Beide Seiten profitieren TV-Trend: Immer mehr deutsche Stars in US-Serien

Von Martin Weber



Berlin. Sie spielen ausgebuffte Technikexperten, autistische Ermittlerinnen, verführerische Kurtisanen oder auch mal eine waschechte Mafiabraut: Deutsche Schauspieler sind in amerikanischen Fernsehserien schwer im Kommen – und das keineswegs nur in unbedeutenden Nebenrollen.

Darsteller wie Franka Potente, Sibel Kekilli , Tom Wlaschiha oder Diane Kruger glänzen auch in tragenden Rollen und drücken aufwendig gemachten US-Serien ihren Stempel auf. Die Zeiten, in denen deutsche Schauspieler in Hollywood bis auf wenige Ausnahmen nur Schurken oder fiese Nazis verkörpern durften, sind schon lange vorbei.

So spielt die aus einem kleinen Dorf bei Hildesheim stammende Diane Kruger , die mit den Kinofilmen „Troja“ und „Das Vermächtnis der Tempelritter“ den Durchbruch in Hollywood schaffte, in der US-Krimiserie „The Bridge“ eine Hauptrolle – das Ex-Model verkörpert eine autistische Polizistin, die an der amerikanisch-mexikanischen Grenze ermittelt. Die 37-Jährige freut sich ungemein über ihre Mitwirkung in einer US-Serie: „Das ist für uns Schauspieler sehr aufregend, weil die dramatischen Rollen jetzt dort zu haben sind. Im Moment herrscht zumindest in Amerika eine goldene Ära für Serienproduzenten“, sagte sie der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Der gebürtige Sachse Tom Wlaschiha mimt in der vom US-Sender NBC sowie Sat.1 und anderen europäischen Kanälen produzierten Krimiserie „ Crossing Lines“, deren erste Staffel jüngst auf Sat.1 zu sehen war , den technisch ungemein beschlagenen deutschen Ermittler Sebastian Berger. Der 40-jährige Wlaschiha, den in Deutschland kaum jemand kennt, ist auch im international gefeierten US-Fantasyepos „Game of Thrones“ zu sehen, genauso wie die gebürtige Frankfurterin Laura Pradelska und Sibel Kekilli, die hierzulande im „Tatort“ aus Kiel an der Seite Axel Milbergs auf Mörderjagd geht. In der aufwendig gemachten HBO-Serie spielt sie die hübsche Kurtisane Shae, die zur Geliebten des kleinwüchsigen Serienhelden Tyrion Lannister (Peter Dinklage) wird. Kekilli lehnte die Rolle der Shae zunächst sogar ab, wie sie dem „Focus“ verriet: „Ich hielt die Figur anfangs für nicht sehr interessant. Doch dann überzeugten mich die Produzenten, dass sich Shae, sie ist ja die Geliebte von Lord Tyrion, über die Zeit weiterentwickeln würde.“

Franka Potente schließlich kann schon auf eine ganze Reihe von US-Serien zurückblicken, in denen sie mitgespielt hat. Die gebürtige Münsteranerin, die Ende der Neunziger ihren Durchbruch in Tom Tykwers auch international erfolgreichem Kinofilm „Lola rennt“ feierte, wirkte nach Auftritten in den Kinoproduktionen „Blow“ mit Johnny Depp und „Die Bourne Identität“ mit Matt Damon schon in so erstklassigen Fernsehserien wie „The Shield“, „Dr. House“ oder „American Horror Story“ mit.

In der beklemmend realistischen Krimiserie „The Shield“ etwa spielte sie in mehreren Folgen die Tochter eines armenischen Mafiabosses, die in dessen kriminelle Geschäfte verstrickt ist, in „American Horror Story“ war sie als mysteriöse Patientin einer Irrenanstalt zu sehen. Zuletzt trat die 39-Jährige, die mit ihrer Familie in Los Angeles lebt, in der Serie „Coppers“ auf, die während des amerikanischen Bürgerkriegs spielt und in der sie die deutschstämmige Chefin eines Bordells verkörperte.

Für Potente und die anderen deutschen Darsteller sind die Rollen und Auftritte in den mit viel Geld produzierten US-Formaten eine großartige Gelegenheit, am Boom des in aller Welt viel gelobten amerikanischen Serienfernsehens zu partizipieren und sich auch international einen Namen zu machen. Für die am Export ihrer teuren Serien interessierten US-Sender wiederum sind die Schauspieler made in Germany auch deshalb interessant, weil sich Formate mit ihnen gerade im wichtigen deutschen Fernsehmarkt besser absetzen lassen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN