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Klaus J. Behrendt feierte seine „Tatort“-Premiere nicht etwa als Max Ballauf Gestatten: Spilonska

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Am Beginn einer langen Karriere: 1990 spielte der junge Klaus J. Behrendt in der „Tatort“-Folge „Schimanskis Waffe“ die Rolle des Erwin Spilonska. Foto: WDRAm Beginn einer langen Karriere: 1990 spielte der junge Klaus J. Behrendt in der „Tatort“-Folge „Schimanskis Waffe“ die Rolle des Erwin Spilonska. Foto: WDR

Osnabrück. Wer mal in einer Stadt wie Osnabrück mit diesem Mann einen Kaffee trinkt oder nur ein paar Minuten spazieren geht, bekommt die Strahlkraft des „Tatort“ deutlich zu spüren: Die Leute tuscheln, zücken die Handykamera und fragen: „Wird hier etwa ein Tatort gedreht?“ Klaus J. Behrendt ist bekannt wie ein bunter Hund.

Und er ist als Max Ballauf ein echtes Urgestein der ältesten und erfolgreichsten deutschen Krimireihe. Ende des Jahres wird er 58 „Tatort“-Folgen auf dem Buckel haben und sich mit den Münchner Kollegen Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) den Platz an der Spitze teilen.

Wo Ballauf ermittelt, ist Freddy Schenk (Dietmar Bär) nicht weit. Als Kölner Kommissare gehören sie bei jeder Umfrage zu den beliebtesten Fernsehfahndern. Seinen ersten Auftritt in einem „Tatort“ aber hat Behrendt nicht in Köln und auch nicht in Düsseldorf, wo Max Ballauf ab 1992 über zwei Jahre lang ermittelt, sondern bereits vor ziemlich genau 20 Jahren – am 2. September 1990. „Schimanskis Waffe“ heißt der Krimi mit Götz George in der Hauptrolle, und Behrendt spielt einen gewissen Erwin Spilonska, den Freund eines Mordopfers.

Den Verantwortlichen des WDR hat er in dieser Rolle offenbar gefallen – als der Schimanski-„Tatort“ ausläuft und Martin Lüttge 1992 als Düsseldorfer Kommissar Flemming Götz Georges Nachfolge antritt, wird Behrendt neben Roswitha Schreiner als zweiter Assistent verpflichtet. Seine Name: Ballauf, Max Ballauf.

Acht Folgen hält er durch, dann stehen die Zeichen auf Veränderung: Privat zieht Klaus J. Behrendt von Hamburg nach Berlin um, und die Rolle des „Tatort“-Assis hängt er gleich auch an den Nagel.

Im Krimi wandert Ballauf nach Kanada aus – um am 5. Oktober 1997 in Köln wieder aufzutauchen: als neuer Kommissar in der Domstadt. Behrendt erinnert sich: „Meine Bedingung war: zwei gleichberechtigte Kommissare, nicht den Meister und den Knecht. Dass ich der Chef im Kölner Kommissariat bin, merkt man ja kaum. Die Geschichte war dann: Schenk ist fest davon überzeugt, dass er Dienststellenleiter wird, er hat die Party im Büro schon vorbereitet und alles eingekauft. Und dann flattert ein Fax rein, dass da jemand aus den USA kommt und ihm vor die Nase gesetzt wird.“

Und noch eine Bedingung hat Behrendt dem WDR gestellt: „Dass ich mir meinen Partner aussuchen kann. Ich hatte damals mit Dietmar Bär den Sechsteiler ,Lea und Charlotte‘ gedreht, und wir beide hatten uns perfekt verstanden. Auf diese Weise wurde Dietmar dann mein Partner im ,Tatort‘.“

Mittlerweile ist Behrendt 50 und ein bisschen grau geworden, sich selbst bezeichnet er als „Silberpfeil“. In der deutschen Fernsehlandschaft hat er zusammen mit dem Kollegen Bär ein ganz besonderes Denkmal gesetzt: „Die Pommesbude am Rhein steht eigentlich auf der anderen Rheinseite am Schokoladenmuseum. Der Betreiber nennt sie jetzt ,Bratort‘, und ich gönne ihm jeden Euro, den er damit verdient.“

Von den Segnungen des fortgeschrittenen Alters aber möchte der fünffache Vater Klaus J. Behrendt möglichst verschont bleiben: „Wir wollen um keinen Preis altersmilde werden. Natürlich – die Zeit geht auch an uns nicht vorbei, aber wir wollen weiter harte Krimis machen. Ich mag Filme, die polarisieren.“

Doch zurück nach Osnabrück: Behrendt sitzt vor seinem Hotel in der Sonne, lässt sich von Fans fotografieren und sinniert über seine Popularität: „Wenn bei so einem Tatort neun Millionen Leute einschalten, dann ist das wie 150 mit 60000 Leuten gefüllte Fußballstadien nebeneinander. Das ist schon irre.“ Und wenn der Kölner „Tatort“ so gut bleibt wie er sich an diesem Sonntag präsentiert, dann werden noch viele Fußballstadien dazukommen.

Tatort: Schmale Schultern, ARD, Sonntag, 20.15 Uhr

Tatort-Liebling am kommenden Freitag ist Dorothee Schön (Drehbuchautorin)


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