baxmeyer (dem Regisseur) habe ich überlegt, wie wir diesen Typen interessanter machen. Er sollte nicht nur böse sein, weil er böse sein muss. Humor ist da ein Schlüssel. Dieser Mann tötet eine schöne Frau, danach braucht man nicht mehr zu zeigen, dass er böse ist. Aber wenn er danach Witze macht und lächelt, dann weiß man wirklich, wie böse er ist.“

In einem deutschen Film war Dar Salim bislang nicht zu sehen, Serienfans kennen ihn womöglich durch seine Auftritte in den international bejubelten Formaten „Game of Thrones “ oder „Borgen“ . Einen Typen wie Hassan Nidal hat es in seiner Karriere jedoch noch nicht gegeben: „In Dänemark bin ich meistens der nette Kerl, aber diese Rolle war so böse, dass ich dachte: Das will ich einmal probieren.“

Dabei wusste der 36-Jährige gar nicht so genau, worauf er sich einlässt: „Ich kannte zwar den ,Tatort‘ und wusste auch, dass er eine Institution im deutschen Fernsehen ist, auch wenn in Dänemark wenig deutsches Fernsehen geguckt wird. Aber ich wusste nicht, wie ungeheuer populär der ,Tatort‘ in Deutschland ist.“

„Brüder“ dürfte schlagartig dafür sorgen, dass sich Dar Salims Gesicht im Gedächtnis deutscher Krimifans dauerhaft einprägen wird. Vor allem aufgrund der Brutalität dieser Rolle, die auch für den Schauspieler eine Herausforderung bedeutete: „Natürlich ist es eine Überwindung, eine Szene zu spielen, in der Hassan jemanden zu Tode prügelt. So etwas kann ich in mir nicht finden, deshalb habe ich es physisch gespielt: Reingehen, reingehen, reingehen.“

So könnte man auch das Lebensmotto dieses Mannes beschreiben, der in 36 Jahren weit mehr erlebt hat als andere in ihrem ganzen Leben. 1977 in Bagdad geboren, flohen Vater und Mutter mit dem einjährigen Baby aus dem Irak und landeten nach fünfjähriger Odyssee durch Länder wie Syrien und Bulgarien schließlich in Kopenhagen.

Salim machte in der dänischen Hauptstadt sein Abitur, absolvierte anschließend den Militärdienst, stand als Royal Guard vor dem Königspalast und ließ sich mit seiner riesigen Pelzmütze von unzähligen Touristen fotografieren.

Er arbeitete als Fitnesstrainer, Fischer, Reiseleiter auf Zypern, machte schließlich eine Ausbildung zum Piloten und flog sechs Jahre lang Airbus-Passagierflugzeuge. Als ihm auch das zu langweilig wurde, ging er zu einem Casting, bekam eine Filmrolle und dreht heute mit Hollywoodstars wie Ridley Scott und Christian Bale .

Deutschland-Fan

Da könnte ihm der deutsche Film eigentlich egal sein, ist er aber nicht. Dar Salim bekennt sich zum Nachbarland seiner dänischen Heimat: „Ich hätte große Lust, mehr Rollen in Deutschland zu spielen. Ich war immer ein großer Fan von Deutschland – die Natur, die Wirtschaft, die Leute, alles ist großartig. Die Deutschen sind bescheiden und offen, das mag ich, das ist eine fantastische Kombination.“


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