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Rassistische Bemerkungen über Afrikaner: Als Gloria von Thurn und Taxis Blech redete Gründlich verschnackselt

„Der Schwarze schnackselt gern“: Mit diesem Spruch machte sich Gloria von Thurn und Taxis unmöglich. Vorurteil hin oder her – von Roberto Blanco ließ sie sich 2002 gern küssen. Foto: dpa„Der Schwarze schnackselt gern“: Mit diesem Spruch machte sich Gloria von Thurn und Taxis unmöglich. Vorurteil hin oder her – von Roberto Blanco ließ sie sich 2002 gern küssen. Foto: dpa

Osnabrück. Kurz nach der Hochzeit von Gloria von Thurn und Taxis im Jahr 1980 ging es los. Wegen ihrer – und erst recht für eine Adelige – wilden Kleidung und ihres Partylebens berichteten Journalisten gern über sie. Diese bezeichneten sie als „Punkfürstin“, sogar als „Lieblingsfürstin“. Als sie aber „Schnackselgräfin“ genannt wurde, zog sich die Prinzessin eine Weile aus der Öffentlichkeit zurück.

In der Talkshow von Michel Friedman wollte sich die gebürtige Gräfin von Schönburg-Glauchau am 9. Mai 2001 in ihrem besten Licht zeigen und aus ihrem wechselhaften Leben berichten. Doch dann sollte Mariae Gloria Ferdinanda Gerda Charlotte Teutonia Franziska Magarethe Frederike Simone Johanna Joachima Josefine Wilhelmine Huberta, so alle ihre Vornamen, über ihre eigenen Ansichten stolpern. Empörung landauf, landab war die Folge.

Sie sprach mit Michel Friedman gerade über Afrika. Sie selbst hatte einen Teil ihrer Kindheit in Togo und Somalia zugebracht. Plötzlich konnte die Prinzessin nicht mehr an sich halten, holte tief Luft und warf ein: „Afrika hat nicht Probleme wegen der Verhütung. Da sterben die Leute an Aids. Weil sie zu viel schnackseln. Der Schwarze schnackselt gerne.“ Ungläubiges Gelächter im Publikum folgte, und auch Michel Friedman schien für einen Moment irritiert. „Soweit ich weiß, schnackselt der Weiße auch gern“, entgegnete er. Sie meine halt Menschen, die dort leben, wo es wärmer ist, wo sie weniger Kleidung tragen, versuchte Gloria von Thurn und Taxis sich zu präzisieren. „Also sagen Sie den Italienern das Gleiche?“, setzte Frieman nach. „Absolut“, betonte Thurn und Taxis, die offenbar zu spät registrierte, was sie da von sich gegeben hatte. Ihre Ansicht über Farbige war klar, der Ruf ruiniert.

Und dabei war Friedmans Frage, ob denn nicht auch Weiße gern „schnackselten“, bei Frau von Thurn und Taxis gar nicht mal so unangebracht. Immerhin gebar sie ihre erste Tochter, Maria Theresia, bereits sechs Monate nach ihrer Hochzeit mit Prinz Johannes von Thurn und Taxis. Vielleicht waren die beiden ja bereits vor der Vermählung gemeinsam in wärmeren Gefilden unterwegs gewesen?

Ihr Statement bei Michel Friedman hängt ihr bis heute nach. Ein richtiges Einsehen in die Peinlichkeit scheint ihr jedoch erspart geblieben zu sein, immerhin hat sie ihre Ansicht in ähnlicher Form im September 2008 in einem Interview mit „Bild am Sonntag“ wiederholt: „Die Afrikaner sind mitnichten anders drauf als wir. Dass die mehr schnackseln, hat mit den klimatischen Bedingungen da unten zu tun.“

Ihre unternehmerischen Leistungen sind beachtlich. Nach dem Tod ihres Mannes 1990 hat die Prinzessin die Leitung des Familienunternehmens Thurn und Taxis übernommen, das aus Ländereien, einer Brauerei, Privatbanken und Unternehmensbeteiligungen besteht. Mithilfe von Fachleuten sanierte sie das Unternehmen. Um die Erbschaftsteuer aufbringen zu können, ließ sie 1992 einen Teil des Familienschatzes im Londoner Auktionshaus Sotheby’s versteigern.

Thurn und Taxis engagiert sich für den katholischen Glauben. Sie ist Präfektin einer von ihr angeregten Gebetsgruppe, Mitglied des Stiftungsrats der Lebensrechtsbewegung, Kuratoriumsmitglied des Forums Deutscher Katholiken. „Sex ist dazu da, um Kinder zu kriegen, und nicht zu Jux und Dollerei“, betont sie öffentlich.

„Wo leben Sie eigentlich?“, hat Michel Friedman die Prinzessin in seiner Sendung einigermaßen entgeistert gefragt. „In Deutschland“, hat sie geantwortet. Es ist vielleicht ein besonderes Deutschland, in dem sie wohnt.

Wie das aussieht, lässt sich an einem Beitrag ablesen, den ihre Tochter Elisabeth vor wenigen Wochen im Magazin der Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlicht hat. Dort beschreibt die 29-Jährige ihren ersten Besuch in einem öffentlichen Freibad. Und es klingt fast so wie der Besuch eines fernen Kontinents.


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