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Unter Kranichen Expedition ins „wilde Oldenburger Land“

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Osnabrück. Am Mittwoch, 5. September, spielt der SV Meppen gegen den VfL Osnabrück. Aber für all jene, die sich nicht für Fußball interessieren, bietet NDR (20.15 Uhr) eine sehenswerte Alternative. Die Expeditionen ins Tierreich führen die Zuschauer ins „wilde Oldenburger Land“.

Das Tierfilmerehepaar Svenja und Ralph Schieke hatte in den vergangenen Jahren bereits unter anderem das Emsland und das Osnabrücker Land porträtiert, stets auf der Suche nach Besonderheiten in der Natur und mit einem Blick auch auf die Menschen, die hier leben. Nun also ziehen sie 45 Minuten lang durch das Oldenburger Land, das – trotz des Filmtitels – nicht wilder ist als der Rest der Republik. Aber hier rasten bis zu 70000 Kraniche, beginnen abgetorfte Moore nach der Renaturierung wieder zu wachsen, steht endloser Wald neben bunt blühenden Rhododendren. Es ist also das Besondere, das die beiden Biologen aus Steinhagen bei Bielefeld in dem Landstrich zwischen Cloppenburg, Vechta, Oldenburg und Wilhelmshaven gesucht und gefunden haben. Ihr Reiseführer war mit dem Vechtaer Naturfotografen Willi Rolfes einer der renommiertesten Vertreter seiner Zunft.

Rolfes führt die Tierfilmer zu den Gebänderten Prachtlibellen an die Hunte, in den Rhododendronpark von Volker Hobbie in Westerstede am Zwischenahner Meer oder an die versteckten Rastplätze der Kraniche. Sie suchen seit der Jahrtausendwende immer zahlreicher das Oldenburger Land auf, um in den wiedervernässten Mooren rund um Vechta und Diepholz zu schlafen und tagsüber auf den abgeernteten Maisäckern Fettreserven anzulegen.

Die Heideblüte am Pestruper Gräberfeld haben die Tierfilmer ebenso eingefangen wie das Leben des Bienenwolfes – einer kleinen, aber sehr räuberischen Wespenart. Und sie beobachten Rolfes dabei, wie er Eisvögel und pfeilschnelle Flussseeschwalben im Sturzflug fotografiert. Von 2500 Bildern der schnellen Vögel gelingt ihm nur ein Dutzend. Die Tierfilmer sind hier im Vorteil: Sie arbeiten mit einer Super-Zeitlupenkamera, die bis 1100 Bilder pro Sekunde aufzeichnet.

Damit sind auch einzigartige Aufnahmen gelungen wie die vom Hochzeitstanz der Gebänderten Prachtlibellen und der Paarung des Kleinen Nachtpfauenauges, dem Schmetterling des Jahres 2012. Aber auch die beste Technik half nicht immer weiter. „Manchmal dachten wir, wir hätten eine tolle Szene im Kasten“, berichtet Ralph Schieke. „Und dann stellte sich heraus, dass die Flussseeschwalbe knapp neben dem Bereich ins Wasser getaucht war, den die Kamera scharf abbildete.“

Für ihn besonders beeindruckend waren die Erlebnisse mit den rastenden Kranichen. „Vier Morgende habe ich im Frühling im Tarnzelt auf einem abgeernteten Maisacker angesessen, bis die Vögel mit dem ersten Morgenlicht endlich auf meiner Fläche runterkamen“, erzählt er. „Dann kamen sie bis auf drei Meter ans Tarnzelt ran.“ Im Spätherbst waren die Schiekes an einer Moorpütte im Goldenstedter Moor wieder zur Stelle und saßen in einem Versteck an. „Die Vögel tauchten langsam in der Morgendämmerung auf, „erst zehn, dann hundert. Überall tauchten die Schatten aus dem Nebel auf; am Ende hatte ich 1500 Kraniche vor mir“, sagt Schieke. „Sie fingen an zu tanzen und sich zu putzen und zu rufen, ich fühlte mich in ein Moor in Schweden versetzt.“ Aber der Kameramann durfte ja nicht nur staunen, sondern musste konzentriert bei der Arbeit bleiben. Denn es sind nur ein paar Minuten, dann hebt der ganze Trupp ab, um zum Fressen auf die Maisfelder zu fliegen.

Für die Tierfilmer ist das Oldenburger Land einen Besuch wert gewesen. Nun ziehen sie weiter an die Elbe. Und am Jahresende ist ein weiteres Schieke-Werk in der ARD zu sehen: Die für die Geschichte sehr wichtigen Stockenten im Dreiteiler „Baron Münchhausen“ haben sie in Szene gesetzt.

NDR, 20.15 Uhr: Expeditionen ins Tierreich: Wildes Oldenburger Land.


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