Scheunenfest mit Inka Bause Bauer sucht Frau 2013: Lena beim queeren Scheunenfest

Die erste lesbische Kandidatin bei „Bauer sucht Frau“: Lena (24) aus Ostfriesland wird bei RTL zur „patenten Jungbäuerin“ und unter peinlicher Vermeidung aller Lesbenklischees als gute Partie gezeigt. Foto: RTL, Stefan GregorowiusDie erste lesbische Kandidatin bei „Bauer sucht Frau“: Lena (24) aus Ostfriesland wird bei RTL zur „patenten Jungbäuerin“ und unter peinlicher Vermeidung aller Lesbenklischees als gute Partie gezeigt. Foto: RTL, Stefan Gregorowius

Osnabrück. Mit dem Scheunenfest startet „Bauer sucht Frau“ in die neunte Staffel. Drei der zehn RTL-Singles kommen aus Niedersachsen: Lena ist lesbisch, Michael schwul, Christian straight und offenbar schon verliebt.

Große Wirkung mit kleinstem Einsatz: Fast sieben Millionen Zuschauer hatte die achte Staffel von „Bauer sucht Frau“ im vergangenen Herbst. Jeder fünfte Werberelevante schaltete ein. Ein grandioser Erfolg, für den Inka Bause nicht mehr benötigt als Bosheit und Stabreime: Hier zoomt die Kamera auf einen Pin-up-Kalender, dort erklärt RTL – Ihhh! – eine Beule in der Jogginghose als Leistenbruch. Offensichtliche Schwächen der Kandidaten werden in augenzwinkernde Alliterationen verpackt. „Zurückhaltender Ziegenwirt“ bedeutet dann „männliche Jungfrau“, „molliger Milchbauer“ heißt „Dickwanst“.

Mit einsamen, bildungsfernen, sozial benachteiligten oder einfach nur naiven Menschen darf man im Fernsehen machen, was man will . Aber selbst bei RTL weiß man: Sexuelle Diskriminierung verstößt gegen das Grundgesetz und inzwischen gottlob auch gegen den common sense. Deshalb werden Schwule im Trash-TV zwar gern überzeichnet inszeniert – aber nie herablassend. Bei „Bauer sucht Frau“ sahen sie in der Regel besser und im besten Sinne unauffälliger aus als das restliche Bewerberfeld.

Was sagt Facebook zum lesbischen Kuss?

Zum ersten Mal ist diesmal auch eine lesbische Bäuerin dabei: die Ostfriesin Lena, 24 Jahre alt, 135 Hektar Acker- und Grünland, 100 Kühe, 100 Kälber, ein Hund. Die junge Frau ist so attraktiv wie sonst kein RTL-Kuppel-Kandidat und eine so gute Partie, dass sie einen ganzen Korb voller Zuschriften bekommt. Den als hilfsbedürftig verhöhnten Hetero-Bauern bietet Inka Bause nicht selten nur eine einzige Interessentin an. Mit Häme hält die Show sich bei Lena zurück: Lesbenklischees werden selbstverständlich peinlich vermieden.

Tussi oder Pussy? RTL wird frivol!

Wenn es nach Facebook geht, kommt die lesbische Kandidatin gut an: Der erste Kuss von Lena und Janine hat auf der Seite von „Bauer sucht Frau“ schon während der Ausstrahlung über 1500 Likes. Unverbesserlich homophobe Stimmen in der Kommentarspalte werden mit Verve niederdiskutiert. Die Regie tut das Ihre dazu: In der Auftaktfolge wird Lena als ebenso flotte wie solide Frau geschildert; dem Chihuahua von Janine erteilt sie gleich zu Beginn Hofverbot. Einen „Tussi-Hund“ kann sie nicht brauchen. Die erschrockene Janine versteht übrigens „Pussy-Hund“, und RTL freut sich über die Prise Frivolität, die das Missverständnis ins Format bringt. Überhaupt fällt auf, dass die neunte Staffel ein bisschen anzüglicher werden soll. Einen Kandidaten sieht man sogar mit nackten Hintern in die Dusche steigen.

Schwuler Kaffeeklatsch mit Zoten

Beim schwulen Kennenlernen von Michael und seinen beiden Ehe-Anwärtern geht es dann regelrecht versaut zu: Der 31-Jährige, Landkreis Oldenburg, gestaltet das Erstgespräch als verkicherten Kaffeeklatsch. Wortspielerische Zoten machen die Runde: Statt von Standard-Tänzen spricht einer von Ständer-Tänzen. Tanzen kann er gar nicht, sagt der nächste‚ aber trotzdem hat er Rhythmus im Hintern. Oha! Und was sind Michaels landwirtschaftliche Qualitäten? 35 Hektar Ackerland, 500 Schweine. Ackerbaubetrieb im Nebenerwerb, hauptberuflich ist er gar kein Bauer, sondern Tischler.

Der dritte Niedersachse in „Bauer sucht Frau“ , Staffel 9, ist der Südoldenburger, Bauer und Lasterfahrer Christian. 40 Hektar Acker- und Grünland, 200 Schweine, 70 Rinder, 15 Pferde, eine Mutter, einen Bruder. Selbst diesen durch und durch bodenständigen Mann lässt der Schnitt ein bisschen verferkelt aussehen. Bei der Scheunenparty, dem Kennenlern-Ritual der Kuppelshow, lobt er einen „knackigen Arsch“ und nuschelt irgendwas, aus dem das Wort „Draufklatschen“ herauszuhören ist. Danach beschränkt er sich allerdings auf ein romantisches, erstes Küsschen. Auch die Altersvorstellung, die Christian laut Pressemappe für seine Partnerin hat, ist nur auf den ersten Blick gewagt: Sie darf ein Jahr älter sein als der 46-Jährige, aber gern auch 16 Jahre jünger, schreibt RTL. Es gibt allerdings einen sehr anständigen Grund dafür: Christian wünscht sich Kinder.

Wer wird das Opfer von Staffel 9?

Was haben wir von den Niedersachsen in den kommenden Wochen zu erwarten? Ein Tipp: Alles außer Skandale. Der Südoldenburger Christian und seine Partnerin wirken schon bei der Party-Sequenz auf die freundlichste Weise verliebt. Die beiden dürften als Sympathieträger aufgebaut werden. Die Ostfriesin Lena behandelt RTL ganz sicher ebenfalls gut. Und bei Michael aus dem Landkreis Oldenburg hat der Sender den Grundstein für schrillen Humor gelegt.

Für die Niedersachsen stehen die Chancen also gut, dem Schicksal des Reality-Opfers zu entgehen – zumal sich schon in der ersten Folge ein anderer Kandidat für die groben Späße der Regie abzeichnet: Steffen, „der tierliebe Thüringer“. Laut Presseheft ist der 32-jährige Lackierer in seiner Freizeit Modelleisenbahner; er lebt bei seinen Eltern und züchtet Enten. Lauter Eigenschaften, mit denen man im Kuppel-TV vorgeführt wird. Mit 1,65 Metern ist Steffen außerdem ziemlich klein. RTL hat ihm als Liebeskandidatin eine knallbunte Wuchtbrumme zugeführt, die vermutlich doppelt so viel wiegt wie er. Leichtes Spiel für Inka Bause.


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