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Von der MTV-Diva zur Öko-Muslima Kristiane Backer konvertierte zum Islam und ist heute mit Teppich und Kompass auf Reisen



Düsseldorf. Sie war von 1989 bis 1996 das deutsche Aushängeschild des Musiksenders MTV, später das Gesicht von Bravo TV: Kristiane Backer erlangte eine Popularität wie die Musikstars, deren Videoclips sie anmoderierte. Heute hört die 44-Jährige, die 1995 zum Islam konvertierte, lieber Sufi- als Popmusik, und trägt keinen Minirock mehr. Wie sich ihr Leben veränderte, schildert die Londonerin im Interview mit unserer Zeitung:

Frau Backer, wann sind Sie mal wieder im deutschen Fernsehen zu sehen?

Ich moderiere seit anderthalb Jahren einmal im Monat auf Travel Channel eine Reisesendung, die mich quer durch Deutschland führt. So lerne ich die schönsten Regionen unseres Landes kennen. Obwohl es bei den Aufnahmen in Neuburg neulich leider durchgehend geregnet hat. Aktuell kommt jetzt eine Aufgabe hinzu: Seit November stelle ich auf dem Shopping-Sender QVC zweimal im Monat eine Stunde lang die Gesundheits- und Nahrungsergänzungsprodukte von Abtei vor. Das nächste Mal am 13. Dezember.

 

Wie kommen Sie dazu?

Nach meiner Karriere bei MTV und Bravo TV habe ich mich Ende der 90er-Jahre zurückgezogen und vier Jahre lang Homöopathie und Naturheilkunde studiert.

 

Wollen Sie nicht lieber zurück ins öffentlich-rechtliche Fernsehen?

Natürlich. Wenn es eine vernünftige Sendung oder ein Format gäbe, wäre ich sofort dabei. Referenzen habe ich schließlich: Goldene Kamera, langjährige Erfahrung als Moderatorin, mein Name.

 

Woran hakt es?

Das würde ich auch gern wissen. An meinem Wohnort London kann es nicht liegen. Das ist nur eine Stunde entfernt von Deutschland. Was ich mitbringe, ist internationales Flair, mehrere Sprachen, Persönlichkeit, Bekanntheit, jahrelange Erfahrung mit Promi-Interviews, aber auch fundiertes Wissen über Kultur, Religion, Philosophie, ganzheitliches Heilen, Sensibilität für aktuelle Service-Themen Gesundheit, Ethik und Ökologie.

 

Sie bezeichnen sich selbst als Öko-Muslima: Was bedeutet das?

Ich war das Gesicht der Londoner Werbekampagne „Inspired by Muhammad“. Mein Slogan hieß: Ich glaube an Umweltschutz, das tat Mohammed auch. Und tatsächlich fördert der Islam den Umweltschutz. Der Koran und der Prophet rufen immer wieder zum respektvollen Umgang mit der Natur und den Tieren auf, die Ressourcen nicht zu verschwenden, die Straßen sauber zu halten, und Bäume zu pflanzen, anstatt sie abzuholzen. Nicht einmal im Krieg dürfen Pflanzen, Tiere oder Zivilisten beschädigt werden. Ich halte inzwischen einige Reden zum Thema Umweltschutz im Islam.

 

Und wie lässt sich der Islam mit Homöopathie verbinden?

Sehr gut. Denn die Religion ist absolut ganzheitlich ausgerichtet, es geht um das Wohl von Körper, Geist und Seele. Die Homöopathie heilt den Menschen und bringt ihn zurück zu sich selbst. Man pellt die Lagen, die man sich im Laufe des Lebens an Traumata, psychischen Wunden, Schicksalsschlägen und ungesundem Leben angeschafft hat, wie bei einer Zwiebel ab, und findet zum ursprünglichen Gesundheitszustand zurück. In der Religion und damit auf einem spirituellen Weg findet das Gleiche statt. Durch Gebete, Fasten, religiöse Praxis und ein tugendhaftes Leben kommt der Mensch zu seinem ursprünglichen, reinen Zustand zurück, in dem er geboren wurde. Das nennt man die Fitra. Auch in der Religion kommt es auf den inneren Einklang mit sich selbst, seinen Mitmenschen, der Umwelt und mit Gott an.

 



Diesen Zustand haben viele Stars in ihrer Sinnkrise bei einem Guru gesucht.

Diese Sinnkrise kenne ich nur zu gut. Aber hätten Sie mir 1991 prophezeit, dass ich einmal praktizierende Muslimin sein würde, hätte ich Ihnen den Vogel gezeigt. Das war so weit von meinem damaligen Umfeld entfernt. Das Leben schreibt allerdings unglaubliche Geschichten.

 

Warum steckten Sie in der Sinnkrise?

Einerseits hatte ich natürlich einen Traumjob bei MTV. Ich habe mit interessanten Menschen zu tun gehabt, das TV-Geschäft gelernt, Live-Events vor Tausenden von Leuten moderiert und unter Höchstdruck erfolgreich gearbeitet. Das war total spannend, aber auch unheimlich anstrengend. Und es ging zudem immer nur um Musik, tagein tagaus musste ich dieselben Videos ansagen und von morgens bis abends dieselbe Musik in Endlosschleife hören. Die erste Krise hatte ich deswegen schon nach drei Wochen, weil außer Musik bei MTV nichts zählte. Da konnte die Mauer fallen oder der Irakkrieg stattfinden, das war egal, denn bei MTV ging es in erster Linie um Entertainment.

 

Aber Sie haben als erste deutsche MTV-Moderatorin Geschichte geschrieben.

Das stimmt, ich fühle mich als Pionierin und schaue mit Freude und Dankbarkeit auf diese Zeit zurück. Es war die Blütezeit von MTV Europe und ein riesiges Geschenk Gottes. Ich habe so viele Stars kennengelernt, zu denen ich teilweise heute noch Kontakt habe. Siebeneinhalb Jahre hatte ich sie hautnah erlebt und begleitet. Das war auch für die Musiker prägend.

 

Für wen zum Beispiel?

Einmal kam David Gilmour auf einer Party zu mir und meinte: „Du bist Stammgast in meinem Wohnzimmer. Ich habe den Eindruck, dass ich dich seit Ewigkeiten kenne.“ Ich hatte ihn aber nie zuvor gesehen.

 

Wer zählte zu Ihrem Bekanntenkreis?

Bob Geldof, Peter Gabriel, Mick Jagger, Brian Ferry, Jim Kerr, Chrissie Hynde, Sinead o Connor, die Jungs von Duran Duran. Wenn ich einen von Ihnen heute sehe, ist es total herzlich. Seal traf ich vor Kurzem beim Montreux-Jazz Festival. Er hat sich total gefreut, mich wiederzusehen. Ich habe extra Deutsch mit ihm gesprochen, um zu sehen, ob Heidi ihm was beigebracht hat. Er konnte tatsächlich ganz gut sprechen. Wir MTV-Moderatoren waren ein Teil des Musikbusiness, wir gehörten dazu.

 

Was waren Ihre persönlichen Höhepunkte?

Ein Interview mit den Rolling Stones in Boston, wo wir anschließend noch einen trinken waren. Oder 1992 durfte ich in Spanien die Olympische Fackel tragen, auch wenn es nur 50 Meter waren. Bei der Launch Party von VH1 in Hamburg kam ein PR-Agent auf mich zu und sagte mir höflich, David würde sich gern mit mir fotografieren lassen, ob das in Ordnung wäre. Unglaublich: Mein musikalischer Held David Bowie wollte ein Foto mit mir haben.

 

Haben Ihnen Stars jemals Heiratsanträge gemacht?

(lacht) Viele, aber darüber spreche ich nicht.

 

Was waren die enttäuschenden Momente?

Der Druck war sehr groß, teilweise war ich sechs Wochen am Stück nur unterwegs, von einer Show zur nächsten. Dieses Gefühl von Rausch und Leere: Du moderierst ein Prince-Konzert vor 70000 Leuten und landest dann doch allein auf deinem Hotelzimmer. Oder du bekommst einen großen Blumenstrauß während der Show, und nachher bringt dich noch nicht einmal jemand im strömenden Regen ins Hotel zurück. Unser Job war zudem niemals sicher, wir hatten Halbjahresverträge, und es konnte von heute auf morgen vorbei sein.

 

Das Gefühl von Rausch und Leere: Viele Stars nehmen Drogen und Alkohol, um damit fertig zu werden. Wie war das bei Ihnen?

Kein Kommentar. Aber das ist exakt das Problem. Ich war ja schon ein wenig älter und erfahrener, als ich bei MTV begann. Aber die ganz jungen Leute, die mit 17, 18 oder 19 diesen Ruhm erleben, sind total gefährdet. Das habe ich alles erlebt. Aber ich habe mich schon deswegen rausgehalten, weil ich jeden Tag „on air“ war. Da konnte man sich keine Exzesse erlauben. Man musste gut aussehen und gute Laune haben. Wie man mit Einsamkeit umgeht, habe ich erst durch den Glauben erfahren. Jetzt sitze ich auch allein im Hotelzimmer, aber ich verbinde mich regelmäßig mit Gott und mache meine Meditationen. Ich brauche keinen Drink, um einzuschlafen.

 

Schalten Sie ab und zu noch MTV ein?

Nein, darüber stolpere ich höchstens beim Zappen oder im Fitnessstudio. Ich erkenne den Sender mit der penetranten Klingeltonwerbung und den Reality-Soaps nicht wieder. Ich bin dankbar, dass ich die beste Zeit von MTV erleben durfte. Kurz nach meinem Ausstieg 1995 hat sich vieles verändert, als sich MTV Europe in viele kleine nationale Sender aufspaltete. Niemand kann sich mehr wirklich mit den VJs identifizieren. Ich frage mich, wer das noch guckt, wenn MTV ab Januar Bezahlfernsehen wird. Die Musikbranche hat sich eh durch Internet und I-Tunes verändert, MTV hat an Bedeutung verloren.

 

Was ist Ihr Lieblingsclip aller Zeiten?

Schwer zu sagen. Die künstlerischen Videos von Peter Gabriel, die körnigen Schwarz-Weiß-Clips von U2 und Depeche Mode, die Anton Corbijn gemacht hat, bunte, kitschige Videos von John Babtiste Mondino zum Beispiel für Neneh Cherry. Aber es gab auch toll produzierte Popclips von George Michael und Madonna. Michael Jackson’s Thriller darf natürlich in der Liste der besten Videos auch nicht fehlen. Die Budgets waren damals unheimlich groß, da konnten sich die Video Regisseure künstlerisch richtig austoben.

 

Welche Musik hören Sie heute privat?

Am liebsten Sufi-Musik. Die beschwingt die Seele. Oder Weltmusik. Sufi-Musik hat ganz andere Schwingungen als Rockmusik. Ganz selten höre ich noch Soul-Pop oder Rockmusik. Oder ich gehe auf ein Konzert einer meiner früheren Musikerfreunde.

 

1991 lernten Sie den pakistanischen Cricket-Star Imran Khan kennen. Wie hat er Ihr Leben verändert?

Letztlich war Imran Khan ein Werkzeug Gottes. Gott hat diesen gut aussehenden Sportler in mein Leben geschickt, um mich zu ihm zu rufen. Hätte er einen langbärtigen, strengen Mullah geschickt, hätte ich wahrscheinlich nicht zugehört. Aber Gott weiß, was er tut und in meiner damaligen Situation war Imran die richtige Brücke zum Islam. Wir hatten gemeinsame Bekannte wie etwa Mick Jagger, der auch ein großer Cricket-Fan ist. Durch ihn habe ich Muslime getroffen, die so liebevoll und hilfsbereit waren, die sich aufgeopfert haben für einen höheren Zweck, um anderen zu helfen und Gott zu dienen. Das hat mich sehr beeindruckt. Ich habe angefangen, Bücher über den Islam zu lesen. Gleich das Erste hat mich ins Herz getroffen. Die Botschaft ist intellektuell, faszinierend, logisch und klar.

 

Was ist faszinierend?

Der Islam ist eine direkte Offenbarung. Es sind keine inspirierten Geschichten, sondern Gottes Wort. Es wird eine sehr enge und direkte Beziehung zu Gott vermittelt. Wir beten fünfmal am Tag formell zu Gott aber sind uns eigentlich immer seiner bewusst, wir fasten einen Monat lang für Gott. Das weicht das Herz auf und verändert innerlich. Es geht nicht um blinden Glauben, sondern man wird immer angehalten, seine Vernunft anzuwenden. Im Koran geht es um alle großen Themen: unsere Rolle im Leben, der Tod und das zukünftige Leben, die Schöpfung, Gott selbst, die Natur, das Universum. Aber es geht auch um das soziale Leben in der Gesellschaft, ethische Werte, spirituelle Anleitungen und heilige Geschichte als Lehre. Alle Propheten, die wir aus der Bibel kennen, finden sich im Koran wieder, von Adam und Eva über Abraham, Mose und Jesus, der übrigens sehr viel häufiger erwähnt wird als Muhammad. Ein ganzes Kapitel handelt von Maria. Der Koran gibt Antworten auf alle großen Fragen, heute wie vor 1400 Jahren. Wenn ich den Koran heute mit einem Problem aufschlage, bekomme ich meine Antwort. Es ist, als ob der Koran direkt mit mir spricht.

 

Haben Sie einen Gebetsteppich auf Reisen dabei?

Ja. Und meinen Kompass, um herauszufinden, wo Mekka liegt. Ich versuche pünktlich zu den Gebetszeiten zu beten, aber manchmal holt man sie später nach.

 

Kleiden Sie sich anders?

Natürlich trage ich längst keinen Minirock mehr und fühle mich mit meinen langen Röcken oder Hosen sehr viel wohler. Aufreizende Kleidung zieht eine ganz andere Energie an. Jetzt werde ich für meine Persönlichkeit geschätzt, nicht hauptsächlich für meine langen Beine.

 

Achten Sie darauf, Fleisch nur „halal“ zu essen?

Ich versuche es. Seit Kurzem habe ich in London einen Bio-Halal-Schlachter entdeckt. Da kaufe ich nur noch mein Fleisch. Denn halal – also einwandfrei oder erlaubt – schließt eigentlich eine artgerechte Tierhaltung mit ein. Schweinefleisch esse ich überhaupt nicht mehr. Aber bei einer Weihnachtsgans auf einem Besuch in Deutschland, die vielleicht nicht halal geschlachtet ist, mache ich schon mal eine Ausnahme: Dann sage ich mir „bismillah“ – im Namen Gottes – und darf das essen. Ich koche übrigens auch gerne, wenn ich Zeit habe. Im März hatte ich das perfekte Promi-Dinner auf Vox mit meinen Curry-Chutney-Gerichten gewonnen.

 

Sie pilgerten bereits nach Mekka. War das eine Erleuchtung?

Ja, das ist die Reise des Lebens. Eine Säule der Religion und somit sehr wichtig. Die Hadsch ist das größte Mega-Event überhaupt. Mehr als drei Millionen Menschen pilgern aus aller Welt zur gleichen Zeit zu den verschiedenen Stationen. Sie ist eine große Herausforderung auf allen Ebenen und gilt als spirituelle Reinigung. Alle Fehler und Sünden werden vergeben, wenn sie angenommen wird. Danach geht es darum, diese Reinheit beizubehalten, und nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Das ist eigentlich die größte Herausforderung. Ich bin nun eine Hadscha, eine Frau, die auf der Hadsch gewesen ist. Das trägt eine Verantwortung mit sich, die ich ernst nehme.

 

Hilft Ihnen Ihr Glaube in schwierigen Situationen?

1995 war mein schwierigstes Jahr, als meine Beziehung kurz vor meiner Konvertierung in die Brüche ging und ich danach berufliche Schwierigkeiten bekam. Meine Religion hat mir damals geholfen, mit den Schicksalsschlägen umzugehen.

 

Welche beruflichen Probleme gab es?

Als bekannt wurde, dass ich zum Islam konvertiert bin, wurde mir die Sendung Bravo TV praktisch über Nacht entzogen, obwohl ich einen frisch unterschriebenen Vertrag hatte. Der Grund wurde nicht genannt, aber es war offensichtlich, dass es mit meinem Glauben zu tun hatte. Ein halbes Jahr später wurde der Vertrag von MTV nicht verlängert.

 

Fühlten Sie sich diskriminiert?

Absolut. Ich war ein Opfer von Islamophobie. In anderen Ländern hätte man geklagt und gewonnen wegen religiöser Diskriminierung. So etwas kann man sich in England oder den USA nicht vorstellen. Danach habe ich neun Jahre lang nicht mehr im deutschen Fernsehen gearbeitet.

 

Wie reagierten Eltern und Freunde auf die Konversion?

Meine Freunde fanden meinen Weg interessant und haben mich respektiert. Die mögen mich als Mensch, egal welchen Glaubens. Meine Eltern waren zunächst nicht so angetan, konnten es nicht verstehen. Sie beziehen ihre Islamkenntnisse ja auch nur aus den Medien. Aber im Laufe der Jahre, durch viele Gespräche und Erklärungen haben sie ihre Meinung geändert. Sie sahen, dass der Islam das Gute in mir fördert.

 

Die meisten empfinden den Islam als aggressive Religion. Müssen Sie sich nicht ständig rechtfertigen?

In Deutschland mehr als in England. Das ist ein großes Problem. Die Medien haben hier eine Verantwortung zu tragen. Es ist wichtig, nicht immer nur große Berichte über gewalttätige Extremisten zu veröffentlichen – als ob es keine anderen Muslime gäbe. Extremisten pervertieren die Religion und verändern die Lehren für ihre eigenen falschen boshaften Ziele. Das ist aber nur eine kleine Minderheit. Es ist nötig, den wahren Islam zu verstehen. Daher sollte man auch über die 99 Prozent friedliebenden, rechtschaffenen, guten Mitbürger, die Muslime sind, berichten. Aber die Medien verkaufen sich, wenn sie schreiben, dass heute ein Flugzeug abgestürzt ist. Die Meldung, dass 999 Flugzeuge sicher gelandet sind, verkauft keine Zeitungen. Trotzdem muss es eine ausgewogenere Berichterstattung geben, um der Wahrheit gerecht zu werden, zu informieren und ein harmonisches Zusammenleben zu fördern.

 

Betrachten Sie sich als moderne Muslimin, indem Sie sich nicht verschleiern?

Ich bin eine praktizierende, gläubige, moderne, europäische, starke Frau und Muslima. Mit Islamkritikern, die den Islam als rückständig betrachten, möchte ich deswegen aber nicht in einem Atemzug genannt werden, ganz im Gegenteil. Es gibt Studien, die belegen, je gläubiger die Menschen sind, desto tugendhafter leben sie und desto besser sind sie integriert.

 

Wie kommen Sie mit dem Frauenbild im Islam klar?

Gott ist für Frauen und Männer. Beide werden für ihre Vorzüge geschätzt. Nach dem Koran sind Frauen und Männer gleichwertig, sie müssen die gleiche Verantwortung für ihre Rolle tragen.

 

Der Alltag sieht aber doch anders aus.

Was Sie meinen, ist eine kulturelle Geschichte. Da muss sich noch einiges bewegen. Diese Menschen müssen zum wahren Glauben zurückkehren und Frauen eine aktive Rolle in der Gesellschaft zugestehen. Die arabische Welt ist aber schon im Wandel. Ich war auf einer Frauen-Business-Konferenz in Doha, wo ich viele erfolgreiche Musliminnen mit Doktortiteln getroffen habe. Auch auf einer Frauenkonferenz in Scharja hat die Frau des Sultans darüber gesprochen, wie wichtig es ist, dass Frauen sich über die Familie hinaus beteiligen und konstruktiv zur Gesellschaft beitragen. Die Begründung dafür fand sie im Islam. Und im Iran sind angeblich die meisten Universitätsabsolventen Frauen, sie sind auch im Parlament vertreten.

 

Dort werden auch Frauen gesteinigt, die angeblich Ehebruch begangen haben.

Dagegen protestiere ich aufs Schärfste, ich habe Petitionen unterschrieben. Außerdem: Die Steinigung ist eine Strafe, die aus der Bibel kommt, aus der Thora. Diese Strafe kommt nicht im Koran vor, deswegen ist es nicht zu verstehen, warum sie in der Scharia angewendet wird.

 

Für Bundespräsident Christian Wulff gehört der Islam zu Deutschland. Was sagen Sie dazu?

Das fand ich fantastisch. Das hat sogar Wellen bis nach London geschlagen. Eine richtig schöne Stimme in der verstörenden, von Sarrazin ausgelösten Debatte, in der es so viel Negatives gab. Ich würde Herrn Wulff gern mein Buch „Der Islam als Weg des Herzens“ zukommen lassen.

 

Wie sieht es mit dem Wunsch Familie und Kinder aus?

Träumen tue ich davon, aber nur mit dem richtigen Mann. Inschallah!


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