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Legendäre Fernsehserie „Schwarzwaldklinik“ holte die höchsten Einschaltquoten aller Zeiten

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Traumpaar aller Weißkittel-Fans: Klausjürgen Wussow als Professor Brinkmann mit Gaby Dohm als Schwester Christa in der „ Schwarzwaldklinik“, aufgenommen 1985. Foto: dpaTraumpaar aller Weißkittel-Fans: Klausjürgen Wussow als Professor Brinkmann mit Gaby Dohm als Schwester Christa in der „ Schwarzwaldklinik“, aufgenommen 1985. Foto: dpa

Osnabrück. Zu behaupten, dass jeder Deutsche über 30 die „Schwarzwaldklinik“ kennt, ist vielleicht übertrieben. Aber eben nur vielleicht, denn obwohl die ZDF-Serie schon im Jahr 1989 endete, ist sie – wie auch ihre Charaktere und ihre Kulissen – im Kollektivgedächtnis der Deutschen fest verankert.

Als im Oktober 1985 die erste Folge der Serie ausgestrahlt wurde, begann der Hype, der nun mit der 11. Wiederholung der Serie am Sonntagvormittag auf ZDF fortgeführt wird. Und egal, dass viele der Schauspieler heute tot sind oder längst mit anderen Rollen ihr Brot verdienen: Professor Brinkmann, Oberschwester Hildegard, Pfleger Mischa oder Schwester Christa – all die Namen wecken sofort die Erinnerungen an die alte Bundesrepublik.

In der gab es damals nur die öffentlich-rechtlichen Sender und keine Konkurrenz durch private Kanäle, sodass für eine gute Quote schnell gesorgt war. Dass die Serie aber so einschlagen, ihren Drehorten im Schwarzwald ganze Busladungen von Touristen bescheren und das Privatleben der Schauspieler über Jahre hinweg in den Fokus der Klatschpresse rücken würde, hätte wohl niemand gedacht. Auch Erfinder Wolfgang Rademann nicht, der, wie er einmal verriet, „baff“ war ob des Erfolges.

Die Idee zur Serie kam dem Produzenten, der auch für den Dauerbrenner „Traumschiff“ verantwortlich ist, nachdem die tschechische Serie „Das Krankenhaus am Rande der Stadt“ Ende der 70er-Jahre der ARD sehr gute Quoten eingebracht hatte. Also reiste Rademann auf der Suche nach dem richtigen Drehort durch ganz Deutschland und wurde im verschlafenen Schwarzwald fündig, genauer gesagt in der Gemeinde Glottertal. Hier steht das imposante ehemalige Sanatorium Carlsbau. Im etwa 50 Kilometer entfernten Grafenhausen befindet sich hingegen das Heimatmuseum „Hüsli“, das als Domizil des allwissenden Chefarztes genutzt wurde. Alle Innenaufnahmen wurden jedoch in Hamburg gedreht.

Geplant war, dass Armin Müller-Stahl die Rolle des Prof. Brinkmann übernehmen sollte. Aber Müller-Stahl wollte sich auf keinen langen Einsatz bei einer Serie einlassen, und stattdessen wurde Klausjürgen Wussow zum bekanntesten Halbgott in Weiß, den die Republik bis heute hervorgebracht hat. Genau wie seinen Seriensohn Udo, den Sascha Hehn darstellte, und seine Gattin Christa prägte er eine ganze Generation von Fernsehzuschauern.

Was das Erfolgsgeheimnis der Serie war, kann natürlich niemand genau sagen. Die Drehbücher von Autor Herbert Lichtenfeld, der später passenderweise den „Landarzt“ erfand, entwarfen eine heile Welt, in der zwar schlimme Dinge passieren, die aber dank ärztlicher Kunst und menschelndem Chefarzt entschärft werden. Heutzutage wäre ein patriarchaler Tonfall, wie ihn Brinkmann seiner Umwelt und besonders seiner „Meislein“ genannten Sekretärin gegenüber pflegte, nicht mehr zu ertragen. Damals aber war der Charakter geradezu modern in seinen Ansichten, beispielsweise gegenüber dem Kriegsdienstverweigerer Mischa, der unter des Professors Obhut als Pfleger Karriere machen konnte.

Auch die gute Besetzung der Serie war ein Erfolgsfaktor: Alles, was damals Rang und Namen hatte, spielte in den 70 Folgen mit, sogar ein Kinostar wie Gert Fröbe, der nach seinem Auftritt in der letzten Folge der Serie 1989 auch seine Leinwandkarriere beendete.

Die Serie traf also genau den Ton der Zeit und schaffte es wöchentlich, die Zuschauer in Scharen vor den Bildschirm zu locken. Die Episode „Die Schuldfrage“ sorgte am 17. November 1985 für die Rekordquote von 27,97 Millionen Zuschauern. Bis heute hat sie damit die höchste Einschaltquote, die in Deutschland jemals erzielt wurde – abgesehen von einigen wenigen Fußballübertragungen. Zudem prägte sie das Deutschlandbild in den 38 Ländern, in die sie verkauft werden konnte.

Und es gab Skandale: Die Folge „Gewalt im Spiel“ zeigte 1986 erst explizit eine Vergewaltigung, dann die Rache der Frau an ihren Peinigern. Bis heute wurde sie nicht wieder in ihrer ursprünglichen Fassung gesendet.

Hinter den Kameras drehte sich derweil das Liebeskarussell: Wussow hatte eine Affäre mit Dohm, und den anderen Darstellern wurden im Wochenrhythmus heimliche Küsse unter Kollegen angedichtet. Kein Wunder also, dass der „Playboy“ 1986 einen „Report – Schwarzwaldklinik ganz intim“ veröffentlichte.

Mitte der 2000er-Jahre gab es noch zwei neue Episoden; merkwürdigerweise wurde in ihnen der in der Originalserie erst 1986 geborene Benjamin Brinkmann von Wussows damals 41-jährigem Sohn Sascha dargestellt. Die Folgen hatten gute Quoten, aber es fehlte ihnen an den teils schon verstorbenen Darstellern der Originalbesetzung – und auch an einem guten Drehbuch. Wie der Carlsbau, der seit Jahren leer steht, wird auch die Klinik ihre Pforten nicht mehr öffnen.

Trotzdem zieht die Serie auch heute noch Besucher in den Schwarzwald. Sogar genug, um die echten Bewohner des „Hüsli“ jetzt zum Umzug in ein anderes Domizil zu bewegen. Dort will das Ehepaar, wie es der Presse verriet, endlich seine Ruhe finden – ohne Besucher und Filmteams in ihrem Wohnzimmer.

Die Schwarzwaldklinik, sonntags, 10.15 Uhr im ZDF


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