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Nach vierzehn Kindern: Zwillinge

Menschen hautnah: Vorwurf Kindesverwahrlosung - WDR, 22.30 Uhr

Gertrud Schmitz nimmt Hormone. Die Mutter von 14 Kindern möchte wieder schwanger werden, obwohl ihre Familie die aktuellen Probleme kaum bewältigt. Nach Beschwerden aus der Nachbarschaft, von Kindergärten und Schulen, ihre Kinder seien ungepflegt und hungrig, bekommen die Schmitz' massiven Druck von den Behörden. Das Gericht will den Eltern das Sorgerecht nehmen, sieht Werner und Gertrud Schmitz als nicht erziehungsfähig an.

Im letzten September war der erste Teil von Sibylle Plogstedts Doku über den Kampf einer Bonner Familie mit den Ämtern und den eigenen Problemen zu sehen. Heute setzt die Filmemacherin ihre Beobachtungen fort: Eine Entscheidung des Gerichts steht an. Plogstedts Kamera ist dabei immer nah am Menschen, ohne die Protagonisten bloßzustellen. Zwar haben sich die Verhältnisse in der Großfamilie dank Familienhilfe, Sprachförderung und anderer pädagogischer Maßnahmen gebessert, doch mit nachlassendem Druck der Behörden nimmt auch die Pflegebereitschaft der Eltern ab. Alle Sprösslinge haben Entwicklungsdefizite und besuchen eine Sonderschule.

Werner und Gertrud bleiben uneinsichtig. Die alte Weisheit, aus Erfahrung klug zu werden, scheint hier nicht zu gelten: Auch die Kindheit der Eltern war von familiären Problemen und Heimaufenthalten geprägt. Doch eine Reflexion der Situation findet nicht statt. Die Schmitz' wollen scheinbar ihren Kindern nicht ersparen, was ihnen selbst widerfahren ist, verstecken sie vor Zugriffen durch das Jugendamt.

Die Doku zeigt eine erschreckende Realität, aber auch die Hilflosigkeit derer, die helfen wollen. Das Gericht entzieht den Schmitz' das Sorgerecht für alle Kinder. "Der ist doof. Der hat doch gesoffen!", beschimpft Gertrud den Richter. Einen Monat nach dem Urteil ist Frau Schmitz wieder schwanger. Sie erwartet Zwillinge...


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