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Wieso, weshalb, warum? Seit 40 Jahren im deutschen TV: Die Sesamstraße

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Osnabrück. Am 8. Januar feiert eine der beliebtesten Kindersendungen ihren 40. Geburtstag – die Sesamstraße. Alles Wissenswerte rund um die bunteste Straße der Fernsehwelt lesen Sie in unserem Sesamstraßen-Alphabet.

A wie Anfang: In Deutschland startete die „Sesamstraße“ am 8. Januar 1973; in den USA hatte das Programm bereits seit 1969 TV-Preise eingesammelt. Testhalber waren erste Folgen schon im Frühjahr 1971 im NDR zu sehen.

B wie Bayrischer Rundfunk. Ab dem 8. Januar 1973 lief die „Sesamstraße“ überall in Deutschland. Überall? Nein! Der Bayrische Rundfunk war der Meinung, dass die Sendung zwar für Kinder der amerikanischen Unterschicht, aber nicht für den schlauen Nachwuchs im eigenen Sendegebiet geeignet war. Stattdessen produzierte der BR „Das feuerrote Spielmobil“.

C wie Captain Vegetable: Schon bevor das Krümelmonster zum Gemüse bekehrt wurde, gab es einen Vitamin-Star in der Sesamstraße – das Superhelden-Kaninchen Captain Vegetable .

D wie Debatte: Ob ein Schand-Medium wie das Fernsehen überhaupt pädagogisch nutzbar ist, war in der Anfangszeit heiß umstritten. Die Reaktion war verschärfte Vorsicht. Sesam-Darsteller erinnern sich, das die Regie ständig nachdrehen ließ – zum Beispiel, wenn Samson statt ordentlich „dort“ ein widerlich umgangssprachliches Wort wie „da“ gebraucht hatte.

E wie Ernestine: Ernie hat eine Cousine im Säuglingsalter – Ernestine . Bert hat einen Zwillingsbruder: Bart, zu Deutsch: Bernd.

F wie Fleischsalat: Leibspeise von Sherlock Humbug; in einerFolge überführt dieSesam-Spürnase sich selbst als Dieb von Ernies Fleischsalat-Brotzeit.

G wie Großbrand: 1988 brannten die Studios ab, in denen die deutsche Rahmenhandlung gedreht wurde. Die Zerstörung der Kulissen führte zur ersten einschneidenden Änderung des Settings. Ab nun waren die Figuren auch im Vorgarten und einer Höhle zu sehen. Der Mülltonnen-Bewohner Oscar (keine Nase) wurde durch Rumpel (mit Nase) ersetzt.

H wie HIV: In Südafrika und Nigeria wohnt eine Puppe mit Aids in der Sesamstraße – Kami. In einer Folge haben sich Kami und Bill Clinton umarmt. Was beweist: Keine Ansteckungsgefahr durch Schmusen!

I wie immer wieder neu: Die Magazin-Struktur der Kindersendung erlaubt es, die einzelnen Clips ständig neu zusammenzustellen.

J wie Jim Henson. Alle Puppen der „Sesamstraße“ werden von der Jim Henson Company gestaltet. Selbst zu Reparatur und Reinigung müssen Ernie und seine Kollegen nach Amerika verschickt werden. Einzige Ausnahme: Siehe U wie Uli.

K wie Keeekseee! Als Cookie Monster trägt das Krümelmonster den Keks im Original sogar im Namen. Trotzdem wurde sein Speiseplan im Zuge der Ernährungspädagogik erweitert. Neuerdings mag Krümel auch Gemüse und glaubt: Kekse isst man nur ab und zu – und selbst dann nur die Vollkorn-Variante.

L wie gleichgeschlechtliche Liebe: Ernie und Bert sind kein Paar; Sesam-Macher verweisen in der viel diskutierten Frage gern auf den Umstand, dass die beiden als Handpuppen keinen Unterleib haben, womit sich alle weiteren Fragen verböten. Eine Online-Petition , die die Ehe der beiden fordert, hat trotzdem über 10000 Unterstützer.

M wie Monsterpiece- Theater: In dieser Reihe stellt das Krümelmonster als Erzähler Klassiker der Film- und Literaturgeschichte vor – in leicht abgewandelter Form. Bei YouTube finden sich wunderbare Parodien von „Einer flog übers Kuckucksnest“ , „Twin Peaks“ , „Vom Winde verweht“ und „39 Steps“ .

N wie Neuzugänge: In der Sesamstraße herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Pferd und Wolle , über die Mittdreißiger sich immer noch wundern, haben mittlerweile eine eigene Serie. Alt-Star Tiffy ist schon seit 2005 nicht mehr dabei.

O wie „Bert, oh Bert“: Sesam-Version von Lena Meyer-Landruts Hit „Satellite“.

P wie Katy Perry: Lustige Sängerin, deren Duett mit Elmo amerikanische Sittenwächter auf den Plan rief. Ihr Kleid war zu sexy.

Q wie Quietscheentchen. Beliebtes Rhythmus-Instrument aus Ernies Quietscheentchen-Song . 1992 kam es zu einer gigantischen Aussetzung von rund 29000 Artgenossen, als ein Sturm drei Container voller Quietsch-Tiere vom Schiff blies, woraufhin Tausende Enten an den Küsten Indonesiens, Australiens und Südamerika anlandeten.

R wie Rahmenhandlung: Die deutschen Spielszenen mit Lilo Pulver, Henning Venske oder Horst Janson wurden 1978 eingeführt. Die amerikanische Rahmenhandlung war schon ab 1976 nicht mehr zu sehen. Besorgte Eltern hatten sich unter anderem am schädlichen Einfluss von Oscar aus der Mülltonne gestört. In der Zwischenzeit überbrückte der NDR mit Realfilmen des kleinen Jungen Bumfidel .

S wie Sündenfall: 2003 wurde die „Sesamstraße“ vom 18-Uhr-Platz im NDR-Fernsehen verbannt und in den Kinderkanal abgeschoben. Eltern, Kinder und die „Bild“-Zeitung protestierten. Im „KiKa“ läuft die Sendung jetzt täglich um acht Uhr.

T wie Twiddlebugs, zu Deutsch: Krabbelkäfer. Kleine Muppet-Monster, anarchisches Party-Verhalten.

U wie Uli von Bödefeld: Einziger Sesam-Star, der nicht in Jim Hensons Werkstatt, sondern vom Puppenbauer Peter Röders gebaut wurde. Blasiert, wehleidig und wunderbar egozentrisch, zählte er von 1983 bis 1988 zu den besten Störenfrieden im deutschen Fernsehen.

V wie Volker Ludwig: Vom Grips-Theatermacher stammt das Titelgedicht „Der, die, das“. In der ersten Version wurde Ingfried Hoffmanns Melodie vom Hamburger Kinderchor Vineta gesungen; seit Oktober 2012 singt Lena Meyer-Landrut den Titel.

W wie Werbefernsehen war Vorbild für das Magazin-Format der „Sesamstraße“. Auf Effekt inszeniert und schön kurz, sind kurze Spots ideal für die geringe Aufmerksamkeitsspanne kleiner Zuschauer.

X wie ein X für ein U vormachen: Hauptbeschäftigung des Schwarzmarkt-Dealers Schlemihl. Wer sieht, wie er Ernie ein unsichtbares Eis verkauft , ist für die Lügen der Werbeindustrie gewappnet.

Y wie Yip Yips: Quallenartige Marsianer, die sich Phänomene der Erde mithilfe eines Sachbuchs im Trial-and-error-Verfahren erklären, bis sie begreifen, dass ein Telefon weder eine Kuh noch ein Huhn ist – sondern eben ein Telefon. Starker Überbiss, undeutliche Aussprache.

Z wie Graf Zahl: Dass der Zahlenfetischist der Sendung ein Vampir von Adel ist, verdankt sich einem Wortspiel, das im Deutschen nicht funktioniert. Auf Englisch heißt er Count von Count – das Wort heißt gleichermaßen Graf und zählen. Das gleich gilt für Le Compte, seinen französischen Namen.

Jubiläumsprogramm: Das NDR-Fernsehen veranstaltet am Samstag, 12. Januar, von 23.40 Uhr bis 3.45 Uhr eine lange Sesamstraßen-Nacht. In der Berliner Kinemathek ist noch bis zum 7. April die Geburtstagsausstellung zu sehen, deren Stärke: eine Programmvideothek mit Sendungen aus der ganzen Sesam-Geschichte.


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