„Meine schwerste Rolle“ Christiane Hörbiger spielt eine Trinkerin, gesteht eine Pralinen-Fressattacke und wünscht sich einen Mops

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Die Rolle einer Alkoholikerin im ARD-Drama „Wie ein Licht in der Nacht“ (26.4.) bezeichnet Christiane Hörbiger als ihre bislang schwerste Fernseharbeit. Foto: ARDDie Rolle einer Alkoholikerin im ARD-Drama „Wie ein Licht in der Nacht“ (26.4.) bezeichnet Christiane Hörbiger als ihre bislang schwerste Fernseharbeit. Foto: ARD

Hamburg. Die Lokalität ist der Gesprächspartnerin angemessen – der Raum des Hamburger Hotels „Vier Jahreszeiten“, in dem Christiane Hörbiger zum Interview empfängt, ist so groß, dass man dort ein Tischtennisturnier austragen könnte. Die „Grande Dame“ spricht über ihre schwerste Fernsehrolle – als Trinkerin im ARD-Film „Wie ein Licht in der Nacht“ (Dienstag, 26.4.) –, gesteht eine Pralinen-Fressattacke und benennt ihren bislang geheimen Wunsch: einen Mops:

Frau Hörbiger, Sie haben im März ein Familienprojekt der besonderen Art abgeschlossen – den ersten gemeinsamen Film mit Ihrer Schwester Maresa, bei dem Ihr Sohn Sascha Bigler das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat. Ein ganz besonderer Film für Sie?

Ja, auf jeden Fall. Es war ein ausgezeichnetes Buch, und die Dreharbeiten waren so friedlich, das können Sie sich gar nicht vorstellen. Es ist der erste große 90-Minüter meines Sohnes für die ARD, und er hat mit seiner Begeisterung und Euphorie das ganze Team angesteckt. Mal sehen, was dabei herauskommt – ich habe ein sehr gutes Gefühl.

Woran hat es gelegen, dass Sie erst jetzt mit Ihrer Schwester einen Film gedreht haben?

Bislang ist offenbar niemandem etwas eingefallen. Maresa und ich haben nie in einem Konkurrenzverhältnis gestanden, da ich ja am Züricher Schauspielhaus Theater gespielt habe und meine Schwestern Maresa und Elisabeth Orth am Burgtheater in Wien waren.

Wie war es denn für Sie als Mutter, in einem Film zu spielen, bei dem Ihr Sohn Regie führt, also der Chef im Ring ist?

Ich wusste wohl, dass er Drehbücher schreiben kann. Aber ich war sehr überrascht, wie viel er psychologisch von Menschen im Allgemeinen und von Schauspielern im Speziellen versteht.

Meldet sich da nicht gelegentlich der Mutterinstinkt, der dem Kind sagen will, wo es langgeht?

Nein, um Gottes willen, nicht bei der Arbeit. Ich selbst hatte nie Ambitionen, Regie zu führen, und kann auch nicht wirklich schreiben. Er hat es aber gelernt und sehr gut umgesetzt.

Sind Sie eine pflegeleichte Schauspielerin für Regisseure?

Ich bin sogar absolut regiehörig, was damit zu tun hat, dass ich am Theater erzogen worden bin. Ich hatte das Glück, mit einigen der ganz Großen zusammenzuarbeiten, und da war es selbstverständlich, dass man sich dem Regisseur untergeordnet hat. Ich habe niemals gegen ein Regiekonzept rebelliert, höchstens mal gegen die Direktion.

Götz George arbeitet ausgesprochen gern mit jungen Regisseuren. Würden Sie das unterschreiben?

Absolut, auch wenn ich niemanden vor den Kopf stoßen will, der über 50 ist. Aber Florian Baxmeyer, mit dem ich „Wie ein Licht in der Nacht“ gedreht habe, war ein absoluter Glücksfall. Ich war überrascht, wie er und auch mein Sohn meinen Humor verstehen. Diese Freude und Begeisterungsfähigkeit junger Regisseure überträgt sich auf die Schauspieler. Junge Regisseure sind etwas Gutes, wenn sie nicht gerade Nägel kauend morgens am Catering stehen und nicht wissen, wie die erste Einstellung aussehen soll.

Im deutschsprachigen Raum gibt es wohl keine Frau, die häufiger als „Grande Dame“ bezeichnet wird als Sie. Ist das nicht interessant?

Ich verstehe es auch nicht, aber ich nehme es als Kompliment.

Sind Sie eitel?

Ich lege großen Wert auf gutes Aussehen, das gehört einfach zu meinem Beruf dazu.

War der Film „Wie ein Licht in der Nacht“ für Sie auch eine Überwindung von Eitelkeit? Sie sind da in Szenen zu sehen, in denen sich eigentlich niemand gern sehen lässt.

Sie haben den Film hoffentlich nur auf DVD gesehen. Ich habe ihn beim Hamburger Filmfest auf der großen Leinwand gesehen. Und glauben Sie mir: Ich habe das Händchen von Produzent Markus Trebitsch festgehalten und gedrückt. Aber was soll’s: Entweder sagt man „Ja“ oder „Nein“ zu einem solchen Film. Wenn man „Ja“ sagt, muss man auch die Wahrheit sagen und zeigen, wie es ist, wenn jemand ganz am Boden ist. Stellen Sie sich vor, es wäre gefällig fotografiert – das wäre ja nur peinlich gewesen.

Als Harald Juhnke den „Trinker“ spielte, sagten alle: Wer, wenn nicht der? Aber die Rolle der Alkoholikerin Carla Binder mit Ihnen zu besetzen war nicht unbedingt naheliegend.

Ich glaube, Markus Trebitsch traut meinen schauspielerischen Fähigkeiten – (erhebt die Stimme) mehr als Sie vielleicht.

Haben Sie gezögert, die Rolle anzunehmen?

Nicht im Geringsten. Sie können mir glauben, dass viele Kolleginnen das gern gespielt hätten, weil so eine Rolle die Möglichkeit gibt, alle Facetten zu zeigen – von nüchtern bis überdreht, vom Belügen anderer bis zum Lügen sich selbst gegenüber. Als ganz hart für den Zuschauer finde ich die Szene, in der Carla von ihrem Ex-Mann zurückgewiesen wird, als sie ihn küssen will. Das ist für eine Frau natürlich nicht angenehm, das tut weh, und das muss auch wehtun.

Sie haben die Rolle auch angenommen, weil Sie zum Produzenten Markus Trebitsch vollstes Vertrauen haben. Was hätte ein anderer Produzent falsch machen können?

Es auf die heitere, oberflächliche Art zu inszenieren, es gefällig zu machen. Und nicht einen so wunderbaren Kameramann wie Wedigo von Schultzendorff engagieren.Egal, welche Rolle Sie spielen – Sie strahlen immer eine gewisse Würde aus. Diesmal geht es aber um den Verlust der Würde. Ist Ihnen das schwergefallen?Gar nicht, ich bin schließlich Schauspielerin.

Befürchten Sie, Ihr Stammpublikum mit dieser Rolle zu verschrecken?

Ich hoffe, dass das nicht passiert, obwohl ich auch schon daran gedacht habe. Aber der Titel des Films, „Wie ein Licht in der Nacht“, signalisiert ja schon das Happy End, das man sich als Trinkerin selbst erarbeiten muss. Als ich letztes Jahr eine Krebskranke gespielt habe, hat mich das Publikum auch nicht verlassen. Ich hoffe, dass die Leute auch diesmal neugierig sind, und ich weiß, dass es ein sehr guter Film ist. Ich bin stolz darauf und froh über dieses großartige Drehbuch.

Es gibt Szenen, in denen Sie morgens ungeschminkt und völlig verkatert aufwachen. Haben Sie so etwas jemals zuvor gespielt?

Nein, so etwas habe ich noch nie gespielt.

Sie haben die Rolle als die intensivste Ihres Lebens bezeichnet – war es auch die schwerste?

Auf der Bühne habe ich schwerere Rollen gespielt, aber das kann man nicht vergleichen. Im Fernsehen war es wohl meine schwerste Rolle.

Sie trinken in dem Film ja ungeheuer viel – was war denn eigentlich in den Gläsern?

Wunderbarer, herrlicher Tee, immer ein bisschen angewärmt, damit mein Magen ihn auch verträgt. Und als Weißwein haben wir ganz hellen Apfelsaft genommen. Und dann gibt’s ja noch alkoholfreien Champagner aus diesen bunten Flaschen, der schmeckt allerdings kläglich.

Was trinken Sie denn selbst gerne?

Alkoholfreies Bier. Das ist köstlich.

Ein Fernsehkommissar geht zur Polizei, wenn er sich informieren will. Bei wem erkundigt sich die Fernsehtrinkerin?

Ich beobachte in Hotelhallen und -bars. Sie müssen sich aber nicht vorstellen, dass ich drei Wochen vor den Dreharbeiten angefangen habe zu beobachten, sondern das tue ich schon jahrelang. Das kann durchaus auch mal im Freundeskreis beim Heurigen sein, wenn man merkt, dass da jemand dieselbe Anekdote schon zum dritten Mal erzählt und die Pointe nicht besser wird.

Carla Binder versinkt im Alkoholismus, nachdem sie aus dem Berufsleben ausgeschieden ist. Können Sie sich vorstellen, dass es für Sie mal eine Zeit nach dem Berufsleben geben wird?

Bestimmt nicht ganz. Ich werde natürlich in die zweite oder sogar dritte Reihe gehen müssen, aber ich möchte nicht mit Krampf Hauptrollen spielen, in denen mich kein Mensch mehr sehen will. Aber wenn ein sehr guter Regisseur sagt, er brauche eine alte Dame im Rollstuhl, würde ich wahrscheinlich nicht ablehnen. Aber ich möchte nicht mehr auf der Bühne stehen. Ich habe unendlich viel dem Theater gedient.

Gestatten Sie mir gegen unsere Absprache eine private Frage: Haben Sie eigentlich ein Laster, einen Spleen, eine Marotte?

Ja, habe ich. Ich hatte gestern einen Marathontag mit etlichen Interviews. Danach wollte ich mich belohnen, bin durch Hamburg spaziert und habe nach etwas gesucht, das ich mir kaufen kann. In eine weiße Jeans habe ich nicht hineingepasst, da sah ich aus wie eine Kiste. Und da habe ich mir gedacht: Es ist jetzt vollkommen egal, was ich tue – und ging zu Leysieffer, habe mir ein halbes Kilo Pralinen und noch eine Extrapackung Himmlische gekauft. Damit habe ich mich abends vor den Fernseher gesetzt und die Hälfte davon verspeist. Heute Morgen hatte ich auf der Waage ein Kilo mehr. Das ist mein Laster.

Haben Sie als Schauspielerin noch eine Sehnsucht?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe großes Glück gehabt in meinem Leben und durfte alles spielen, was ich wollte, unter anderem jetzt die Carla Binder. Über eine gute Lustspielfigur würde ich mich noch freuen, das wird mir wohl auch noch gelingen.

Gibt es eine Sehnsucht abseits der Schauspielerei?

Ich verrate Ihnen jetzt ein ganz großes Geheimnis: Ich wünsche mir von ganzem Herzen einen Mops, einen blonden Mops. Ich habe ihn schon aus Stoff, in Groß und in Klein. Aber ich wünsche mir einen aus Fleisch und Blut. Der sitzt dann bei mir auf dem Schoß und sieht mit mir fern. Das wünsche ich mir so sehr, aber was mache ich nur mit dem Tier, wenn ich fünf Wochen lang drehe? Ich kann ihn nicht im Hotel lassen, während ich arbeite, und ich kann auch nicht die Garderobiere damit beauftragen, den ganzen Tag auf ihn achtzugeben, das wäre ja eine Zumutung. Meinen Mann will ich auch nicht damit belasten. Da muss ich mir noch etwas einfallen lassen. Ich habe aber noch einen zweiten Wunsch: Ich würde gern mit der „Queen Mary“ von New York nach Hamburg fahren – das ist ein Luxuswunsch, der erfüllbar ist.

Da könnte auch der Mops mitfahren.

Stimmt, der Mops könnte mit. Das wäre schön.


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