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Wiener Melange Christiane und Maresa Hörbiger sind erstmals gemeinsam zu sehen

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<em>Familienproduktion:</em> Die österreichischen Schauspielerinnen Maresa (links) und Christiane Hörbiger standen erstmals gemeinsam vor der Kamera. Regie führte Christiane Hörbigers Sohn Sascha Bigler. Foto: dpaFamilienproduktion: Die österreichischen Schauspielerinnen Maresa (links) und Christiane Hörbiger standen erstmals gemeinsam vor der Kamera. Regie führte Christiane Hörbigers Sohn Sascha Bigler. Foto: dpa

Osnabrück. Wie eine große Familie habe man sich gefühlt, heißt es oft nach Dreharbeiten vom Team. Doch wie ist es, wenn wirklich eine Familie gemeinsam dreht? In „Meine Schwester“ spielt Christiane Hörbiger erstmals neben ihrer Schwester Maresa. Regie führte Sohn Sascha Bigler. Mit unserer Zeitung sprach er über Wien, Kino-Nostalgie, und natürlich seine Mutter.

„Ganz normal“ sei es gewesen, mit Verwandten zu arbeiten, erzählt der 44-jährige Regisseur. „Das ist zwar eine langweilige Antwort, aber wenn die im Licht stehen, ist es wie mit anderen Kollegen. Man kennt sie ein bisschen besser. Aber man muss das klar trennen können. Egal, ob da Mutter oder Tante steht: Jeder übt seinen Job aus, that’s it.“

Nachdem Bigler 15 Jahre in Los Angeles an Filmsets gearbeitet hatte, wollte er ins Regiefach wechseln. Die Idee zu „Meine Schwester“ reichte er zunächst als 45-Minüter für einen Nachwuchswettbewerb beim ORF ein. Doch das Konzept wurde abgelehnt. „Das hat mich damals natürlich sehr getroffen“, erinnert sich Bigler. „Aber es hat sich im Endeffekt dann doch ausgezahlt.“

Auch wenn er die Geschichte nicht von Anfang an für seine Mutter geschrieben hatte, der erste Anstoß ging indirekt von Christiane Hörbiger aus. „Es gab eine Ehrung meiner Mutter mit vielen Fans und Fotos von ihr. Am nächsten Tag kam ich an einem Souvenirladen in der Wiener Innenstadt vorbei, und da standen die Fotos von dieser Ehrung. Ich fand das sehr Wien-spezifisch und dachte mir, das wäre ein gutes Milieu.“

Katharina Wallner (Christiane Hörbiger) führt eben so einen Laden für Film-Devotionalien. Der schmierige Hausbesitzer bietet ihr einen stolzen Preis, doch, wie alte Damen so sind: Sie will natürlich nicht verkaufen. Hier kommt Katharinas Schwester Hannah Laval (Maresa Hörbiger) ins Spiel. Nach langen Jahren der Trennung lässt sie sich nun wieder in Wien blicken. Hannah ist Katharinas Gegenpart in jeder Hinsicht: exzentrisch, spröde, biestig. Eine Rolle, wie man sie eigentlich von Christiane Hörbiger kennt. Umso erfrischender ist es, sie einmal leisere Töne anschlagen zu sehen. Vorbild für das Verhältnis der beiden ungleichen Damen war „der Kleinkrieg zwischen Joan Crawford und Bette Davis in „Whatever happened to Baby Jane“, verrät Sascha Bigler.

Als der unliebsame Hausbesitzer tot im Flur gefunden wird, gerät das Familiendrama zum Krimi. Mit August Zirner tritt hier ein weiterer Schauspieler auf, der eine neue Seite zeigt. Sein Kommissar Graumann ist ein ungewöhnlicher Ermittler.

„Wir haben versucht, einen Seelenverwandten für Katharina zu finden, der seinen Job nicht mehr so machen will, wie er ihn ausübt, der aber die Zwischentöne in den Menschen sieht.“ Wir, das sind Sascha Bigler und sein Co-Autor Axel Götz. Und der schwarze Humor, den die beiden hier bedienen, hebt die Geschichte in der Tat auf ein sehr unterhaltsames Niveau. Das letzte Quäntchen Originalität bringt die angestaubte, aber sehr liebenswerte Welt der Kino-Nostalgiker, die nebenbei miterzählt wird.

„In Wien gibt es diese ganzen Revival- und Nostalgie-Kinos und Leute, die sich am Sonntagnachmittag regelmäßig dort treffen und diese Filme anschauen. Die leben ein bisschen in der Vergangenheit, und das fand ich ganz charmant“, so Bigler. Das ist auch seine eigene Hommage an alte Filme: „Dominik Graf hat mal gesagt, es ist auch wichtig, dass man sich als Filmemacher mit Filmgeschichte auskennt. Das finde ich gescheit und richtig.“ Bei aller Nostalgie ist es in „Meine Schwester“ rasch vorbei mit der Beschaulichkeit, als Kommissar Graumann von Katharinas Schwester erfährt. Eine gelungene Wiener Melange aus Humor, Tragik und Spannung.


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