Künstler aus Kanada Für Folkpop-Feinschmecker: Aidan Knights viertes Album

Von dpa

Aidan Knight meldet sich mit einem neuen Album zurück beim Publikum.Aidan Knight meldet sich mit einem neuen Album zurück beim Publikum.
full time hobby

Berlin. Ein Singer-Songwriter, der seine Einflüsse offen vorzeigt, ohne dass es peinlich wird: Aidan Knight balanciert auch auf dem vierten Album elegant zwischen respektvoller Verbeugung und Eigenständigkeit.

Man tritt Aidan Knight sicher nicht zu nahe, wenn man ihn stilistisch zwischen Neil Young, Nick Drake, Randy Newman und den Beatles (genauer: George Harrison) verortet. Sein neues Album führt diese Haupteinflüsse wunderbar zusammen, ohne dass der Musiker als billiger Epigone rüberkommt.

Das selbstbetitelte vierte Werk des Songwriters aus der Region Vancouver (Kanada) ist etwas für Folkpop-Feinschmecker. „Aidan Knight“ (Full Time Hobby/Rough Trade) lebt von einer hauchzarten Produktion, die aber auch Opulenz und britzelnde E-Gitarren-Akzente nicht scheut - sowie von der verträumten, weichen Stimme des Mittdreißigers (ach ja, in diesem Zusammenhang wären noch Landsmann Andy Shauf und Elliott Smith als Vergleiche zu nennen).

Im einzelnen lassen sich die großen Vorbilder Randy Newman (in der schönen Piano-Ballade „These Days“), die Beatles (beispielsweise das Zitat von „Don't Let Me Down“ am Ende von „Slacker II“), Nick Drake (in „St Kierans“) und Neil Young („Houston TX“ als Quasi-Remake von „Old Man“) deutlich heraushören. Macht aber gar nichts, weil der Wahl-Berliner Knight diese Anklänge so kunstvoll in einen angestammten Sound einwebt, den er seit rund zehn Jahren pflegt.

Schon auf dem Vorgänger „Each Other“, dem dritten Knight-Album seit 2010, hatte der Kanadier seinen melancholischen Folkrock zu erhabener Cinemascope-Größe entwickelt. Klavier und Keyboards, Bläser und Streicher polsterten die Stücke aus, ohne dass die Arrangements überzuckert oder unangenehm üppig klangen.

Das einzige Problem dieses hochsympathischen Musikers, auch mit der neuen Platte: Im eng besiedelten Feld des Indie-Folk hat er keine echten Alleinstellungsmerkmale. Die Qualität der Songs und solides Handwerk machen das aber schließlich wett: „Aidan Knight“ ist eines der stärksten Singer-Songwriter-Alben dieses Spätsommers.


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