Soulstimme Liebesfreuden, Liebesleid: Roachford tut, was er kann

Von dpa

Der britische Popmusiker Roachford hat ein neues Album: „„Twice In A Lifetime“.Der britische Popmusiker Roachford hat ein neues Album: „„Twice In A Lifetime“.
Sharon Foley/BMG/dpa

Berlin. Texte waren nie die große Stärke von Roachford - seine Stimme aber durchaus. Auch auf dem neuen Album fesselt die soulige Performance des Briten, wenn er die Liebe und nichts als die Liebe besingt.

Er hat immer noch eine der besten schwarzen Stimmen Großbritanniens, dieser inzwischen 55 Jahre alte Andrew Roachford. Und das weiß er.

„Ich könnte auch eine Soul-Version von Mozart machen oder von Beethovens fünfter Sinfonie. Das ist irgendwie ein Geschenk, das ich in mir habe.“ So beschrieb der Sänger - vor rund 30 Jahren Hitgarant mit souligen Popsongs wie „Cuddly Toy“, die Stil-Puristen aber nicht immer begeisterten - seine Gabe mal im Deutschlandfunk.

Anhänger von lupenrein afroamerikanischem Soul mit tiefschürfenden, möglichst sogar gesellschaftskritischen Texten könnten auch am Comeback-Album „Twice In A Lifetime“ manches auszusetzen haben. Denn Roachford ist kein zweiter Curtis Mayfield oder Marvin Gaye. Die Zeilen, die er in den neuen Lieder singt, sind schlicht, wenn nicht gar banal: „High On Love“, „Love Remedy“, „Too Much To Lose“, „The Truth Hurts Too Much“, „Gonna Be The One“, „You're The One“ - so geht es in einem fort um Liebesfreuden, Liebeskummer, Liebesleid.

Was dieses Album, den Nachfolger der Coverversionen-Scheibe „Encore“ von 2016, indes rettet, ist die höchst professionelle, butterweiche Produktion von Jimmy Hogarth (Duffy, Amy Winehouse) - und halt immer wieder diese leicht heisere, volltönende Stimme des Londoners (trotz einer komplizierten Stimmbandoperation 2018). Vor einigen Jahren hatte sich Roachford bei Mike & The Mechanics verdingt, dem Projekt von Mike Rutherford (Genesis). Berührungsängste mit Mainstream-Pop hatte er also nie - das spürt man auch bei „Twice In A Lifetime“.

Ein geschmeidiger Genre-Mix hat Roachford schließlich auch weit gebracht: Einige große Hits in den 80er und 90er Jahren - und 2019 wurde er für seine musikalischen Verdienste mit dem Orden „Most Excellent Order Of The British Empire“ (MBE) geehrt. „Ich habe mich nie als schnöden Popstar betrachtet, der nur dem schnellen Ruhm hinterherjagt“, sagt der Sänger. „Mir ging es immer nur um die Musik und um Beständigkeit - und tatsächlich bin ich immer noch da.“


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