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Was soll das? ARD und ZDF nehmen sich mit zwei Komödien gegenseitig die Zuschauer weg


Osnabrück. Beide sind Komödien, beide sind Erstausstrahlungen, beide sind Fortsetzungen von „Pilotfilmen“, beide sind für ein ähnliches Publikum interessant – und beide laufen heute um 20.15 Uhr. Warum eigentlich nehmen sich die ARD und ZDF gegenseitig die Zuschauer weg?

„Es ist einer der großen Irrtümer zu glauben, dass wir unser Programm aufeinander abstimmen“, sagt Andrea Wich, Leiterin des Programmbüros der ARD, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir bemühen uns zwar, am Samstagabend die großen Genres Film oder Show auseinanderzuhalten. Aber in der Woche ist das weniger der Fall.“ Zwar hält sie die Doppelung der Komödien auch für „suboptimal“, aber eben auch für „nicht immer vermeidbar“.

ZDF-Planungschef Martin Berthoud verweist ebenfalls auf „produktionelle und planerische Gründe“ – und wird etwas konkreter. „Bei der ARD war der Donnerstag für 2013 als ein Show-Termin angekündigt“, teilt er mit. „Leider gelingt es nicht immer, dass wirklich Show gegen Fiction steht.“

„Stimmt“, bestätigt Andrea Wich von der ARD. „Wir sind bei einigen Shows noch in der Pilotierungsphase. Da ist es nicht so genau berechenbar, was wirklich auf Sendung geht. Und entstehende Lücken werden eben mit fiktionalen Angeboten gefüllt.“

Überschneidungen im Bereich „Fiction“ seien also nicht zu vermeiden, darin sind sich beide einig. Aber müssen es beides Komödien sein? „Wir streben an, wie etwa letzte Woche einen Krimi gegen eine Komödie laufen zu lassen“, betont ZDF-Planungschef Martin Berthoud, und Andrea Wich von der ARD erklärt die Planungsschwierigkeiten so: „Ich kenne jetzt die ZDF-Planung bis August. Aber die Informationen sind nur grob, zum Beispiel Show oder Fiction. Die Titel kenne ich meist nicht, und wenn, dann weiß ich auch nicht wirklich, was sich dahinter verbirgt.“

Dennoch: Doppelungen wie heute schaden Sendern und Zuschauern eher, als dass sie nützen. „Wie arbeiten daran, das einen Einzelfall bleiben zu lassen“, betont deshalb Martin Berthoud, während Andrea Wich eher abwiegelt. „Ich sehe das nicht so dramatisch. Zumal es ja noch mehrere Spieler als uns in der Fernsehlandschaft gibt.“

Und was sollten man sich nun ansehen? Stehen Sie eher auf „Stadt“ und „Arbeitswelt“, dann könnte das „Vorzimmer zur Hölle 3“ etwas für Sie sein. Drehorte sind im Wesentlichen die Zentrale eines Berliner Kosmetikkonzerns, Restaurants, die U-Bahn und eine durchschnittliche Etagen-Wohnung. Falls Sie dagegen „Land“ und „Freizeit“ bevorzugen, dürfte „Reiff für die Insel 2“ die bessere Wahl sein. Gedreht wurde auf einer nicht genannten Nordseeinsel, die sich schnell als Föhr entpuppt, und hat vom Watt bis zum Strandkorb, von der Inselkirche bis zur reetgedeckten Pension alles zu bieten.

Falls Sie Filme mögen, die etwas mit dem wahren Leben zu tun haben, wird es schwierig. „Vorzimmer zur Hölle“ spielt mit der Idee des Rollentausches: Seniorchefin Frieda Winter (Gila von Weitershausen) lässt sich von ihrem Psycho-Guru überreden, mal was „ganz anderes“ zu wagen, und lässt ab sofort die Chefs als Sekretäre arbeiten und die Sekretärinnen als Chefs. Man ahnt, was kommt: Der Vorstandsvorsitzende Phillip (Andreas Pietschmann) feilt die Fingernägel im Vorzimmer, während seine Freundin und Sekretärin Jule (Henriette Richter-Röhl) einen Betriebskindergarten einrichtet und eine Biokosmetik-Reihe an den Start bringt.

„Reiff für die Insel“ ist eher skurril. Denn die Jura-Studentin und Hobby-Helferin Katharina Reiff (Tanja Wedhorn) entdeckt, dass „der Kirche“ knapp die Hälfte der Insel gehört, die Pachtverträge gerade auslaufen und die Kirche dabei ist, das Land an einen Großinvestor zu verscherbeln, der aus der Insel ein Ferien-Ressort machen möchte. Als Abwracker der letzten Inselkirche wurde Pastor Alexander Larsen (Stephan Kampwirth) geschickt, der ähnlich wie Bruder Jorge aus dem „Namen der Rose“ vom Weltuntergang faselt, apokalyptische Zeichen sieht und eindeutig nicht reif für die Insel ist, sondern für die Psychiatrie. Und nebenbei kommen noch ein dümmlicher Polizist und Musik à la „Sister Act“ ins Spiel.

Fazit: Büro-Komödie oder Krimi-Komödie, seichter Humor oder laue Skurrilität. Entscheiden Sie selbst.

Reiff für die Insel: Katharina und der ganz große Fisch, ARD, 20.15 Uhr

Vorzimmer zur Hölle 3: Plötzlich Boss, ZDF, 20.15 Uhr


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