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Jung, frech und frei „Panorama“-Moderatorin Anja Reschke ist in der ARD die Frau für alle Fälle

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<em>Zwei Kinder</em> und jede Menge Sendungen bringen Anja Reschke nicht aus der Ruhe. Foto: Thomas OsterfeldZwei Kinder und jede Menge Sendungen bringen Anja Reschke nicht aus der Ruhe. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Moderatorin bei „Panorama“, „Wissen vor acht – Zukunft“, „Zapp“, Mitglied des Prominenten-Rateteams der HR-Quizsendung „strassen stars“ und zudem noch eines der wenigen weiblichen Jurymitglieder des Henri-Nannen-Preises: Anja Reschke ist eine viel beschäftigte Journalistin und zudem zweifache Mutter. Wie sie das alles schafft, erzählt sie unserer Zeitung.

Eine gewisse Dauerpräsenz ist unbestreitbar: Vom bekannten NDR-Medienmagazin „Zapp“ über die lockere HR-Quizsendung „strassen stars“ bis hin zu „Wissen vor acht – Zukunft“ in der ARD ist Anja Reschke aktuell auf dem Bildschirm präsent. „Meine Homebase ist aber ,Panorama‘“, betont sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ihre Heimat liegt jedoch im Süden, genauer gesagt in München. Dort wurde Reschke 1972 geboren und war später neben ihrem Studium der Politikwissenschaften, Geschichte und Sozialpsychologie als Reporterin für Antenne Bayern tätig. Erst 1998 verschlug es sie für ein Volontariat beim NDR nach Hamburg.

Seit dessen Ende im Jahr 2000 arbeitet sie für das mit über 50 Jahren älteste Politikmagazin im deutschen Fernsehen. Im Jahr 2001 wurde sie dort mit nur 28 Jahren Moderatorin: „Der Grund war, so jedenfalls habe ich es gehört, dass man mich wohl jung und frech fand und sich damit auch mehr jüngere Zuschauer erhofft hat, weil ich ja schließlich erst 28 war. Das war und ist für ein Politikmagazin schon sehr außergewöhnlich.“

Natürlich gab es Bedenken, die Reschke „im Nachhinein nachvollziehen kann. Damals sah ich das natürlich nicht so“, sagt sie und lacht. „Aber wenn ich heute zurückdenke, finde ich, dass eine gewisse Erfahrung nicht schlecht ist.“

Reschkes Moderation markierte jedoch auch einen Paradigmenwechsel bei „Panorama“: „Ich bin vollkommen ohne Links-rechts-Denken aufgewachsen und habe damit vermutlich den Bruch weg vom klassisch ideologisch gefärbten Politikmagazin vollzogen.“ Klassisch ideologisch ist es tatsächlich nicht mehr, über was und auch wie bei „Panorama“ berichtet. Zudem ist nicht mehr jedes Thema ein Aufreger – doch dieses Schicksal teilt „Panorama“ mit vielen Magazinen.

Trotzdem schafft es Reschke vor allem durch das Format „Panorama-Reporter“, großes Interesse beim Publikum zu wecken. Die Themen für die Sendung – ob Scripted-Reality-Schmu in Doku-Soaps oder die Machbarkeit der geplanten Energiewende – werden umfassend und dabei gut verständlich in 30 Minuten aufbereitet. Zudem sehen die Zuschauer neben den Ergebnissen der Recherche auch Reporterin Reschke bei ihrer Arbeit, Großaufnahmen inklusive.

Von derlei positiver Medienpräsenz wollen auch andere profitieren, und vielleicht ist dies einer der Gründe dafür, dass die Frau für alle Fälle Anfang Mai in die 15-köpfige Jury des Henri-Nannen-Preises berufen wurde – als Jüngste und eine von nur drei Frauen. Reschke vermutet aber noch einen anderen Grund für ihre Wahl: „Grundsätzlich besteht wohl der Wunsch der Jury, jemanden von außerhalb zu haben. Ich bin völlig unabhängig, gehöre zu keinem Verlagshaus muss nicht auf eventuelle Interessen achten.“

Unabhängig ist Reschke auch vom NDR, für den sie als freie Autorin arbeitet – eine bewusste Entscheidung, die für sie viele Vorteile hat: „Es hält mich irre wach. Denn in der Regel machen beim NDR eher die Freien die Beiträge, während die Festangestellten mehr redaktionell arbeiten. Und ich wollte lieber unterwegs sein, Geschichten erleben und erzählen.“

Ein weiterer positiver Aspekt ist die Flexibilität, die ihr Job in Bezug auf das Privatleben bietet. Das ist mit zwei kleinen Kindern – verheiratet ist Reschke mit NDR-Sportreporter Henning Rütten – kaum weniger stressig als ihr Job. „Ich habe Zeiten, in denen ich wahnsinnig viel arbeite und kaum zu Hause bin. Dann schmeißt mein Mann den Haushalt. Umgekehrt arbeite ich weniger und verzichte beispielsweise auf Drehreisen, wenn mein Mann als Sportjournalist mehrere Wochen bei Großveranstaltungen wie den Olympischen Spielen unterwegs ist.“ Für die Kinder sei es jedenfalls „ganz selbstverständlich, dass Mami und Papi arbeiten“. Und wo ist bitte der Haken? „Es gibt sicher ordentlichere Haushalte als meinen“, sagt sie und lacht.


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