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NDR dementiert Die Kommissarin und das Auto - Produktplatzierung im Tatort?

Auffallend häufig wurden im letzten Niedersachsen-„Tatort“ neue VW-Modelle gezeigt. Der NDR und Regisseur Roland Suso Richter sehen darin jedoch keine Produktplatzierung. Foto: NDRAuffallend häufig wurden im letzten Niedersachsen-„Tatort“ neue VW-Modelle gezeigt. Der NDR und Regisseur Roland Suso Richter sehen darin jedoch keine Produktplatzierung. Foto: NDR

Osnabrück. Schleichwerbung, Product Placement oder nichts dergleichen? Der letzte Niedersachsen-„Tatort“ mit Maria Furtwängler wirkte bei aller Klasse des Kriminalfalls auf manchen Betrachter wie eine Dauerwerbesendung aus dem Hause VW. Ein Zusammenschnitt dieser Auto-Szenen im Internet hat eine lebhafte Debatte entfacht – und produziert teils empörte, teils amüsierte Stellungnahmen.

Selten zuvor hat jemand so akribisch und dabei durchaus humorvoll den „Auftritt“ von Autos im Sonntagskrimi herausgearbeitet wie jener unbekannte Filmemacher „larise23“, der bei YouTube das Filmchen „Autos und Emotionen“ einstellte. Präzise listet er darin auf, welche Vorzüge neuer VW-Modelle der Krimi scheinbar ins rechte Licht rückt: Leichtmetallfelgen, integrierte Blinker, elektrische Fensterheber, Regensensor, Freisprechanlage, Multifunktionsanzeige, Echtholzfurnier, Leder, Bordcomputer, schlüsselloses Schließsystem, Glasdach, automatisch abblendbarer Rückspiegel, Chromleisten, Dachreling, Licht-Assistent.

Und er legt dar, welcher Vorteil der Unfall der Kommissarin für die Autobauer gehabt habe: Charlotte Lindholm ersetzte ihren Passat durch einen Phaeton, mit dem sie durch den Rest des Films kurvte – gerne mal auf traumhaften Alleen, wie sie immer wieder auch als Kulisse für die richtige Autowerbung benutzt werden.

Produktplatzierungen im „Tatort“ sind nichts Neues und spätestens seit einer entsprechenden Änderung des Rundfunkstaatsvertrags im vergangenen Jahr auch nichts Verbotenes. Aber bislang hatte es noch kein Hersteller geschafft, zwei neue Modelle in einem Film zu präsentieren. Mühelos schnitt der YouTube-Filmer die Autoszenen aus dem Furtwängler-Krimi zu einem 6:40 Minuten langen Video zusammen, das nichts anderes zeigt als die Kommissarin und ihre Autos.

Für François Werner, der als Gründer und Betreiber der Internet-Plattform „tatort-fundus.de“ eigentlich ein ausgewiesener Freund der Krimireihe ist, brachte „Schwarze Tiger, weiße Löwen“ das Fass zum Überlaufen: „Die VW-Werbung in den Lindholm-Tatorten – gerade im letzten – ist wirklich unerträglich penetrant“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Mir als Fan ist es nicht zu vermitteln, warum ich in einer fiktiven Handlung, in einem Unterhaltungsformat, mit penetranten Werbebotschaften zugeballert werde. Ich erwarte von den Machern, dass solche Einflüsse verhindert werden.“

Doch waren die Szenen der Kommissarin mit ihren Autos tatsächlich Produktplatzierung oder gar Schleichwerbung? Der NDR, Studio Hamburg und auch der Regisseur weisen dies weit von sich. Roland Suso Richter, der mit Filmen wie „Mogadischu“, „Das Wunder von Berlin“, „Dresden“, und der „Bubi Scholz Story“ zwar deutsche Fernsehgeschichte schrieb, aber bis dato noch keinen „Tatort“ inszeniert hatte, muss sogar lachen. Er findet das Internet-Filmchen „nett gemacht“ und hat sich erst mal gefragt, „ob das eine Verarschung sein soll“.

Und er versichert, dass es keinerlei Form von Produktplatzierung gegeben habe: „Der Passat und das Baujahr standen im Drehbuch, ansonsten hat es keine Vorgaben gegeben.“ Die Fahrzeuge seien nicht einmal wie bei anderen „Tatorten“ vom Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt, sondern „ordnungsgemäß angemietet“ worden.

Für den Fahrzeugwechsel der Kommissarin hat er eine geradezu verblüffende Erklärung: „Wenn man ein kaputtes Auto in einer Vertragswerkstatt reparieren lässt, dann bekommt man ein Leihfahrzeug desselben Herstellers. Und ich wollte Charlotte Lindholm ein Auto geben, das einfach nicht zu ihr passt – also habe ich ihr diesen dekadent-hässlichen Phaeton verpasst“. Das sei doch eh „eine Schleuder, die nicht gut läuft und keiner wirklich haben will.“ Das klingt wahrlich nicht danach, als hätte sich der Mann auf einen Deal mit den Wolfsburger Autobauern eingelassen.

Wegen seines „Tatorts“ aus Kiel hat der NDR übrigens noch nie die Diskussion um Produktplatzierungen führen müssen. Da schaukelt Kommissar Borowski zwar ebenfalls in einem Passat durch die Gegend – allerdings in einem Modell, dass man heute mittlerweile häufiger auf Schrottplätzen als auf der Straße antrifft.

Hauptdarsteller Axel Milberg hat schließlich schon vor einiger Zeit klargestellt: „Ich wollte nicht so ein chromblitzendes gesponsertes Teil haben. Das fand ich immer irgendwie unseriös und ehrlich gesagt auch unsympathisch.“

 


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