Von RTL dem Hetero-Geschmack angepasst? Bauer sucht Frau: War Lena gut für Lesben?

Kinderwunsch und Heiratspläne: Lena (links) und Janine sind das erste lesbische Paar bei „Bauer sucht Frau“. Für die Publizistin Elke Amberg ebnet ihre Inszenierung vieles ein: Lesbisches Leben wird oft nach dem Vorbild der bürgerlichen Ehe präsentiert – die Bandbreite, sagt sie, ist größer. 

            

              Foto: RTL/Stefan GregorowiusKinderwunsch und Heiratspläne: Lena (links) und Janine sind das erste lesbische Paar bei „Bauer sucht Frau“. Für die Publizistin Elke Amberg ebnet ihre Inszenierung vieles ein: Lesbisches Leben wird oft nach dem Vorbild der bürgerlichen Ehe präsentiert – die Bandbreite, sagt sie, ist größer. Foto: RTL/Stefan Gregorowius

Berlin. Am Montag endet die neunte Staffel von „Bauer sucht Frau, die erste mit einem lesbischen Paar. Warum erzielte RTL damit so große Aufmerksamkeit? Weil Lesben in den Medien sonst nahezu unsichtbar sind. Das ist die These der Publizistin Elke Amberg.

Schon 2011 hieß es bei RTL für den Pferdewirt Philipp „Bauer sucht Mann“. Bis Lena sich öffentlich in Janine verliebte, vergingen noch zwei Jahre. Im Spott-und-Häme-Format „Bauer sucht Frau“ werden Michael und Micha nun sogar fast so schonungslos lächerlich gemacht wie die Hetero-Bauern. Lena lässt RTL sicherheitshalber noch als Superfrau glänzen.

Positive Diskriminierung? Das Wort findet Elke Amberg zu hart. „Was allerdings auffällig ist – und das hatten wir bei anderen Serien mit lesbischen Figuren auch schon: Die Frauen entsprechen vollauf dem weiblichen Schönheitsideal von feminin, jung, blond, langhaarig, hübsch. Die Bandbreite lesbischen Lebens geht verloren.“ Die Publizistin beschäftigt sich seit Langem mit dem Bild, das Medien von Lesben und Schwulen entwerfen. „Wenn Lesben dargestellt werden, dann diejenigen, die scheinbar ,normal‘ sind, heiraten wollen, sich Kinder wünschen und dem Heteropublikum vom Äußeren her auf jeden Fall gefallen.“

Miese Quote ohne Lena

Es stimmt: Dem RTL-Publikum gefallen Lena und Janine. Die 24-Jährigen sind die Stars von „Bauer sucht Frau“. Als ihre Liebe auserzählt war, als das Paar aus dem Fokus geriet, fiel Staffel 9 erstmals unter die Marke von sechs Millionen Zuschauern. Lenas Erfolg freut Amberg: „Jede lesbische Figur in Filmen und im TV, jede reale lesbische Frau, über die einigermaßen angemessen berichtet wird, ist wichtig“, sagt sie. „Wir dürfen nicht vergessen, dass fast jede junge Frau zu Beginn ihres Coming-outs meist alleine dasteht. Das ist oft eine Zeit der Krise. Da sind lesbische Vorbilder von enormer Bedeutung in der Selbstakzeptanz.“ Wieder wünscht sie sich ein breiteres Spektrum der Lebensmodelle: „Nicht jede will so sein wie Hella von Sinnen.“

Immer dieses Wort!

In der Berichterstattung über „Bauer sucht Frau“ wird die sexuelle Orientierung nur bei Lena und dem schwulen Michael thematisiert. Bei den übrigen Bauern wird vorausgesetzt, dass sie hetero sind. Machen Medien Lesben unfreiwillig zu Exoten, wenn sie sie als Sonderfall herausstellen? Elke Amberg findet das nicht: „Die Heterosexualität wird ja auch vielfach dargestellt, indem zum Beispiel erwähnt wird, dass jemand verheiratet ist“, sagt sie: „Das Erwähnen der sexuellen Identität ist wichtig, um eine Minderheit sichtbar zu machen – grundsätzlich. Das Problem ist ja, dass von Lesben und Schwulen angenommen wird, sie seien hetero. Insofern muss es gesagt werden, damit es sozusagen in der Welt ist.“

Karnevalisierung von schwuler Lebensart

Schwule im Trash-TV kann man allerdings kaum für hetero halten. Michael und seine Liebesbewerber präsentiert RTL als quiekendes Kaffeekränzchen. Model- und Castingshows haben längst Planstellen für Juroren, die Schwul-Sein als schrille Exzentrik oder Dünkel definieren. Auch dabei, sagt Amberg, wird nur ein Ausschnitt gezeigt – wenngleich schwule Stereotype viel ausdifferenzierter seien als lesbische. „Die Kommunikationswissenschaft spricht von Karnevalisierung“, sagt Amberg und verweist auf die Berichte zum Christopher-Street-Day (CSD). Der Aktionstag gegen Ausgrenzung wird meist auf den Umzug der Drag-Queens reduziert. Amberg: „Manchmal frage ich mich, ob damit vor allem Heteromänner, die gerne mal einen Ausflug ins schwule Nachtleben machen wollen, angesprochen werden sollen.“

Anne Will reicht nicht

Anhand von Berichten über den CSD und Gleichstellung hat Amberg nachgewiesen: Gleichgeschlechtliche Paare werden fast immer schwul begriffen. Lesben tauchen nicht auf. Die Publizistin nennt viele Gründe für die Präsenz von Schwulen: Aids und die Verbotsgeschichte von schwulem Sex haben männliche Homosexualität zum Thema gemacht. Weibliches Begehren wurde über Jahrzehnte kleingeredet. Darüber hinaus, so Amberg , bestimmen Männer ohnehin die Wahrnehmung. All das wirkt nach: „Unter der Oberfläche gibt es unglaublich viele Ängste und Unsicherheiten, bei den lesbischen Frauen, aber auch bei den Journalistinnen und Journalisten.“ Deshalb begrüßt sie jede Lesbe im TV. Nur Anne Will, sagt sie, reicht nicht.

Was passiert, wenn Homophobie und Frauenfeindlichkeit zusammenwirken: Elke Amberg erklärt die doppelte Wahrnehmungsfalle von Lesben.

Frauen- oder Männerfeindlich? Warum das Geschlechterbild von Inka Bauses „Bauer sucht Frau“ allen schadet, lesen Sie hier.


Homosexuell ist gleich schwul – das suggerieren die Medien. Elke Amberg hat untersucht, wie Zeitungen über Gleichstellungsfragen und den Christopher-Street-Day berichten. Nur sieben Prozent der Artikel erwähnen Lesben. Alle anderen definieren gleichgeschlechtliche Partnerschaft als Männersache. Wieso Lesben anders wahrgenommen werden, schildert ihr Buch „Schön! Stark! Frei!“ Elke Amberg: „Schön! Stark! Frei! – Wie Lesben in der Presse (nicht) dargestellt werden“. Ulrike Helmer Verlag. 240 Seiten,20 Euro.

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