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Die Blonde und der schiefe Ton Großer Auftritt für Petra Schmidt-Schaller in ARD- und ZDF-Krimis

Von Stefanie Backs

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<em>Vor einem Jahr</em> wurde Petra Schmidt-Schaller in Berlin mit dem Deutschen Schauspielerpreis in der Kategorie „Beste weibliche Hauptrolle“ ausgezeichnet. Der Preis wird von Schauspielern an Schauspieler verliehen. Foto: dpaVor einem Jahr wurde Petra Schmidt-Schaller in Berlin mit dem Deutschen Schauspielerpreis in der Kategorie „Beste weibliche Hauptrolle“ ausgezeichnet. Der Preis wird von Schauspielern an Schauspieler verliehen. Foto: dpa

Hamburg. Schauspielerin Petra Schmidt-Schaller, die zarte Blonde mit dem starken Ausdruck, gibt im April ihr Debüt als „Tatort“-Ermittlerin. An diesem Montag ist sie im ZDF-Krimi „Der Tote im Watt“ zu sehen. Ein Gespräch über Familiengeheimnisse und ein kurioses Casting.

Schauspielerin werden – das kam für Petra Schmidt-Schaller nie infrage. Doch bei einem Theaterkurs auf der Highschool in den USA funkte es. Zum Glück. Heute ist sie aus der deutschen Film- und Theaterbranche nicht mehr wegzudenken. Von einer „großen Entdeckung“ schwärmte gar Martin Walser nach der Verfilmung seines Romas „Ein fliehendes Pferd“, in der Schmidt-Schaller 2007 souverän neben Schauspielern wie Ulrich Tukur und Katja Riemann brillierte. Ein Ausnahmetalent.

Wir treffen uns in Hamburg. Sie wirkt zart, ihr Blick ist offen und hellwach, ihr sympathisches Lachen steckt an. Sie strahlt eine innere Stärke und Gelassenheit aus, was nicht unbedingt typisch ist für eine 32-Jährige, wohl aber für eine junge Mutter. Ihre Tochter wird im August zwei Jahre alt. Schmidt-Schaller redet gerne und lebhaft – nur zu den Medienberichten, in denen es um die Stasi-Vergangenheit ihres Vaters Andreas Schmidt-Schaller, des beliebten TV-Kommissars Trautzschke aus der „Soko Leipzig“ (ZDF), in den 1960er-Jahren ging, will sie nichts sagen. Lieber spricht sie über ihre Arbeit. Über „Der Tote im Watt“ etwa. Ein grausamer Mord und ein erschreckend bizarres Familiengeflecht sind die Grundpfeiler für diesen leider etwas zu leicht durchschaubaren Film, der auf dem Roman „Blaufeuer“ von Alexandra Kui basiert.

Die Geschichte: Nach dem gewaltsamen Tod ihres Bruders kehrt die Cellistin Janne Flecker, gespielt von Petra Schmidt-Schaller, zurück ins feudale, aber gefühlskalte Elternhaus in Cuxhaven, wo ihr Vater (Thomas Thieme) eine Werft besitzt. Sie sucht nach Antworten, nach dem Mörder ihres Bruders und stößt dabei auf verstörende Familiengeheimnisse.

„Am Ende ist es so, dass die Familie nicht mehr existiert, sie ist zerschmettert“, verrät die Schauspielerin und ergänzt: „Ich glaube auch, dass man das generell über Familien sagen kann. Zu viele Geheimnisse zerstören das Vertrauen und sind verletzend.“ Das Spannende an diesem Projekt war für sie diese „unglaubliche emotionale Kälte“ innerhalb der Familie und wie sich das auf die Tochter Janne auswirkt, erzählt Schmidt-Schaller. Janne kann ihre Gefühle nur zeigen, wenn sie Cello spielt. Ein Talent, das Schmidt-Schaller nicht mit ihrer Figur teilt. „Das Cello-Spielen zu drehen war ein einziger Katzenjammer“, sagt sie und lacht. Die Crew habe dann den Bogen geölt, um die schiefen Töne etwas abzumildern.

Schräge Töne gab es auch bei ihrer kuriosen Ernennung zur „Tatort“-Kommissarin. „Mir wurde das Ganze beim Casting als ein Film vorgestellt, der möglicherweise eine Reihe werden könnte. Erst einen Tag vor Drehstart habe ich erfahren, dass es ein „Tatort“ wird, und ich hatte 24 Stunden Zeit, mich zu entscheiden“, erzählt Schmidt-Schaller.

Sie sagte zu und spielt nun am Sonntag, 28. April, zum ersten Mal als Brandermittlerin Katharina Lorenz an der Seite von Wotan Wilke Möhring, der den Kommissar Falke gibt. Das Duo jagt einen jugendlichen Feuerteufel, der in Hamburg Autos in Brand steckt.

„Es kommen keine Krankheiten, keine tiefpsychologischen Ermittler daher. Die Kommissare Falke und Lorenz sind ein Paar, das zwischen sich eine gewisse Spannung hat. Sie fühlen sich gleichzeitig angezogen und abgestoßen voneinander“, beschreibt Schmidt-Schaller das neue „Tatort“-Team, das wie Til Schweiger und Fahri Yardim einmal im Jahr für den NDR auf Verbrecherjagd geht.

Dass sie nun mit einem „Tatort“-Stempel versehen wird, als Schauspielerin in einer bestimmten Schublade landet, davor habe sie keine Angst, sagt Schmidt-Schaller. „Ich weiß, was für Möglichkeiten in mir ruhen, und bin mittlerweile sehr entspannt, was Kritiken angeht, egal ob sie positiv oder negativ sind.“

Der Tote im Watt, ZDF, Montag, 8.4., 20.15 Uhr

Tatort: Feuerteufel, ARD, Sonntag, 28.4., 20.15 Uhr


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