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Der törichte Tankwart

Überflieger: Stanley Beamish hat Superkräfte – aber leider nur für 60 Minuten. Foto: UniversumÜberflieger: Stanley Beamish hat Superkräfte – aber leider nur für 60 Minuten. Foto: Universum

Die 60er-Jahre waren nicht eben arm an Superhelden. Einige von ihnen werden stetig wiedergeboren: Batman, Spiderman, Superman sind aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken. Stanley Beamish hingegen, der törichte Tankwart, geriet unverdientermaßen in Vergessenheit. Außer bei den Angehörigen der sogenannten ersten Fernsehgeneration, die mit Stanley aufgewachsen sind.

Der schusselige Dienstleister war Hauptfigur der 1967 entstandenen Serie „Immer wenn er Pillen nahm“. 1970 begann das ZDF mit der Ausstrahlung, und die absonderlichen Agentenabenteuer gehörten bald zum Pflichtprogramm aller Heranwachsenden. Schon der gereimte Vorspanntext mit klassischen Versen wie „Seine große Stunde kam/Immer wenn er Pillen nahm“ war von einer Art, an der junge Menschen Gefallen finden.

Überhaupt schien der kindlich-unschuldige Stanley Beamish wie auf ein minderjähriges Publikum zugeschnitten, ebenso die Allmachtsfantasien, die sich mit dieser Gestalt verbanden: Der unscheinbare Stanley war auf weiter Flur der Einzige, der eine vom ominösen „Bureau of Secret Projects“ entwickelte Superpille vertrug. Die verlieh ihm übermenschliche Kräfte und machte ihn unverzichtbar, wenn es galt, die westliche Welt vor Unholden, Unterweltlern, Ursupatoren zu retten. Leider hielt die Kraft, die aus der Pille kam, immer nur 60 Minuten an. Spannung und Komik bezog die Serie daraus, dass Stanleys Stärke immer an der unpassendsten Stelle nachließ, was ihn und seine bürokratischen Vorgesetzten Reed und Trent zu improvisierten Aktionen zwang.

Die von der anerkannten B-Film-Größe Jack Arnold („Tarantula“) produzierte und teils auch inszenierte Serie war albern, aber nicht dumm. Die Exposition karikierte den Pillenwahn einer Ära, in der man jedem Wehwehchen und jedem Problem mit pharmazeutischen Produkten beizukommen hoffte. Sozialsatirische Einsprengsel bereicherten die mit gelungenen Slapstickszenen durchsetzten Handlungsfäden. Auch der Nonsens kommt zu seinem Recht, in Dialogzeilen wie „Hat er abgeschlossen?“ –„Ja, und zwar von innen ...“

Die deutsche Fassung betont den schieren Blödsinn noch. Verantwortlich dafür war bei den ersten 13 Folgen – die übrigen vier wurden später von RTL synchronisiert – der sprachgewaltige Altmeister Rainer Brandt, der seine schnoddrigen Sprüche auch in Serien wie „Die Zwei“ und vielen Kinofilmen anbrachte. Manches davon ging in die Umgangssprache ein. Das Wörtchen „Schnulli“ beispielsweise, mit dem Stanley Beamish im Drogenrausch seine Gegner zu demoralisieren versuchte. Hüte wurden zu „Dunstkiepen“, und auf den Schulhöfen grüßten sich Eingeweihte mit Sätzen wie „einen Fröhlichen wünsch‘ ich ...“.

Auf DVD wird das alles jetzt wieder hörbar. Sie erscheint heute – ein besonderes Datum, wie Serienkenner wissen: Stanley Beamish wurde am 17. Juli 1939 geboren. Gäbe es ihn, feierte er heute seinen 70. Geburtstag.