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„Titanic II“: Ein „Mockbuster“ hängt sich an den Erfolg des Blockbusters Wenn ein Schiff noch einmal sinkt...

Von Philipp Isenbart

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Ihnen steht das Wasser bis zum Hals: Amy Maine (Marie Westbrook) und Heyden Walsh (Shane Van Dyke) versuchen, sich beim Untergang der „Titanic II“ zu retten. Foto: Tele 5Ihnen steht das Wasser bis zum Hals: Amy Maine (Marie Westbrook) und Heyden Walsh (Shane Van Dyke) versuchen, sich beim Untergang der „Titanic II“ zu retten. Foto: Tele 5

Osnabrück. Ungleiche Namensvettern: Der Titel „Titanic II“ weckt die trügerische Hoffnung, es handle sich um eine Fortsetzung des Blockbusters von James Cameron. Derartige Betitelungen haben durchaus System, mit dem sich Quote machen lässt.

Mit dem virtuos inszenierten Untergang der „Titanic“ verschwand auch die Hoffnung auf eine Fortsetzung des gleichnamigen Kassenschlagers von 1997. Umso erstaunlicher ist das Wiederauftauchen des Luxusdampfers im Programm des Senders Tele 5. Denn der Titel „Titanic II“ legt den Schluss nahe, das Schiff habe sich aus den Tiefen des Meeres erhoben.

Doch schon die Geschichte zeigt, wie unberechtigt derartige Erwartungen sind: 100 Jahre nach dem Untergang der „Titanic“ begibt sich eine „Titanic II“ auf die Route ihrer Vorgängerin. Nach einem Eisbergabbruch vor der Küste Grönlands bildet sich ein Tsunami, der über den Atlantik rast. Bei einer Kollision droht das Schiff zu zerbersten.

Im Mittelpunkt des Films stehen Captain Maine (Bruce Davison) von der Küstenwache, seine Tochter Amy (Marie Westbrook), die als Krankenschwester auf der „Titanic II“ arbeitet, sowie der selbstgefällige Hayden Walsh. Der Reeder ist auch Amys Ex-Freund. Gespielt wird er von Shane Van Dyke, der zudem auch Regisseur dieses obskuren Werks ist.

Doch gemessen am Zusammenspiel von Leonardo DiCaprio und Kate Winslet, sind die Auftritte von Westbrook und Van Dyke dürftig, die Geschichte wirkt nicht zu Ende gedacht. Noch grauenhafter als die sich anbahnende Tragödie sind allerdings die billigen Animationen. An der musikalischen Untermalung wird jedoch nicht gespart: Die „Titanic II“ droht geradezu im opulenten Soundbrei unterzugehen.

„Titanic II“ ist ein Paradebeispiel für die sogenannten „Mockbuster“. Diese erwecken den Eindruck, es handle sich um einen Blockbuster oder seine Fortsetzung. Ein oft minimal abgewandelter Filmtitel und eine ähnliche Aufmachung vermitteln das Gefühl, das entsprechende Produkt sei ein populärer Kinohit oder zumindest dessen Fortsetzung. So lädt auch der Titel „Transmorphers“ zur Verwechslung mit Michael Bays „Transformers“ ein, dasselbe gilt für Roland Emmerichs „10,000 BC“ und den Mockbuster „100 Million BC“.

Ähnliche Titel, riesige Qualitätsunterschiede: Statt einer ausgearbeiteten Story, prominenten Schauspielern und Starregisseuren, erwarten den Zuschauer konfuse Handlungen und dürftige Dialoge. Kein Wunder, dass die zweifelhaften Namensvettern der Blockbuster nicht im Kino zu sehen sind.

Übrigens kommen alle genannten Mockbuster von derselben Produktionsfirma: Das 1997 gegründete Unternehmen „The Asylum“ aus Kalifornien hat sich auf derartige Streifen spezialisiert. Laut der Firmenwebsite produziert „The Asylum“ 10 bis 15 Filme pro Jahr.

Ist da nicht ständiger Ärger wegen Plagiatsvorwürfen vorprogrammiert? „Nur einmal haben wir einen Brief bekommen“, zitiert „Spiegel Online“ den Firmenchef David Michael Latt. Darin habe der Produzent des Originalfilms die Ähnlichkeit der Schriftzüge auf dem DVD-Cover beanstandet.

Doch nicht nur die Produzenten profitieren vom Geschäft mit den Mockbustern: „Wir programmieren derzeit dieses Genre am Samstagabend sehr erfolgreich mit sehr guten Zuschauerzahlen“, sagt Thomas Friedl, Programmdirektor von Tele 5, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Für Tele 5 ist der Mockbuster ein unter Marktanteilsgesichtspunkten sehr interessantes Genre, das dem Sender die Möglichkeiten bietet, mehr deutsche Erstausstrahlungen anzubieten“, so Friedl. Ihm zufolge pendeln die Filme am Samstagabend um 2 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe. „Das ist für uns bei einem durchschnittlichen Marktanteil von 1,2 Prozent schon sehr deutlich über dem Schnitt.“

Friedl kennt den natürlichumstrittenen Ruf von Mockbustern. „Wir verstehen Kino schließlich nicht so, dass ein Film nur dann sehenswert ist, wenn er Preise auf Filmfesten abgeräumt hat“, entgegnet er. Dennoch betont Friedl, dass Tele 5 kein reiner Mockbuster-Sender sei. Stattdessen werde die ganze Breite des Spielfilms geboten, auch hochwertige Produktionen. Friedls Bemerkung, „Titanic II“ sei kein typischer Tele-5-Film, klingt dann doch erstaunlich distanziert.

Titanic II, Tele 5, Dienstag, 14.6. 2011, 20.15 Uhr


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