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Smarties und die Pille danach Shitstorm bricht über Bundestagsabgeordneten Jens Spahn herein



Osnabrück. Nachdem die Bundesregierung einer rezeptfreien „Pille danach“ in dieser Woche eine Absage erteilt hatte, richtet sich nun ein Shitstorm gegen den CDU-Bundestagsabgeordneten Jens Spahn. Grund dafür: eine vor Monaten getätigte Aussage.

Im digitalen Zeitalter kann eine kontroverse Aussage schnell zu einem Sturm der Entrüstung im Internet führen – einem sogenannten Shitstorm. Manchmal dauert es auch ein wenig länger, wie sich nun zeigte. Denn Jens Spahn – Mitglied des Bundestages und des Gesundheitsausschusses – tätigte bereits im Februar dieses Jahres die Aussage: „Solche Pillen (seien) nun mal keine Smarties.“ Gemeint war die „Pille danach“. Vom Shitstorm lässt sich Spahn nicht irritieren. Auf Anfrage von NOZ Digital bekräftigte er am Freitag: „Shitstorm hin oder her, ich bleibe dabei: Die Pille danach ist aus fachlich-medizinischen Gründen verschreibungspflichtig, das ist keine politische Entscheidung. Das ist ein Medikament mit Nebenwirkungen und keine Smarties.“

Auf Twitter schrieb Spahn: „Ärzte haben sich in Anhörung wg unterschätzter Risiken für Rezeptpflicht ausgesprochen. Die Pille davor gibt es übrigens auch nur MIT Rezept.“ Spahn zeigte sich ferner verwundert, „wie es ein monatealtes Zitat von mir zu ungeahnter Berühmtheit schafft“.

Warum der Shitstorm?

Hintergrund: Auf Twitter ist ein Shitstorm entstanden, der sich gegen Spahn richtet. Denn die schwarz-gelbe Regierung erteilte den Anträgen von SPD und Linke am Mittwoch dieser Woche eine Abfuhr, die Rezeptpflicht für die „Pille danach“ aufzuheben. Nun ist Jens Spahn ins Visier der Netzgemeinde geraten – er hatte bereits im Februar mit seiner Aussage für Aufsehen gesorgt, dass „solche Pillen nun mal keine Smarties“ seien.

Diese Aussage hat die Netzgemeinde nicht vergessen, wie sich nun nach der Abfuhr für die rezeptfreie „Pille danach“ durch die Koalition zeigt. Hunderte von Kurznachrichten (Tweets) respektive Meinungsäußerungen liefen bereits unter dem Hashtag #wiesmarties bei Twitter ein. Nahezu minütlich kommen neue hinzu.

Manche sind sarkastisch, manche drücken Wut aus, andere wiederum Unverständnis für Spahns Aussage und die weiterhin rezeptpflichtige „Pille danach“. „’Medikament mit Risiken‘? Eins der Risiken ist ja, dass man wegen Rezeptpflicht im Notfall evtl nicht schnell genug rankommt“, zwitscherte @GeekBluefox. Es gibt aber auch Nutzer, die für Spahn und die Rezeptpflicht sprechen: „Ich finde #wiesmarties wieder einfach völlig dahergeholt und geschickt in Szene gesetzt. Die #Pilledanach muss rezeptpflichtig bleiben“, schrieb @JulianBurcyk.

Bundesregierung bleibt bei Rezeptpflicht

Durch die Abfuhr der Bundesregierung bleibt die Rezeptpflicht für die „Pille danach“ bestehen – anders als in weltweit 78 Ländern. In Europa brauchen Frauen nur noch in Italien und Polen ein Rezept vom Arzt für dieses Medikament. Nach der Entscheidung der Bundesregierung bleibt das Thema weiterhin umstritten, wie sich nun zeigte.

Verfolgen Sie die Debatte mit dem Hashtag #wiesmarties auf Twitter. Derweil formiert sich weiterer Widerstand gegen die rezeptpflichtige „Pille danach“ im Internet, etwa unter dem Namen @pilledanach_ bei Twitter. Rund 120 Nutzer folgen diesem Zugang bereits.


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