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Drehbuchautor wird derzeit mit Preisen überhäuft Gespräch mit Grimme-Preisträger Magnus Vattrodt

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Überzeugt Zuschauer und Kritiker mit „Das Ende einer Nacht“: Drehbuchautor Magnus Vattrodt. Foto: Falko Wenzel, KölnÜberzeugt Zuschauer und Kritiker mit „Das Ende einer Nacht“: Drehbuchautor Magnus Vattrodt. Foto: Falko Wenzel, Köln

Osnabrück/Köln. Es hagelt Preise für Magnus Vattrodt. Für den Fernsehfilm „Liebesjahre“ wurde der Drehbuchautor nicht nur mit dem Grimme-Preis 2012 ausgezeichnet, sondern auch mit der Goldenen Kamera. Für den BR-Tatort „Der traurige König“ erhielt er den Publikumspreis des Fernsehkrimi-Festivals Wiesbaden. „Erfreulich“ nennt er bescheiden den derzeitigen Trubel.

Zehn Drehbücher hat Magnus Vattrodt bislang verfasst. „Es ist nicht die Regel, dass es dermaßen brummt“, fasst er in seinem Kölner Büro den Stand der Dinge zusammen. Zurzeit sei es sogar schwierig, überhaupt zum Schreiben zu kommen, erzählt er auf Anfrage unserer Zeitung.

Und Zeit braucht er, denn Vattrodts Drehbücher sind von ausgiebiger Recherche geprägt – wie beispielsweise der Spielfilm „Das Ende einer Nacht“, der kürzlich vom ZDF ausgestrahlt wurde. Er erzielte nicht nur hervorragende Kritiken, sondern wurde auch von sechs Millionen Zuschauern gesehen.

Ins Zentrum der Geschichte hat Magnus Vattrodt eine Richterin (Barbara Auer) und eine Anwältin (Ina Weisse) gestellt. Sie wollen herausfinden, ob ein Mann seine Frau misshandelt hat oder ob sie das nur vorgibt. „Es ist nicht in erster Linie ein Film über Gewalt in der Ehe, sondern über den Prozess der Wahrheitsfindung“, erläutert Vattrodt.

Die Idee kam ihm bei einem Gespräch mit einem Anwalt und dessen Mandanten. „Ob einer gut ist oder böse, ist für den Zuschauer bei Justizfilmen normalerweise klar.“ Doch so einfach ist es in der Wirklichkeit nicht, und es habe ihn gereizt, genau das zum Thema zu machen. Zweifel, ob das funktioniert, habe es gegeben. „Es ist ein Film mit sprechenden Köpfen, also ohne viel Action.“ Und dennoch voller Spannung, wie die Reaktionen zeigen.

Nachdem Magnus Vattrodt, Jahrgang 1972, mit dem Drehbuch angefangen hatte, begann der Kachelmann-Prozess. Der sei nicht die Vorlage gewesen, betont er, aber ein sehr gutes Beispiel, wie schwierig es mit der Wahrheit sei – und dass es am Ende eben heißen müsse: „Im Zweifel für den Angeklagten.“ Zum Film „Das Ende eine Nacht“ haben Vattrodt Interviews mit dem Berliner Anwalt Ferdinand von Schirach inspiriert. Auch Zeitungsberichte können Auslöser für eine Idee sein. „Beim Münsteraner Tatort über Priesterkinder war es ein Buch“, erinnert sich Vattrodt, der einige Drehbücher für die Reihe Tatort verfasst hat.

Bereits in der Schulzeit hat ihn das Theater interessiert, am Theater in Karlsruhe hat er als Regie-Assistent gearbeitet. Während seines Studiums am Gießener Institut für angewandte Theaterwissenschaft und der Internationalen Filmschule Köln hat Vattrodt aber das Schreiben von Drehbüchern für sich entdeckt: „Es ist aufregend, Drehbücher zu schreiben, vor allem als freier Autor, weil man eben nie genau weiß, ob und wie etwas gelingen wird.“

Und wenn sich ein Thema nach viel Arbeit zerschlägt oder er nicht mehr weiterkommt? Das nehme er sich sehr zu Herzen, sagt Vattrodt und: „Wenn dann bereits der ganze Produktionsapparat in Bewegung ist, ist es entsetzlich.“ Aber auch ein gut trainierter Fußballer schieße halt mal am Tor vorbei, sage er sich dann.

Wie bei „Liebesjahre“ hat Magnus Vattrodt bei „Das Ende einer Nacht“ mit dem Regisseur Matti Geschonneck zusammengearbeitet, was er sehr genießt. Die dritte gemeinsame Produktion läuft gerade: In Berlin drehen Jürgen Vogel und Götz George mit Geschonneck bis Ende des Monats das Krimidrama „Endspiel“ nach dem Buch von Magnus Vattrodt. Sieht er einen fertigen Film, gebe es schon mal Momente, wo er denkt: „Oh, das habe ich mir anders vorgestellt.“ Das Optimum sei, wenn sich durch die Zusammenarbeit von Regisseur und Schauspielern eine neue Dimension im Film ergebe.

Manchmal gefalle ihm das Resultat nicht unbedingt, und manchmal liege eine andere Umsetzung schlichtweg am Wetter. „Wenn es beispielsweise schneit, muss man das beim Dreh mit einbauen.“

Derzeit genießt Magnus Vattrodt seinen Erfolg und die vielen Anfragen. Ob er aber immer beim Film bleiben möchte, weiß er noch nicht: „Vielleicht schreibe ich auch mal fürs Theater.“


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