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Die zweite Staffel von „Kommissarin Lund“ schwächelt nur bei den Extras Hoher Suchtfaktor

Bärenstarke Hauptdarstellerin: Die dänische Schauspielerin Sofie Gråbøl gibt auch in der zweiten Staffel von „Kommissarin Lund “ eine starke Figur ab. Foto: dpaBärenstarke Hauptdarstellerin: Die dänische Schauspielerin Sofie Gråbøl gibt auch in der zweiten Staffel von „Kommissarin Lund “ eine starke Figur ab. Foto: dpa

Osnabrück. Seit Jahren schon steht der späte Sonntagabend im ZDF für spannende Krimi-Koproduktionen aus Skandinavien, wie „Kommissar Beck“ oder „Der Adler“. Mit „Kommissarin Lund“ hat hier eine weitere Perle ihren Platz gefunden. Pünktlich zum Ende der zweiten Staffel ist jetzt die DVD-Box erschienen.

Auch wenn sich dadurch die Laufzeit der zweiten Staffel halbierte, entschied sich das ZDF wieder, jeweils zwei dänische Folgen à 50 Minuten zusammenzufassen. Manchem wurde das bei einer Anfangszeit von 22.15 Uhr am Sonntagabend zu spät. Früher kommt man mit der DVD-Box allerdings auch kaum ins Bett, dafür ist der Suchtfaktor einfach zu hoch!

Nachdem Sarah Lund sich in der ersten Staffel mitschuldig am Tod eines Kollegen gemacht hatte, ist sie zur Grenzpolizei strafversetzt worden. Doch wie sollte es anders sein – ihre Hilfe wird in Kopenhagen gebraucht: Dort ist eine Anwältin ermordet worden. Schneller und härter als die erste Staffel kommt „Das Verbrechen II“ daher, wieder besticht die Story durch die Doppelstruktur Polizei und Politik.

Diesmal ist es der frisch ernannte Justizminister Thomas Buch, der ein umstrittenes Antiterrorgesetz mithilfe der nationalistischen Volkspartei verabschieden soll und dabei auf ein Geheimnis seines Vorgängers stößt. Wie in der ersten Staffel des US-Serienhits „24“ werden Ermittler und Politiker schließlich zu Verbündeten und kämpfen an zwei Fronten gegen Mord und Filz.

Dennoch gibt es kaum gemeinsame Szenen. Die Darsteller beider Handlungsstränge trafen sich nur beim Mittagessen und tauschten Theorien zur Lösung aus – denn keiner der Schauspieler kannte den Mörder. Nachdem Hauptdarstellerin Sofie Gråbøl sich darüber in der ersten Staffel noch geärgert hatte, muss sie sich diesmal damit arrangieren: „Ich arbeite mich von Folge zu Folge“, erklärt sie im Interview.

Gråbøl schafft es einmal mehr, mit ihrer Darstellung der Sarah Lund einen Typ Kommissarin zu zeigen, der seinesgleichen sucht. Zurückhaltend und verletzlich einerseits, kalt und zielstrebig andererseits, macht es immer Freude, ihr zuzusehen, selbst beim Scheitern.

Mit dem Thema Terrorismus trifft die zweite Staffel den Nerv der Zeit, fast vergisst man, dass es hier um Dänemark geht. Oder? „Tatsächlich versuche ich, so universell wie möglich über die westliche Gesellschaft und Kultur zu erzählen“, betont Autor Søren Sveistrup. Das Interview mit ihm ist leider eines der wenigen Extras der DVD-Box.

Sveistrup kennt Sofie Gråbøl bereits von der Emmy-prämierten dänischen Serie „Nikolaj og Julie“. Auch „Kommissarin Lund“ wurde mehrfach für den International Emmy Award nominiert, ein amerikanisches Remake wird bereits gedreht. Zu Recht verweist das ZDF also voller Stolz auf die „erfolgreiche Zusammenarbeit“ mit Dansk Radio. Man fragt sich indes, warum eine solche Produktion nicht auch in Deutschland möglich ist. Die Erkenntnis, dass ein starker Head-Autor, wie er in erfolgreichen US-Serien seit Langem Standard ist, eine große Chance bietet, hat nun immerhin schon im Nachbarland Einzug gehalten.

Kommissarin Lund – Das Verbrechen II. Edel Motion. 570 min. FSK 16. Extras: Interviews.


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