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Abenteurer und Arktisforscher Arved Fuchs bereist die Küsten des Nordatlantiks Kindheitstraum verwirklicht

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Alles im Griff hat Käpt’n Arved Fuchs (rechts) auf seinem Segelschiff „Dagmar Aaen“. Foto: ArteAlles im Griff hat Käpt’n Arved Fuchs (rechts) auf seinem Segelschiff „Dagmar Aaen“. Foto: Arte

Osnabrück. Es geht nicht nur um Seefahrerromantik und Klimaforschung, wenn Abenteurer Arved Fuchs mit seinem 80 Jahre alten Segelschiff „Dagmar Aaen“ in die Arktis vorstößt. Seine letzte Reise führte ihn zu touristisch noch nahezu unberührten Natur- und Kulturlandschaften. Das zeigt Arte als faszinierende Doku-Reihe an fünf Abenden.

Auf den Spuren der Wikinger, aber auch irischer und schottischer Auswanderer segelte Fuchs im vergangenen Sommer von Nordwestgrönland über Neufundland und Nova Scotia in Kanada quer über den Atlantik nach Irland, entlang der schottischen Küste und machte noch einen Abstecher auf die Shetland-Inseln, bevor er nach Hamburg zurückkehrte. Majestätische Fjord-Landschaften faszinieren ebenso wie die knorrigen, mit dem Meer eng verbundenen Menschen, die an den Küsten des Nordatlantiks leben.

Mehrere Monate lang begleiteten die Filmemacher Holger Riedel und Joanna Michn die modernen Entdecker. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist aus der Sicht des Käpt’ns gelungen: „Eine frische, lebendige Doku, die unsere Erlebnisse, aber auch den Alltag an Bord gut abbildet“, sagt Arktisforscher Arved Fuchs im Gespräch mit unserer Zeitung. „Es wurden ja schon einige Filme über unsere Projekte gemacht. Die waren sonst naturgemäß etwas seriöser und ernster, weil es immer ins Eis und um wissenschaftliche Auswertungen ging. Dieses Mal hatte die Reise einen anderen Charakter. Sie war Neuland für uns, mit ungewöhnlichen klimatischen Erfahrungen und interessanten Begegnungen.“

Wie so oft hatte Fuchs seinen ehemaligen Haifischkutter „Dagmar Aaen“ an der grönländischen Küste überwintern lassen, um ihn als Plattform für Klimaforscher zur Verfügung zu stellen. Nach dem Ende des Projektes entschloss sich der Bad Bramstedter jedoch nicht zur direkten Rückfahrt. „Ich wollte die Gelegenheit nutzen, Inseln und Küsten aufzusuchen, die ich selbst noch nicht kannte“, sagt der 57-Jährige. Das habe ihn schon als Kind fasziniert: „Ich bin mit dem Finger auf der Landkarte gekreist und dabei über einsame Inseln gestolpert und habe mich gefragt, wer da wohl lebt und was es dort gibt.“ Die Initialzündung sei pure Neugierde gewesen, ohne ein bestimmtes Projekt zu verfolgen, vielmehr einfach loszusegeln und für sich etwas Neues zu entdecken.

Genau das macht die Dokumentation so spannend. Zum Beispiel war den Seglern nicht klar, ob sie auf der sagenumwobenen Insel Sable Island anlanden können. „Die Insel ist an 200 Tagen im Jahr von Nebel umhüllt“, berichtet Fuchs. „Deswegen ist sie auch so etwas wie der Schiffsfriedhof des Atlantiks.“ Dutzende Schiffe seien dort im Laufe der vergangenen Jahrhunderte gestrandet, viele Menschen ums Leben gekommen. Versuche, die Insel dauerhaft bewohnbar zu machen, seien auch fehlgeschlagen, so Fuchs. „Geblieben sind die von Pionieren mitgebrachten Pferde, die inzwischen verwildert sind.“ So seien viele Inseln eine Art Zeitkapsel, die einen sehr individuellen Lebensraum bergen könnten.

Einen neuen Platz zum Leben suchten vor mehr als 1000 Jahren die Wikinger, als sie über Island und Grönland den Nordatlantik überquerten. Davon zeugt eine archäologische Ausgrabungsstätte im Nordosten von Neufundland, die Fuchs mit seiner Crew besucht.

Immer wieder begegnen die Segler aus Deutschland einheimischen Fischern. „Die werden oft zu Unrecht zu Buhmännern abgestempelt“, meint Fuchs. Die Fischbestände vor Kanadas Küsten seien leer gefischt, auch ein Fangverbot führe nicht zur Erholung. „Draußen auf hoher See sind die großen Industrietrawler mit staatlichen Konzessionen und hochmoderner Technik trotzdem weiter unterwegs und fischen die letzten Reste weg“, regt sich Fuchs auf. „Die kleinen Küstenfischer sind aber die Leidtragenden, weil sie nicht mehr genug Fang haben, um ihre Familien zu ernähren.“ Die Auswirkungen auf die Küstenkulturen in Nova Scotia und Neufundland, aber auch in Irland und Schottland seien dramatisch. „Junge Leute wandern ab, ganze Siedlungen werden aufgegeben.“

Neben solch ernsten Themen kommen der Spaß und die Arbeit an Bord der „Dagmar Aaen“ in der Doku nicht zu kurz. Neben der Kernmannschaft würden immer wieder Enthusiasten mitsegeln, die sich extra monatelang freinähmen, so Fuchs. Und obwohl es keinen Kühlschrank unter Deck gebe, zaubere der Smutje stets leckere Mahlzeiten hervor: „Viel frische Meeresfrüchte, Fisch und Hummer, aber auch mal nur ein Spiegelei und Tütensuppe“, lacht der Abenteurer.

Mit Arved Fuchs durch den Nordatlantik (1/5), Arte, täglich 19.30 Uhr


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