Köpfchen statt Krawall Vor 40 Jahren eroberte „Wickie“ die Bildschirme

Von Michael Ossenkopp

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Wenn Wickie eine Idee hat, reibt er sich die Stupsnase, schnipst mit dem Finger und verkündet mit strahlendem Gesicht: „Ich hab’s!“Foto: ZDFWenn Wickie eine Idee hat, reibt er sich die Stupsnase, schnipst mit dem Finger und verkündet mit strahlendem Gesicht: „Ich hab’s!“Foto: ZDF

Osnabrück. Vor 40 Jahren, am 31. Januar 1974, zeigte das ZDF die heutige Kult-Zeichentrickserie erstmals im deutschen Fernsehen. In „Wickie und die starken Männer“ half der Wikingerjunge seinem Stamm mit scharfem Verstand immer wieder aus der Klemme. 2009 brachte Michael „Bully“ Herbig eine Realverfilmung in die Kinos, noch 2014 sollen neue, animierte Folgen ins TV kommen.

Klein, aber oho: Mit pfiffigen Ideen meistert der kleine, rotblonde Wikingerjunge brenzlige Situationen. Die Serienfigur basiert auf der 1963 erschienenen Kinderbuchreihe „Vicke Viking“ des schwedischen Autors Runer Jonsson, der bereits 1965 dafür mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde.

„Der schreckliche Sven“

Wickie lebt mit seinen Eltern Ylva und Halvar im kleinen Wikingerdorf Flake. Der schmächtige Häuptlingssohn hat es zunächst ganz schön schwer – bis ihn sein Vater eines Tages auf große Abenteuerreise mitnimmt. Der Bursche ist zwar nicht besonders stark, aber überzeugt durch Intelligenz, sein Motto lautet „Köpfchen statt Krawall“. Wenn er eine Idee hat, reibt er sich die Stupsnase, schnipst mit dem Finger und verkündet mit strahlendem Gesicht: „Ich hab’s!“

Er begleitet Halvar und die wilde Truppe der mehr oder weniger „starken“ Männer auf ihren Raubzügen, großer Widersacher ist meist der „schreckliche Sven“. Wegen seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten macht es Wickie gerade jungen Zuschauern leicht, sich mit ihm zu identifizieren. Bei den lustigen und mitunter gefährlichen Abenteuern wird er quasi zum Maskottchen der harten Kerle wie Tjure, Snorre, Urobe, Ulme und Faxe.

Ursprünglich sollte das Wickie-Projekt als 13-teilige Puppenspielreihe realisiert werden. Um jedoch die Kosten möglichst gering zu halten, ging das ZDF zusammen mit dem österreichischen ORF eine Kooperation ein und beauftragte das japanische Studio „Zuiyo Enterprise“ mit der Umsetzung der literarischen Vorlage als Zeichentrickserie. Zwischen 1972 und 1974 wurden in drei Staffeln 78 Folgen à 23 Minuten sowie ein 85-minütiger Spielfilm produziert.

Anime

„Wickie und die starken Männer“ war die erste vollständig ausgestrahlte Anime-Serie im deutschen Fernsehen, im ORF startete sie am 17. Februar 1974. Auch international wurde sie erfolgreich vermarktet, sie lief im japanischen, französischen, italienischen, spanischen, niederländischen und britischen Fernsehen. Sogar in Südafrika und Taiwan flimmerten die Abenteuer des kleinen Wikingers über die Bildschirme.

Die eingängige Titelmelodie der deutschen Fassung ( Hey, hey, Wickie! Hey, Wickie, hey! ) wurde von der Kölner Gruppe „Stowaways“ eingesungen, die später unter dem Namen „Bläck Fööss“ weithin bekannt wurde. Schon vor dem TV-Erfolg ging 1965 ein vom WDR produziertes Hörspiel über den Sender, Sprecher der Titelrolle war der junge Marius Müller-Westernhagen.

Zudem erschien von 1974 bis 1980 eine Comic-Heft-Reihe, später folgten sechs Taschenbücher und auch ein Computerspiel – damals noch für den Nintendo.

2008 sorgte die Serie bundesweit für Aufmerksamkeit. Schauspieler und Regisseur „Bully“ ( „Der Schuh des Manitu“ ) nahm sich des Sujets an. In einer Casting-Show auf Pro Sieben suchte er Darsteller für eine Realverfilmung von „Wickie“. Der Stoff sei für ihn „eine Steilvorlage für ein Genre, das ich immer mal machen wollte: Spaß, Abenteuer und Emotionen“, sagte der Filmemacher.

Der Kinostart erfolgte am 9. September 2009. „Wickie“ sei, so Herbig, „ein Evergreen, der ja bis heute im Fernsehen läuft. Da können Eltern in meinem Alter mit ihren Kindern reingehen, und auch umgekehrt. So eine Art kleiner ,Indiana Jones ‘ mit ein bisschen MacGyver . Wickie ist einfach Kult, bei Partys legt man nach AC/DC gern auch mal das Titellied ,Hey, hey, Wickie‘ auf.“ Am 29. September 2011 kam „Wickie auf großer Fahrt“, eine Fortsetzung des ersten Spielfilms, in 3-D in die deutschen Lichtspielhäuser.

Comeback geplant

Seit 2009 erscheinen alle zwei Monate Comics über die „wilden Nordmänner“, zusätzlich gibt es ein Geschichtenbuch. Die Abenteuer leben ebenso auf der Mattscheibe weiter, der Ki.Ka strahlt regelmäßig alte Folgen aus. Außerdem bastelt das ZDF zurzeit auch an neuen Episoden in 3-D, die noch in diesem Jahr im ZDF-Kinderprogramm „tivi“ gezeigt werden sollen – Premiere soll an Karfreitag sein, wie das ZDF meldet.


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