Selfie-Fragebogen Lucas Englander: Ich war sexistisch, patriarchalisch und egosüchtig

Lucas Englander, Star der Comedy-Serie "Parlament", geht hart mit sich ins Gericht.Lucas Englander, Star der Comedy-Serie "Parlament", geht hart mit sich ins Gericht.
Lucas Englander

Berlin. Ende des Monats spielt Lucas Englander in der Serie „Parlament“. Vorher geht er im Fragebogen hart mit sich ins Gericht.

Interviews gehören zum Alltag von Prominenten und Journalisten. Die einen trauen sich nie, ihre besten Fragen zu stellen. Die anderen lavieren rum. Schluss damit! Im Selfie-Interview beantworten unsere Gesprächspartner Fragen, die ans Eingemachte gehen – und liefern das Beweisbild gleich mit.

Heute antwortet Lucas Englander. Der Schauspieler, der schon in Hits wie „The Witcher“ zu sehen war, gehört zum Cast der Serie „Parlament“. Ab dem 29. September ist die Polit-Comedy in der ARD-Mediathek verfügbar; ab dem 6. Oktober läuft „Parlament“ dann linear bei ONE.  

Herr Englander, was ist die schlimmste Eigenschaft von Menschen Ihres Berufs?

Dass wir oft glauben, wir müssen uns anderen beweisen. Das überträgt sich schnell aus Situationen wo's hilfreich ist in den Alltag. Dabei müssen wir doch bloß hier sein. Passiert  mir auch manchmal in unnötigen Situationen.  

Was können/konnten Ihre Großeltern, was Sie nicht können? 

Billige Miete zahlen.

Mit welchem Tier teilen Sie Ihr Leben?

Einer Friedenstaube, ich hab sie am WC meiner Eltern gefunden und seitdem ist sie irgendwie Teil von mir geworden. Die ist noch ziemlich jung. Ich glaub, die bleibt länger. 

Was ist das Ekligste, das Sie jemals im Mund hatten?

Lamm. Wenn ich mir vorstelle, dass das ein junges, kleines Lebewesen ist, das sich auf den Tag freut, versteh ich die Welt nicht mehr. 

Haben Sie schon mal unfreiwillig auf der Arbeit geweint?

Note to self: if your emotion doesn't actively hurt anybody, let it out.

Wie beliebt waren Sie in der Schule?

Gibt's das überhaupt wirklich? In der Schule beliebt sein? Oder hat man einfach Freundeskreise und der Rest sind Trends, denen man glaubt zugehören zu müssen, obwohl  man ja eigentlich machen dürfte, was man selbst wirklich will. Das wurde mir zu wenig  beigebracht, in der Schule. Also hab ich eine lange Zeit versucht beliebt zu sein. 

Was war das Schlimmste an Ihrer Pubertät?

Ach, die Bildung. Zu viele Meinungen und zu wenig offener Dialog über Themen. Bis ich circa 24 war, war mir noch gar nicht klar, was für ein sexistischer, patriarchalischer, egosüchtiger Mensch ich war. Ich lern das auch heute noch. Mehr und mehr. Jeden Tag. Ich wünsche allen den offenen Dialog. Vor allem in der Bildung von Jugendlichen. Und bitte nicht nur von weißen Männern und weißen Frauen mittleren Alters. NO OFFENSE. 

Lucas Englander


Wie verändert Alkohol Ihre Persönlichkeit?

Das kommt auf die Situation an, aber an sich bin ich ein Fan davon nicht zu trinken und einfach zu vertrauen, dass man auch so mit Freunden und Fremden frei sein kann. 

Wie verändert der Straßenverkehr Ihre Persönlichkeit?

Kommt auf die Musik und den Ort an. Ich sollte wahrscheinlich aber keinen Italienischen Elektro Pop aus den 2000'ern mehr auf der Autobahn hören, wenn ich der Fahrer bin. Kommt nicht so gut an, hab ich gehört. 

Lucas Engländer


Mit wem würden Sie gern mal verwechselt werden?

Einem zwölfbeinigen bunten Drachen, der auf einem Skateboard über eine Bananenschale aus Mario Cart einen Kickflip macht, während er wie Baby Groot schreit und wie Donkey Kong lächelt oder wie Jack Nicholsons Joker – die beiden lächeln ziemlich ähnlich, falls das noch keinem aufgefallen ist. 

Lucas Englander


Was sehen Sie, wenn Sie aus Ihrem Fenster gucken?

Blumen, Basilikum, Himmel, hoffentlich bleibend wenige Kondensstreifen und mehr Insekten.

Wofür würden Sie auf keinen Fall Werbung machen?

Jegliche Marken, die der Umwelt schaden oder Menschen unwürdige Löhne zahlen, während die Firmen selbst wenig bis nichts in Ländern versteuern und auf Grund von billigem Warenhandel kleinere Betriebe in die Armut drängen. Weg mit den BIDS, her mit den Artisanen/innen.

Wie gut behandeln Sie Ihre Zimmerpflanzen?

Gut, wobei ich mit unserem Basilikum etwas mehr reden muss.

Was ist die übelste Ecke bei Ihnen im Haus?

Meine Achsel, wenn ich zu viel Stress hab und vergesse, wie ich wieder runterkomme.

Welchen Tweet, Facebook- oder Instagram-Post bereuen Sie?

Noch keinen. Ich denk, wir sollten die sozialen Medien besser strukturieren/kontrollieren und dafür sorgen, dass wir den öffentlichen Diskurs wieder mehr durch öffentliche Institutionen und Versammlungen führen, als durch private Meinungen, die schnell einem Bubble-Hype ausgesetzt werden sowie zu einer Meinungshetze führen können anstatt einer Diskussion von Mensch zu Mensch. 

Was ist das Beste, das über Sie in Social Media geschrieben wird?

Für mich sind die besten Momente, wenn ich von den Konversationen mit anderen etwas lerne oder selbst in der Position sein darf, einem Menschen etwas mitzugeben. Das soll nicht belehrend sein, sondern durch einen laufenden Austausch. Talk, jam, word dance. 

Was ist das Schönste an Ihnen?

Das sanfte Zucken meines linkes Deltoid Muskels am Montagmorgen um 6:30 früh, kurz bevor die Tauben beginnen zu gurren, kurz bevor die Müllabfuhr versucht, mir die Woche als einen grässlichen klangfeindlichen Alptraum vorzustellen, kurz bevor selbst mein geliebter Kamerad Deltoid mich in die zitternde Anspannung der zerbrechenden Glasflaschen entführen möchte. 

Was würden Sie gern an sich ändern?

Ich merke immer wieder, wie das Patriarchat und die neoliberale Konkurrenzgesellschaft doch noch einige große Reste in mir hat. Ich würde unter anderem gerne ablegen, manchmal das Gefühl zu haben, stark sein zu müssen, oder eloquent, überzeugend sein zu müssen. Da helfen mir die Menschen um mich herum sehr. Es geht um's Thema. Es geht nicht um mich. Dieser Satz hilft mir immer wieder aus meinem Ego raus. 

Lucas Englander


Womit nerven Sie Ihre Kollegen?

Hakuna matata.

Wie hat Geld oder seine Abwesenheit Ihr bisheriges Leben geprägt?

Ich bin mit einer Cent-umdrehenden Mutter aufgewachsen, die mir beibrachte, auf sehr engem Rahmen zu leben und glücklich zu sein mit dem, was man hat. Das hat mir oft  geholfen, vor allem als nichts da war. Es hat mich aber auch davon abgehalten, als Geld dann doch da war, es auszugeben. In die Zukunft blickend möchte ich lernen, das Leben auch materiell mehr zu genießen. Ich rede von Reisen und gutem Essen, nicht von Autos und teuren Dingen – nur damit das klar ist. 

Welches unterschätzte Werk verdient mehr Aufmerksamkeit?

Alles was Gaspar Noé macht verdient mehr Aufmerksamkeit, genauso wie die Filme von Stepan Altrichter, oder Marc Fitoussi, sowie die Werke der britischen Sängerinnen Joy Crookes, Pip Millet, Greentea Peng, die Band Pelicandy, die Künstlerin Cibelle sowie Erika Lust oder Michaela Coel. Langsam öffnet sich die kommerzielle Kunstkultur dem Zeitgeist, während dieses Geisterwesen nackt über die Kontinente fliegt. 

Bei welchem Buch haben Sie mittendrin aufgegeben?

Meinem eigenen ersten Roman.

Wovor hatten Sie als Kind Angst?

Dem Essen meines Kindergartens.

Wovor haben Sie heute Angst?

Zuviel in die Zukunft und Vergangenheit zu blicken. Jetzt. Ich bin hier.

Was haben Sie in Ihrem Leben verpasst?

Ach, diese Schei** Videospiele, diese verdummenden Drecksvideospiele haben mir Jahre meiner Jugend weggenommen. Was ich verpasst hab weiß ich nicht, aber diese dummen schei** Videospiele.. außer Mariokart und die poetischen Spiele, die zum Beispiel viel in Tschechien gemacht werden. ABER DOCH NICHT JEDEN TAG UND DOCH NICHT MEHR ALS EINE STUNDE, VERDAMMT NOCH MAL, DU KOMMERZKAPITALISMUS OHNE ETHIK! 

Lucas Englander


Was bringt Sie zum Weinen?

Heroisches Verhalten von allen Lebewesen. Sich für andere einsetzen, ob ein Hund ein anderes Lebewesen aus einer Falle zieht oder ein Mensch sich vor einen Panzer stellt. Herois. 

Wovon handelte der letzte Traum, an den Sie sich erinnern?

Vom dritten Weltkrieg, der plötzlich Filme wieder in direkte Propagandamittel verwandelte.

Welches Erinnerungsstück aus Ihrer Kindheit bewahren Sie auf?

Meine Mom hat mich schon ziemlich cool angezogen.

Wer kann alles, was Sie selbst gut können, noch besser?

Vergleiche helfen dem eigenen Wachstum nur in einem co-kreativen Zusammenspiel der Parteien, bei dem das Thema und nicht man selbst im Mittelpunkt steht. 

Wie möchten Sie sterben?

In einem hoffentlich lustigen oder poetischen und nicht traumatischen Moment über den meine Geliebten nach der Schmerzverarbeitung lachen oder glückselig gemeinsam sein können. 

Lucas Englander


Wie stellen Sie sich Gott vor?

Wie unendliche Liebe und Empathie. Ohne Verkörperlichung, ohne Geschlecht, ohne Vermenschlichung. Das ist paradox. Trotzdem, irgendwo dort in etwas, was nicht kulturell ist, etwas, das einfach da ist ohne Meinung, da findet mich Gott ab und zu. 

Was für ein Tier wollen Sie in Ihrem nächsten Leben werden?

Hab ich schon von meinem grinsenden zwölfbeinigen Drachen auf einem Skateboard erzählt...? 

Möchten Sie uns noch etwas sagen?

It's only good if Enno says it's good.

Lucas Englander




Mehr Fragebögen


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN