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Neurotisch und perfekt Heino Ferch über seine Paraderolle als Kriminalpsychologe Richard Brock

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Ein sonderbarer Ermittler: Heino Ferch kommt in der Rolle des Kriminalpsychologen Richard Brock nicht gerade sympathisch rüber – und fasziniert gerade deshalb. Foto: ZDFEin sonderbarer Ermittler: Heino Ferch kommt in der Rolle des Kriminalpsychologen Richard Brock nicht gerade sympathisch rüber – und fasziniert gerade deshalb. Foto: ZDF

Osnabrück. Der erste Film von „Spuren des Bösen“ ist in Deutschland noch nicht gelaufen, da hat Heino Ferch den zweiten bereits in Wien abgedreht. Denn in Österreich war die Koproduktion von ZDF und ORF ein großer Erfolg. Sie dreht sich um den Verhörspezialisten Richard Brock, der eine bedrückende Vergangenheit hat.

„Ich hatte mal fallen lassen, dass mich diese Profiler interessieren, die über Puzzleteile Rückschlüsse auf einen Täter ziehen können“, sagt Heino Ferch im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Rolle des Richard Brock habe Martin Ambrosch deshalb für ihn geschrieben.

Der Drehbuchautor habe sich intensiv mit Psychologie befasst und die Figur des Richard Brock einem Menschen nachempfunden, dem er dabei begegnet ist. „Es ist eine sehr ruppige Figur geworden, die als einsamer Mensch in einer fremden Stadt lebt. Durch seine Unnahbarkeit lässt Brock Wien nie an sich heran“, erläutert Heino Ferch seine Rolle.

Richard Brock ist Deutscher, der seine Kindheit in einem österreichischen Internat verbracht hat. Zehn Jahre ist es her, dass seine Frau sich selbst getötet hat. Er fühlt sich schuldig, da sie damals eine Therapie machte, an der er als Psychologe beteiligt war.

Inzwischen unterrichtet er als Kriminalpsychologe an der Universität Wien und wird von der Kriminalpolizei in einem Mordfall um Hilfe gebeten.

Karin Kemminger, eine Mitarbeiterin des internationalen Baukonzerns „SandAG“, wurde ermordet. Ihre Schwester Maria (Gerti Drassel) findet die Tote und sieht dabei den Täter. Doch durch den Schock kann sie sich kurz darauf an nichts mehr erinnern, bis auf eine Narbe am Bauch des Mörders, denn er war nackt.

Der Fall führt bis hinauf in die Führungsetage der SandAG. Brock lässt sich nur darauf ein, weil seine Tochter Petra (Sabrina Reiter) als junge Polizistin an den Ermittlungen beteiligt ist. Sie ist die Einzige, die Zugang zu ihm hat - doch ruppig weisen sie sich stets gegenseitig in die Schranken. Für Richard Brock wird der Fall überdies zu einer Reise in die Vergangenheit, weil der Geschäftsführer der SandAG, Michael Sand (Stefan Kurt), ein ehemaliger Mitschüler ist, mit dem ihn ein langer Streit verbindet.

Der Film nimmt sich Zeit, die Geschichte zu erzählen – gerade das trägt zu seiner Spannung bei, die bis in die letzten Minuten anhält. Auf dem Weg dorthin gibt es fünf Tote, darunter auch Maria Kemminger. Trotz Personenschutzes gelingt es den Tätern, in einer Kleingartenkolonie an die Zeugin heranzukommen. Hier wurde sie auch von Petra Brock bewacht.

Brocks Tochter wird bei dem Attentat schwer verletzt. Welchen Schmerz der Vater im Krankenhaus durchlebt, zeigt Ferch überzeugend mit versteinerter Miene und wenigen Worten. Es ist eine Szene, die ihn auch näher an die Polizistin Verena Angerer (Nina Proll) heranführt, mit der er sich zuvor ausgiebig gestritten hat.

Ein extrem verschlossener, neurotischer Mensch, der andere perfekt analysieren kann – Heino Ferch hält diesen Kontrast für eine Stütze seiner Rolle. „Er leidet darunter, dass er sich der Welt nicht öffnet, doch er kommt aus seiner Verstörung nicht heraus.“ Durch Zynismus und Kompromisslosigkeit verletze Brock seine Mitmenschen.

Vor allem mithilfe des Drehbuchautors Martin Ambrosch hat sich Heino Ferch der Rolle des Psychologen genähert, der besonderen Sprache, dem Verhalten. In einer Szene versetzt Richard Brock Maria Kemminger in Hypnose – es ist eine Sequenz, die nach Ferchs Gespräch mit einer Psychologie-Professorin komplett überarbeitet wurde.

Wie sich Hypnose anfühlt, weiß der Schauspieler nun auch. Ist es tatsächlich so, wie es in Filmen oft dargestellt wird? Ein Mensch konzentriert sich auf einen Gegenstand und ein paar Wörter und – schwups – ist er hypnotisiert? „Das ,Schwups‘ merkt man gar nicht. Man hat das Gefühl für Zeit verloren“, erinnert sich Ferch an die Sitzung, die auf Tonband aufgezeichnet wurde. Er hatte das Gefühl, sie habe nur fünf Minuten gedauert, doch es waren 20. Und auch an das, was er gesagt hat, konnte er sich nur zum Teil erinnern. „Aber es ist insgesamt nicht so wild, wie es sich anhört“, meint Ferch, der zusammen mit seinen österreichischen Kollegen eine packende Geschichte erzählt.

Spuren des Bösen, ZDF, Dienstag, 10. Januar 2011, 20.15 Uhr


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