Fast schon amerikanisch Neue Serie im ZDF: „Die Familiendetektivin“

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Osnabrück. Vor fast genau einem Jahr lief im ZDF der Historien-Dreiteiler „Das Adlon“. Nun zeigt Drehbuchautorin Rodica Doehnert eine ganz andere Seite ihres Schaffens: An diesem Samstag startet ihre Serie „Die Familiendetektivin“ mit Elena Uhlig in der Titelrolle.

Julie Berg (Elena Uhlig) ist alleinerziehende Mutter und zieht mit ihren beiden Kindern in das Haus ihres verstorbenen Onkels. Eine Mischung aus Zufall und Mitleid mit einem Mann, der seine Tochter sucht, führt dazu, dass sie dessen Tätigkeit als Privatdetektiv weiterführt.

„Ich habe vor circa zehn Jahren in meinem eigenen familiären Umfeld jemanden gesucht und dazu eine Agentur engagiert“, erinnert sich die Erfinderin und Drehbuchautorin der Serie, Rodica Doehnert, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Familiensuchdienst, so nannte sich das. Ich war sofort fasziniert von der Idee, Menschen zu suchen und Familien so wieder in ein Gleichgewicht zu bringen.“

„Die Familiendetektivin“ ist in der Tat weniger eine typische Krimi- als eine Familienserie – ein Zugang, der Rodica Doehnert zu liegen scheint, denn auch „Das Adlon“ ist eine Familiensaga. Trotzdem sieht sie wesentliche Unterschiede zwischen beiden Stoffen.

Vorbild „Gilmore Girls“

Das Adlon ist ein Fernsehroman, ein großer epischer Raum, in dem Zeitgeschichte erzählt wird, Biografien realer und fiktiver Figuren. Hier haben wir es eher mit einem Fortsetzungsroman zu tun, so, wie ihn die Zeitungen in den guten alten Zeiten gedruckt haben, als es noch kein Fernsehen gab.“

Als konkretes Vorbild nennt Rodica Doehnert aber doch etwas Moderneres: die US-Serie „Gilmore Girls“ – „weil ich diese Mutter-Tochter-Konstellation sehr geschätzt habe, einfach als Zuschauerin. Und dann gefällt mir die schnelle Art zu sprechen. Die haben 80 Seiten für 44 Minuten, und wir sind immerhin schon bei 65. Das ist fürs deutsche Fernsehen eine Riesenleistung, denn die Leute vor Ort müssen das ja alles drehen, die Schauspieler müssen diese Riesen-Textbatzen lernen.“

Mit Elena Uhlig wurde für diesen Stil die richtige Darstellerin gefunden. Sie verkörpert ein etwas anderes, moderneres, aber auch chaotischeres Mutterbild, als man es aus vielen Vorabendserien kennt. Auch Rodica Doehnert ist angetan von Uhligs Darstellung ihrer Heldin: „Elena Uhlig hat es sich von Anfang an zum Credo gemacht, die Texte nicht zu verändern. Normalerweise modeln sich die Schauspieler ja die Texte mundgerecht um. Dadurch, dass ich anders schreibe, als sie im Leben spricht, entsteht eine Kunstfigur.“

Auch Julie Bergs Kinder sind nicht, wie sonst allzu oft im deutschen Fernsehen, nur schmückendes Beiwerk für die handelnden Erwachsenen. Doehnert, die als Regisseurin in der DDR schon mit Kindern gearbeitet hat und selbst Mutter ist, legt Wert darauf, Kinder ernst zu nehmen.

„Kinder sind für mich – das habe ich auch mit meinen eigenen Kindern immer so gehalten – Gedankenpartner, Sparringspartner, mit denen man das Leben ausdiskutiert, Pläne macht. Mich hat weniger interessiert, Kinder zu erziehen, ihnen Regeln aufzuerlegen, die ich unter Umständen selber nicht lebe, oder die Übermutter rauszukehren.“

Zeug zum Klassiker?

Doehnert machte ihren Abschluss im Fach Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam und arbeitete erst für den DFF, später für ARD und ZDF. Um die Jahrtausendwende konzentrierte sie sich dann ganz aufs Drehbuchschreiben. Mit der „Familiendetektivin“ hofft sie einen Klassiker geschrieben zu haben: „Wir sind hier im Spannungsfeld zwischen sehr wahrhaftigen, konkreten und universellen Figuren, die noch in vielen Zeiten funktionieren werden.“

Doch wer heute eine Serie kreiert, kommt kaum umhin, sich an den scheinbar unerreichbaren US-Vorbildern zu messen. „Ich glaube, was in den USA passiert, wäre schon sehr mein Ding“, glaubt Rodica Doehnert. „Als Headwriter eine Serie aus dem Boden zu stampfen. Nur haben die dort ganz andere finanzielle und technische Möglichkeiten. Ich sehe meine Aufgabe darin, als deutsche Autorin auf einem deutschen Markt mit deutschem Geld ein Format zu schreiben, das auch realisierbar ist.“ Realistisch scheint indes auch eine Fortsetzung der „Familiendetektivin“ zu sein. Über eine zweite Staffel wird bereits nachgedacht.

Die Familiendetektivin startet am Samstag 11. Januar, um 19.25 Uhr im ZDF mit der ersten von insgesamt 10 Folgen.


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