ARD, Fr., 27.12., 20.15 Uhr Valerie Niehaus ist „Die Spionin“ im Ersten

Meine Nachrichten

Um das Thema Medien Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der britische Geheimdienst will sie hängen: Vera von Schalburg (Valerie Niehaus) sieht dem Tod ins Auge. Foto: ARD/DegetoDer britische Geheimdienst will sie hängen: Vera von Schalburg (Valerie Niehaus) sieht dem Tod ins Auge. Foto: ARD/Degeto

Osnabrück. Das Leben der Agentin Vera von Schalburg spielt Valerie Niehaus in „Die Spionin“ an der Seite von Fritz Karl, Nina Petri und Jochen Nickel am Freitag, 27. Dezember, 20.15 Uhr, ARD.

Zum Stichwort „Spionin“ fällt den meisten wohl Mata Hari ein. Sie war im Ersten Weltkrieg für den deutschen Geheimdienst tätig. Vera von Schalburg hingegen kennt kaum jemand. Sie spionierte für die Nationalsozialisten. Die ARD hat Vera von Schalburgs Leben mit Valerie Niehaus in der Hauptrolle verfilmt.

Als sie gefragt wird, ist ihre Antwort klar, und sie kommt mit charmantem Nachdruck: „Politik interessiert mich nicht“, sagt Vera von Schalburg (Valerie Niehaus) beim ersten Kontakt mit dem deutschen Geheimdienst. Wenig später steigt sie dann doch als Spionin ein. Warum macht eine Frau das? Dies herauszuarbeiten war eines der Anliegen von Valerie Niehaus, wie die gebürtige Emsdettenerin (1974) im Gespräch mit unserer Zeitung darlegt.

Kaum etwas bekannt

Kaum etwas ist über Vera von Schalburg bekannt. Im Dezember 1912 in Russland geboren, kam sie über Dänemark nach Paris. Dort verdiente sie als Tänzerin im Varieté-Theater „Folies Bergère“ den Lebensunterhalt für sich und ihren Sohn.

Zuvor soll sie vom sowjetischen Geheimdienst unter Druck gesetzt worden sein. Offenbar hat sich dann Hilmar Dierks, ein Offizier des deutschen Geheimdienstes, in die schöne Agentin verliebt. Er soll es gewesen sein, der sie nach Hamburg holte. Im Kommandogebäude an den Sophienterrassen war sie schließlich für den deutschen Auslandsgeheimdienst tätig.

„Der Film ist eine Fiktion, die auf wenigen Fakten beruht“, erläutert Niehaus das Drehbuch von Annette Hess. In „Die Spionin“ prostituiert sich die russische Adlige, die mehrere Fremdsprachen spricht. Hier sieht Niehaus einen Ansatzpunkt für ihre Rolle: „Sie wollte raus aus ihrem bisherigen Leben, sie wollte weiterkommen“, erklärt sie die Figur, in die sie von März bis April 2012 beim Dreh in Budapest, Wien, Berlin und Kapstadt schlüpfte. In weiteren Rollen sind Fritz Karl, Nina Petri und Jochen Nickel zu sehen. Entstanden ist ein vielschichtiger Film, an dem allein die oft jaulenden Geigen nerven.

Nur für ihren Sohn scheint von Schalburg Gefühle zu haben. Kälte, Härte, Pragmatismus, zählt Niehaus als Eigenschaften der Spionin auf, die die Schauspielerin an einer besonders weiblichen Hülle brechen wollte, um Sympathie für ihre Figur zu erzeugen: „Es ist ein Mensch, der sich in seiner Zeit bewegt, mit all den Besonderheiten, von denen man zunächst vielleicht noch nichts wusste.“

Die Brüche in der Person werden an wenigen Schlüsselszenen deutlich. So ohrfeigt von Schalburg – die sich zunächst nicht für Politik interessiert haben wollte – ihren Sohn dafür, dass er einen jüdischen Mitschüler verraten hat. Später ist sie trotz ihrer deutschen Uniform überrascht, dass sie bei Einsätzen in den Krieg ziehen soll. Als der britische Geheimdienst sie hängen will, bricht sie. Auch diese Szene ist im Leben der echten Vera von Schalburg nicht belegt. Dieses immer Brüchigere habe sie besonders an der Rolle gereizt, sagt Niehaus. „Es ist selten, eine Hauptrolle in so einer Position zu spielen“, meint die Schauspielerin, die 1995 einem größeren Publikum bekannt wurde: Als 19-Jährige verkörperte sie die weibliche Hauptrolle in der Seifenoper „Verbotene Liebe“. Es war ihre zweite Rolle nach einem Auftritt in der Ruhrpott-Saga „Rote Erde“. Später studierte Niehaus an der Lee Strasberg Schauspielschule in New York. Es folgten zahlreiche Rollen.

Ihnen gibt Niehaus eine besondere Form der Ernsthaftigkeit. „Ohne Ernst macht es mir keinen Spaß“, sagt sie. Fernsehunterhaltung hält die Wahl-Berlinerin „für einen ganz wichtigen Aspekt des gesellschaftlichen Lebens“. Immer liege es ihr am Herzen, eine gute Geschichte, einen guten Film zu erzählen. „Es geht dabei nicht um mein Ego“, betont Niehaus, die es fragwürdig findet, wenn in den Medien über ihr Privatleben berichtet wird: „Meine Existenz ist nicht besonders wichtig. Sie ist nur für mich wichtig.“

Da bleibt sie lieber distanziert und wird dennoch persönlich. Sie sei gern erwachsen und übernehme Verantwortung für sich und ihren Sohn. „Erwachsen sein ist der freieste Zustand, in dem ich jemals war“, ergänzt sie.

Wie Vera von Schalburg dachte, ist offen. 1940 wird sie von den Briten enttarnt. Während ihre Agenten-Kollegen ermordet wurden, ist sie nach 1945 verschollen.

Die Spionin, ARD, 20.15 Uhr.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN