Veröffentlichung der Kosten „Donna-Leon“-Krimis teurer als „Tatort“

<em>17500 Euro </em> kostet im Schnitt eine Minute eines „Donna Leon“-Krimis mit Uwe Kockisch (links) und ist damit teurer als ein „Tatort“. Kein Wunder – gedreht wird an Originalschauplätzen in Venedig. Foto: ARD17500 Euro kostet im Schnitt eine Minute eines „Donna Leon“-Krimis mit Uwe Kockisch (links) und ist damit teurer als ein „Tatort“. Kein Wunder – gedreht wird an Originalschauplätzen in Venedig. Foto: ARD

Osnabrück. Ein direkter Vergleich der Minutenpreise von ARD-Produktionen ist aufgrund zu unterschiedlicher Produktionsbedingungen nicht möglich – so sah man das bei der ARD noch 2010. Nun aber soll die Veröffentlichung der Minutenpreise mehr Transparenz bringen.

Auf Anregung der Produzentenallianz – dem wichtigsten Verband deutscher Film- und Fernsehproduzenten – veröffentlichte die ARD vor einer Woche die durchschnittlichen Kosten für fiktionale TV-Programme wie „Tatort“ (15500 Euro pro Minute), den „FilmMittwoch“ (ebenfalls 15500) oder die Krimis der „Donna Leon“-Reihe (17500). Man wolle dem „häufig formulierten Wunsch nach mehr Transparenz“ nachkommen, hieß es.

Kein Geheimnis

Tatsächlich waren die Kosten für Sendungen wie den „Tatort“ auch in der Vergangenheit kein Geheimnis. Immer wieder wurden Zahlen zu den Budgets des sonntäglichen Krimi-Flaggschiffs veröffentlicht. Nun aber wurde ein Verfahren erarbeitet, das die Vergleichbarkeit der Preise zwischen den einzelnen ARD-Anstalten erst möglich und die Zahlen damit aussagekräftig machen soll. Der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor betonte den erhöhten Verwaltungsaufwand dieser Anstrengungen. Bei der ARD dauere so etwas eben länger, so Marmor. Ein kleiner Seitenhieb aufs ZDF? Das reagierte zwar prompt mit der Ankündigung, man werde demnächst die „Kosten-Größenordnungen von ZDF-Sendungen“ verbreiten. Doch die ARD will noch mehr. Sie verständigte sich mit der Produzentenallianz auf gemeinsame Leitlinien zur vertieften Zusammenarbeit.

Dabei gehe es nicht nur um die Dokumentierung der Kosten von Auftrags-, Lizenz- und Koproduktionen in einem Jahresbericht, sondern auch um das Schaffen von Vertrauen, hob Volker Herres, Programmdirektor des Ersten, hervor. Es gehe neben der Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit um „wechselseitige Transparenz“, so Herres. Man wolle, dass das Geld auch bei denen ankommt, die die kreative Leistung erbringen.

Die Produzentenstudie aus dem Jahr 2012 zeigte, dass nur bei 80 Prozent der von öffentlich-rechtlichen Anstalten angeblich vollfinanzierten Auftragsproduktionen auch tatsächlich die Herstellungskosten voll getragen wurden. Im Klartext: Die Herstellung verteuerte sich, die Produzenten blieben auf einem Teil der Kosten sitzen. Die Öffentlich-Rechtlichen haben also gespart – trotz der Erhöhung des Rundfunkbeitrags 2009 um 95 Cent.

Der letzte Bericht der KEF – der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten – stammt aus dem Jahr 2012. Die ARD meldete für den Zeitraum 2013 bis 2016 einen ungedeckten Finanzbedarf von 898,3, das ZDF von 434,5 Millionen an. Dennoch sprach sich die KEF gegen eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags aus, „da wegen der Unsicherheiten infolge der Umstellung des Finanzierungssystems eine verlässliche Ertragsplanung nicht möglich ist“. Ein restriktiver Sparkurs war die Folge. Der nächste KEF-Bericht dürfte, so die ARD, ein „beitragsrelevanter“ werden, sprich: Man hofft auf höhere Beiträge.

Gagen unangetastet

Für Mitte Oktober kündigte Lutz Marmor nun eine Aufschlüsselung des Rundfunkbeitrags von derzeit 17,98 Euro pro Monat an. Über 60 Jahre nach der Gründung der ARD wird der Gebührenzahler also endlich nachvollziehen können, was alles mit seinem Beitrag finanziert wird. Alles? Nicht ganz. Unangetastet bleiben Schauspielergagen und Kosten für Sportrechte. Die Veröffentlichung ersterer verderbe die Preise, die Nennung letzterer schwäche die Verhandlungsposition der ARD bei der Rechtevergabe, erklärte Volker Herres. Erst 2011 wurde ein Verfahren zur verbesserten Information der Gremien zum Sportrechteerwerb beschlossen. Wenigstens die eigene Kontrollinstanz erfährt nach den Verhandlungen die Zahlen. Alles andere dauert bei der ARD eben etwas länger.


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