Neuer Trend Liveblogging Ist Facebook uncool? Alternativen zum Netzwerk

Ist Facebook uncool? Immer mehr Jugendliche nutzen andere Dienste wie Instagram, Twitter oder Tumblr. Die Zukunft der sozialen Medien könnte allerdings im privaten Blog liegen. Das wäre zumindest eine Möglichkeit, weiter die Rechte an den eigenen Texten und Fotos zu behalten. Foto: dpaIst Facebook uncool? Immer mehr Jugendliche nutzen andere Dienste wie Instagram, Twitter oder Tumblr. Die Zukunft der sozialen Medien könnte allerdings im privaten Blog liegen. Das wäre zumindest eine Möglichkeit, weiter die Rechte an den eigenen Texten und Fotos zu behalten. Foto: dpa

Osnabrück. Fotos mit Effekt-Filtern auf Instagram hochladen, auf Tumblr lustige Blogs kreieren, auf Twitter kurz den Tatort vom Sonntag rezensieren und auf Foursquare einchecken: Die Welt der sozialen Netzwerke hat sich breit aufgestellt. Waren vor ein paar Jahren alle auf Facebook fixiert und luden dort fleißig Fotos hoch, scheint dem Branchenprimus die Coolness abhanden gekommen zu sein.

Vor einiger Zeit sorgte der Blogeintrag einer 13-Jährigen auf der Plattform mashable.com für Diskussionen. Die US-Amerikanerin schrieb, dass Facebook nun nicht mehr angesagt sei, weil es andere Netzwerke gebe und weil sich dort nun die Erwachsenen tummeln. Eltern, Lehrer, Großeltern: Die vermeintliche Privatsphäre, das Unter-sich-Sein, sei nun dahin. Schriftstellerin Amelie Fried beschreibt in ihrer Kolumne für cicero.de das Dilemma von der anderen Seite: Ihre Tochter habe sie „entfreundet“, weil es ihr peinlich sei, wie viel und was Fried poste.

In Zahlen lässt sich dieses Phänomen bislang nicht festhalten. Facebook-Mitgründer und Chef Mark Zuckerberg dementierte unlängst, dass die Jugendlichen sich aus seinem Netzwerk verabschieden würden. Laut aktueller Zahlen habe das Facebook 1,15 Milliarden aktive Nutzer weltweit. Das seien ein gutes Fünftel mehr als noch vor einem Jahr, schreibt Handelsblatt.de.

Das Problem liegt offenbar nicht daran, dass das börsennotierte Unternehmen generell Nutzer verliert, sondern, dass sie dort nicht mehr so aktiv sind wie früher. Häufig werde Facebook nur noch als Nachrichten-Aggregator genutzt. „Das habe ich bei Facebook gelesen“, sei eine weitverbreitete Phrase, sagt Journalist Martin Giesler. Er arbeitet als Redakteur für das ZDF und bloggt privat kritisch über die sozialen Medien auf 120sekunden.com . Die Medien, die Facebook als Multiplikator für ihre Nachrichten schon lange entdeckt haben, hoffen, über das soziale Netzwerk die junge Zielgruppe zu erreichen. Doch der Passus, „das habe ich bei Facebook gelesen“, beweise, dass das nicht funktioniere, so Giesler. Denn die Jugendlichen bringen die Nachricht nicht mit der Medienmarke in Verbindung, sondern mit dem sozialen Netzwerk. Facebook ermutige sie also nicht, auf die Webseite des Mediums zu gehen, sondern liefere ihnen nur eine spezielle Nachricht.

Auch der Kurznachrichtendienst Twitter, der weltweit wächst und im November an die Börse will, habe das Problem der reinen Konsumentenschaft. Laut Twitter stieg die Zahl der monatlich aktiven Nutzer im dritten Quartal von 218 auf 232 Millionen Nutzer weltweit. Wie Giesler einschätzt, nutzt allerdings nur ein Bruchteil der User in Deutschland die Plattform für Mitteilungen. Die meisten loggen sich dort ein, um Nachrichten zu verfolgen.

Neben Facebook und Twitter verbringen die Menschen viel Zeit auf Instagram. Laut eigenen Angaben nutzen 150 Millionen weltweit monatlich den Fotodienst. Dort laden User Schnappschüsse hoch, die sie vorher mit den Filtern der App bearbeitet haben. Im April dieses Jahres hat allerdings Facebook den Dienst für eine Milliarde Dollar gekauft . Wer eine Alternative zu Instagram sucht, weil er eben nicht bei Facebook sein möchte, wird bei der App Mobli fündig.

Grundsätzlich ist Mobli Instagram sehr ähnlich: Auch dort werden Schnappschüsse hochgeladen, können mit Filtern bearbeitet werden und mit Hashtags versehen, um sie Themen zuzuordnen. Doch die Entwickler werben damit, dass es mit Mobli möglich sei, ein Ereignis aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. So sollen zum Beispiel Konzertbesucher ein Foto von ihrem jeweiligen Platz aus vom Geschehen machen und unter einem bestimmten Hashtag hochladen. Damit, so die Idee, können die Nutzer das Geschehen aus jeder Perspektive verfolgen. Ein weiterer Unterschied ist, dass bei Mobli Videos hochgeladen werden können. Und zwar im Gegensatz zu Instagram, wo nur kurze Sekunden-Videos möglich sind, in jeder Länge und jedem Format.

Überhaupt bleiben Videos ein großes Thema. Youtube als Branchengröße verzeichnet wachsende Mitgliedszahlen: In diesem Jahr besuchten erstmals über eine Milliarde Menschen monatlich die Videoplattform, vermeldete das Google-Tochterunternehmen. Daneben erfährt der Bereich Kurzvideos einen Boom. Die App Vine, die im Oktober 2012 von Twitter übernommen wurde und mit der man Sechs-Sekunden-Videos veröffentlichen kann, nutzen laut Unternehmensangaben über 40 Millionen Menschen.

Eine andere Form, Informationen über sich preiszugeben, bieten standortbezogene Netzwerke wie Foursquare. Damit setzen Nutzer Nachrichten auf Facebook ab, die anderen mitteilen, wo man sich befindet. Darüber hinaus können mit dem Dienst auch Restaurants und andere Locations bewertet werden. Der digitale Daumenabdruck wird also immer deutlicher für andere.

Möglicherweise liegt die digitale Zukunft darin, diese verschiedenen Spuren von sich selbst auf einer Plattform zusammenzuführen. Während sich die Nutzer heute noch auf Microblogging-Plattformen wie Tumblr austoben und dort kreativ sind, könne das persönliche Blog eventuell wieder mehr in den Vordergrund geraten. „Die Leute wollen sich darstellen“, sagt Martin Giesler. In einem Liveblog könnte dieser Wunsch umfangreich erfüllt werden. Bislang vor allem von Nachrichtenseiten als Liveticker für Veranstaltungen genutzt, können Blogger mithilfe eines Minicomputers, der an einer Brille montiert ist wie bei Google Glass, den Konsumenten live an seinen Erlebnissen teilhaben lassen.

Wer das gruselig findet, sollte sich vor Augen halten, dass seine digitalen Spuren dank der Nutzung der sozialen Netzwerke und Google bereits im Internet leicht zu verfolgen sind. Der einzige Unterschied bislang: Der User verbreitet sie auf verschiedenen Plattformen. Das eigene Blog hingegen verschafft dem Nutzer wenigstens Hausrecht. Doch auch da, räumt Giesler ein, sei man mit Google natürlich vernetzt.

Hilft also nur eines: Weiterhin genau überlegen, was man wo veröffentlicht.


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