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Widerstand gegen die Illusionsmaschine

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Wenn das Kino eine große Illusionsmaschine ist, dann ist Harun Farocki der Sand im Getriebe. Der 65-jährige Essayfilmer widmet sein Schaffen der großen Frage: Was ist die Geschichte hinter dem schönen Schein, wie entstehen Bilder, und was richten sie im Be trach ter aus?

Exemplarisch machte er das etwa 1983 in seinem 25-Minüter „Ein Bild“. Unkommentiert führt er das dreitägige Shooting eines „Playboy“-Fotos vor – und macht dabei deutlich, wie sehr die erotische Illusion sprichwörtlich zusammengebastelt ist: Da zimmern und leimen Bühnenbildner erst ein Interieur, das aufwendig ausgeleuchtet wird, bis endlich eine arme Nackte darin hin- und herarrangiert wird. Eine wortlose Entzauberung.

Andere Arbeiten des Aufklärers fragen nach dem Bild, das die Gesellschaft sich von Gefängnis macht, oder nach der berechneten Kulissenhaftigkeit von Einkaufszentren. Absolut Medien vereint 20 der über 100 Arbeiten des Filmemachers in einer Box, mit der die Reihe „Die großen Dokumentaristen“ eröffnet ist. Eine Schule des Sehens.

„Harun Farocki. Filme 1967–2005“. Absolut Medien. 20 Filme. 5 DVDs. 924 Minuten.


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