Auch die Eltern sind gefragt RTL und Co: Wer kontrolliert die Privatsender?


Osnabrück. Gewalt, Sex, Desorientierung – vor diesen und anderen Medieninhalten sollen Kinder und Jugendliche geschützt werden. So sieht es der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag vor. Während im öffentlich-rechtlichen Rundfunk jede Anstalt ihre eigenen Sendungen durch Jugendschutzbeauftragte prüft, ist es im privaten Rundfunk etwas komplizierter.

Einigermaßen geläufig dürfte die FSK sein, deren kreisrundes, leuchtend farbiges Siegel für die Altersfreigabe von Filmen steht. Hinter dem Kürzel verbirgt sich die Freiwillige Selbstkontrolle, die Filme prüft, bevor sie ins Kino kommen oder auf DVD oder Blu-Ray erscheinen. Auch wenn faktisch alle Filme diese Prüfung durchlaufen, gibt es keine gesetzliche Vorlagepflicht.

So verhält es sich auch im Privatfernsehen. Die FSF, die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen, bekommt von TV-Anbietern Sendungen zur Prüfung vorgelegt, ein Prüfausschuss entscheidet über Auflagen wie das Herausschneiden von zu drastischen Szenen oder eine Sendezeitbeschränkung. Auch hier handelt es sich um eine freiwillige Vorlage. Denn: „In Deutschland gilt das Zensurverbot“, erklärt Siegfried Schneider, Vorsitzender der KJM, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die KJM, die Kommission für Jugendmedienschutz, ist für die Einhaltung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags, kurz JMStV, zuständig.

Dreistufiges Prüfsystem

Sie wird eingeschaltet, wenn eine Beschwerde zu einem bereits gesendeten Programm vorliegt. Dann greift ein dreistufiges Prüfsystem: Die zuständige Landesmedienanstalt klärt, ob ein Anfangsverdacht besteht. Der Fall wird an einen Ausschuss der KJM übergeben. Sollte dieser zu keiner Einigung kommen, geht der Fall ins Plenum, das aus Mitgliedern der Landesmedienanstalten und Vertretern von Bund und Ländern besteht.

Man mag staunen, wie viel Aufwand hinter dem Prüfverfahren steckt, wenn man die teils hitzigen Debatten etwa um Wertevermittlung bei den Castings von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) verfolgt. Tatsächlich stellt die FSF bei der Bewertung der aktuellen Staffel (der elften!) aber fest: „Auf vulgäre Kommentare und Beleidigungen wird ebenso verzichtet wie auf Gestaltungsmittel, die die Teilnehmenden gezielt lächerlich machen oder bestimmte Schwächen in unfairer Weise betonen.“ Auf der Website der FSF sind zu geprüften Sendungen ausführliche Bewertungen nachzulesen. Außerdem gibt es einen Blog, einen YouTube-Kanal, eine Facebook-Seite und, natürlich, einen Twitter-Account. Man gibt sich bei der Medienaufsicht alle Mühe nicht nur zu bewerten, sondern vorzubeugen.

„Das Zusammenspiel von Jugendschutz und der Vermittlung von Medienkompetenz sehen wir als ganz wichtige Aufgabe an“, betont auch Siegfried Schneider von der KJM. Denn Auflagen wie Sendezeitbeschränkungen sind nur dann effektiv, wenn sie auch greifen.

„Die Sender halten sich in der Regel gut daran“, resümiert Schneider. „Das heißt aber nicht, dass sich auch alle Eltern und Kinder daran halten. Das ist immer ein Spannungsfeld – die Verantwortung des Anbieters auf der einen Seite, auf der anderen Seite die Verantwortung der Eltern.“

„DSDS“ hat von der FSF eine Freigabe ab 12 Jahren erhalten, darf also erst ab 20 Uhr gesendet werden. Für die Ausstrahlung im Tagesprogramm ab 6 Uhr wurden Szenen entfernt, zum Beispiel „abfällige Äußerungen, die auf jüngere Kinder positiv und sozial akzeptiert wirken könnten“. Doch wie lebensnah sind diese Kriterien?

Die aktuelle Fassung des JMStV stammt vom 1. April 2003, „aus einer Zeit, in der es die sozialen Medien noch kaum gab“, wie Siegfried Schneider kritisiert. „Eine Änderung des Staatsvertrages wird seit Jahren diskutiert, und das wäre uns ein großes Anliegen.“

Die zukünftige Herausforderung für den Jugendmedienschutz sieht Schneider in der „Medienkonvergenz“, also dem Verschmelzen etwa von Fernsehen und Internetnutzung. Smartphones und Tablets haben längst die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass der Medienkonsum von Jugendlichen nicht mehr allein im heimischen Umfeld stattfindet. Fürs private Fernsehen zieht Siegfried Schneider dennoch eine positive Bilanz: „Die Zahl der Fälle im Rundfunk ist rückläufig. Die Arbeit der letzten zehn Jahre trägt also Früchte: Die Sender wissen, es wird genau hingeschaut und konsequent mitverfolgt.“


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