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Nicht jammern, machen! „Emotion“: Selfmade-Verlegerin Katarzyna Mol hat ein Konzept für Frauen

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Weiterentwickeln – so lautet das Erfolgsrezept von Katarzyna Mol. Foto: Konstanze WildWeiterentwickeln – so lautet das Erfolgsrezept von Katarzyna Mol. Foto: Konstanze Wild

Osnabrück. Eines ist Katarzyna Mol besonders wichtig, das klingt im Gespräch an vielen Stellen durch: sich weiterzuentwickeln, das Beste aus dem zu machen, was einem gegeben ist. Dabei wirkt die Herausgeberin keineswegs verbissen, sondern offen, interessiert und auf das Gute ausgerichtet. So kaufte sie mit 35 Jahren dem Verlag „Gruner + Jahr“ die Zeitschrift „Emotion“ ab. Mitten in der Medienkrise, ohne eigenes Kapital.

Ihre positive Grundeinstellung habe sie von ihrer Mutter, sagt die promovierte Juristin, Jahrgang 1974. Jung klingt ihre Stimme, ganz leicht rollt Katarzyna Mol das „R“. Und so klingt ihre Heimat auch nach mehr als 30 Jahren in Deutschland noch durch.

Mit sieben Jahren hat sie Polen verlassen. Verlassen müssen. Denn ihre Mutter war Anhängerin der Solidarnosc, jener Gewerkschaft, die entscheidend an der politischen Wende Polens mitwirkte. Ein Bekannter hatte Mols Mutter 1981 verraten, dass sie in wenigen Tagen verhaftet werden sollte.

Zwei Tage nach diesem Tipp machte sich Krystyna Mol gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter auf den Weg nach München. Hier hielt sich die Ingenieurin zunächst als Küchenhilfe über Wasser. Nach und nach arbeitete sie sich zurück in ihr Fach, bildete sich weiter, wurde Laborleiterin und machte in einem Land Karriere, dessen Sprache sie erst noch lernen musste. „Ich wollte die Geschichte meiner Mutter aufschreiben, die voller Optimismus und Mut ist“, erzählt Katarzyna Mol. Kürzlich hat sie ihre Autobiografie veröffentlicht, in der sie detailliert ihre Kindheit in Polen, die Flucht, das Erwachsenwerden und ihren Einstieg ins Verlagswesen schildert. Außerdem wollte Mol Frieden schließen mit ihrem Vater, zu dem sie ein schwieriges Verhältnis hatte. Von dem alkoholkranken Mann hatte sich Mols Mutter getrennt, einige Zeit, bevor sie nach Deutschland aufbrach.

„Es lag mir am Herzen, die Lebenseinstellung meiner Mutter weiterzugeben. Zu zeigen, wie wichtig es ist, sich nicht als Opfer zu sehen, sondern zu begreifen, dass man viel verändern kann“, sagt Mol. Aus diesem Grund reichte es ihr nicht, ihre Geschichte für sich aufzuschreiben, sie wollte sie veröffentlichen. Seit ihrem Abitur hatte sie diesen Plan.

Sie habe einfach die Bilder aufs Papier gebracht, die sie im Kopf hatte. Dadurch habe sie vieles klären, vieles loslassen können, das sei ihr Motor beim Schreiben gewesen. Ihre Mutter war von der Idee nicht begeistert. „Sie hätte das Buch nicht gebraucht, hat aber verstanden, wie wichtig es für mich ist.“ Mit großer Offenheit schildert Katarzyna Mol ihr Leben, in der Überzeugung, ihre Geschichte auf diese Weise glaubwürdig zu transportieren. „Ich bin keine Schriftstellerin“, sagt Mol, die in dem Buch auch schildert, wie sie dazu kam, die Zeitschrift „Emotion“ vom Verlag „Gruner + Jahr“ zu kaufen.

Eine Zeitschrift, in der sie das transportiert, was ihr wichtig ist. „Es ist ein eigenständiges Konzept für Frauen, die sich beruflich und persönlich weiterentwickeln wollen.“ Die Hefte sollen als Inspirationsquelle dienen und Frauen helfen, sich selbstbewusst so zu geben, wie sie sind. „Es macht erfolgreicher, wenn man seine Stärken kennt und sie deshalb besser einsetzen kann.“ Ein Ratgeber hingegen sei die Zeitschrift nicht, an der Mol im Hintergrund mitwirkt. Das Redaktionelle bestimme die Chefredakteurin Dorothee Röhrig mit ihrem Team.

Seit Kurzem gibt Mol eine zweite Zeitschrift heraus. „Hohe Luft“ heißt sie. „Sie wurde entwickelt für Menschen, die Lust haben zu denken.“ Aus philosophischer Perspektive diskutieren die Autoren unterhaltsam und anspruchsvoll Fragen zu Freiheit, Finanzkrise, Patientenverfügung, Glück oder, wie in der ersten Ausgabe, zum Gebot „Du sollst nicht lügen“. Und wenn Katarzyna Mol sagt: „Die ,Hohe Luft‘ lädt ein zu einem guten Gespräch bei einem Glas Rotwein“, hat sie wieder Menschen im Blick, die sich weiterentwickeln möchten.

Sie selbst hat nach ihren Erfolgen Ziele, die sie weiterführen. Sie möchte ihren Verlag voranbringen, ihre Zeitschriften weiterentwickeln, den Vertrieb verbessern und Events anbieten. „Natürlich haben wir nicht nur Print im Blick“, betont Katarzyna Mol, die mit allem, was sie tut, zur Botschaft ihres Buches beiträgt. Die lässt sich in drei Worten auf den Punkt bringen: Nicht jammern, machen.

Katarzyna Mol. Mit dem Herz in der Hand. Eine Geschichte über die Freiheit, das Glück, meine Mutter und mich. Ludwig Verlag 2012, 320 Seiten. 19,99 Euro.


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